Pfoah, was für ein Tag. Heute schießt die Temperatur auf 29° und ich gurke mit dem Fahrrad durch die Gegend. Erst heute morgen knapp 9 Kilometer zum Praktikum, danach 10 Kilometer zur Therapie. Ich will nicht sagen, dass mir das Wetter etwas ausmacht, aber zum Radeln in meinem Tempo ist es zu warm. Definitiv. Aber ich bin ja nicht kaputt zu kriegen, nicht so. Also kurz abschwitzen und dann rein zur Therapeutin. Halt! Was ist das am Pedal? Nun ja, es war leicht schief und hat sich aus dem Pedalarm gelöst. Aber es gibt ja nur 2 Möglichkeiten: Entweder das hält bis zu Hause oder es fällt ab und ich kann zu Fuß gehen. Naja, keine Gedanken machen, erstmal rein zur Therapeutin.

Teil 3 von 5 in den Vorgesprächen, bevor der endgültige Therapieantrag gestellt wird. Heute erstmal ein Kurzfassung, was sich bei mir geändert hat: Ich habe mir das letzte Therapiegespräch zu Herzen genommen und auch die warnenden Worte hier zu Hause. Ich bin also krankgeschrieben. Ja, ich kann damit mittlerweile auch gut leben. Dennoch wollte ich nicht untätig sein und habe mich selbstständig um ein Praktikum gekümmert, 3 – 4 Stunden am Tag und im Grafik-/Designbereich, den ich eigentlich immer machen wollte. Ich habe mein Fahrrad repariert und freue mich aufs Fahren. Selbst die Gesamtstrecke von 16km ins Büro schreckt mich nicht ab. Ich bringe mich mehr in den Haushalt ein. Ich halte Absprachen besser ein. Ich lache mehr und ich habe seitdem keine negativen Gedanken mehr. Es gab nur einen Tag, wo es nicht gut war, aber sonst nicht schlechter als Durchschnitt. Die Probleme von außen werfen mich gerade nicht mehr so um und ich kann mich konzentrierter darum kümmern. Punkt. Das sind halt die Änderungen von meiner Seite. Klingt nach einem guten und besseren Lebensgefühl, oder? Ja, auf jeden Fall. Es tut mir gut, dass ich diese Auszeit nehmen kann und mich neu ordnen. Alles andere hätte gerade keinen Sinn gemacht. Ich spüre sowas wie Aufbruchstimmung und kann nun mein Leben neu gestalten. Warum nicht eher? War es die Angst davor? Die Angst aus gewohntem Verhalten auszubrechen? Angst davor, doch etwas anderes zu können und zu wollen?

Und dann ging es an die Formalitäten. Eben nochmal ein Konsil bekommen, das mein Hausarzt ausfüllen darf. Nichts aufregendes, aber ich muss mich halt darum kümmern, dass es bis zum nächsten Termin ausgefüllt ist. Morgen ist kein Praktikum, also geht es direkt aufs Fahrrad und zum Hausarzt. Zumindest plant mein Kopf das so. Anschließend sind wir den am Anfang ausgefüllten Fragebogen durchgegangen. Die ersten Teile. Gedanklich ein extremer Umsprung von „im Moment fühle ich mich gut“ in „jetzt kommt die anstrengende Vergangenheit“. Aber auch dabei habe ich mich heute erstaunlich gut gefühlt. Die Erinnerungen, die mir aus meiner Kindheit fehlten, hat sie mir dann nochmal ins Gedächtnis gerufen. Wir sind zwar heute nur bis zum Teil „Teenager“ und ca. 23. Lebensjahr gekommen, aber das hat auch gereicht. Anstrengend war auf jeden Fall, nochmal über das Wiederholen der 9. Klasse, die damit verbundene Rebellion gegen meine Eltern und den Alkohol. Nein, nicht ich. Sie.

Und zack, da war auch die Stunde schon um. Es ist die dritte Stunde, die für mich erschreckend schnell rum war. Frau V. (ich nenne hier keine vollen Namen) hat aber leider den Abschluss der Gespräche nicht so gut drauf, wie Frau K. oder W. Ein wenig Gedanken mache ich mir schon, wenn das so weitergeht, ob ich dann aus solchen Gesprächen auch gestärkt und positiver gehen kann. Auch eine Aufgabe für mich, sie das nächste Mal direkt darauf anzusprechen. Alles in allem keine aufregende Sache heute. Wir tasten uns noch ab und an.

Und als ich losgefahren bin? Fällt dieses *piep* Pedal komplett ab. Ich hab damit gerechnet, irgendwie. Warum sollte ich dabei auch mal Glück haben? Also schlappe 7 Kilometer zu Fuß nach Hause dackeln. Nee, halt, da kommt ja noch ne Tankstelle – die aber komischerweise gar kein Werkzeug mehr da hat. Warum der Tankwart unter dem Tresen geschaut hat, weiß ich bis jetzt noch nicht. Kann ja nicht so schwer sein, einen Schraubenschlüssel zu besitzen, oder? Und natürlich hatte ich alles für einen geplatzten Reifen mit. Hilft ja auch mal gar nicht.

Aber könnt ihr euch vorstellen, dass auch diese Situation etwas Gutes hatte? Nein? Doch! Normalerweise würde ich den kompletten Weg frustriert nach Hause gehen und mich wohl auch abends in die Laune fallen lassen. Am Anfang – die ersten 2 Kilometer – war ich auch in dieser Laune. Aber warum soll ich mich aufregen? Gehen ist eine Alternative zum Radfahren, nur langsamer. Ich komme auch so nach Hause, schraube das Pedal wieder an und dann ist alles wieder auf Start. Außerdem kann ich so meine Belastung noch etwas testen, ich verbrenne ein paar Kalorien und werde in der Sonne auch noch braun. Klasse.

Fazit: Ich bin entspannt kaputt, sitze nun im Garten und lasse den Abend ausklingen, freue mich auf meinen freien Tag morgen, werde meine Aufgaben erfüllen und hab Gitarrenunterricht. So nebenbei: Ich hasse diese Schwitzerei.