… darf ich wieder aktivieren. Irgendwann in den letzten Wochen bin ich wohl auf den Not-Aus-Knopf gekommen. Nach meinem Aufenthalt in der Tagesklinik hatte ich zwar das Gefühl, dass es jetzt in eine vernünftige Richtung geht und ich auch verstanden habe, wie ich „anders denken“ kann und mir Gutes tue, aber es ging jetzt keinen Schritt mehr vorwärts. Ich bin fünf Schritte zurückgegangen. All das Erlernte war wie weggeblasen. Warum? Uff, ja, da gibt es sicher unterschiedliche Gründe. Mit der ambulanten Therapeutin bin ich nicht zurechtgekommen und habe mich dann einfach wieder in eine Lethargie fallen lassen. Das war sicher verkehrt und hat eine Menge Ärger mit sich gebracht, aber ich habe verstanden, dass die fünf Schritte rückwärts nur der Anlauf sind, damit ich nochmal durchstarten kann. Und wie?

Zunächst musste ein neuer Therapeut her. Oder eine andere Maßnahme, die die Zeit bis dahin überbrückt. Sicher gibt es den sozialpsychiatrischen Dienst, aber die Einrichtung ist für mich gerade eher eine Notlösung als eine Anlaufstelle in meiner jetzigen Verfassung. Da meine Anspannung gewachsen ist, ich gar nicht mehr zur Ruhe gekommen bin und fast nur noch mit dem Gefühl lebte, wie ein Tiger durch die Wohnung laufen zu müssen, habe ich mich auch mit Reiki als Entspannungsmaßnahme befasst; es klingt nicht verkehrt, wenn man sich die Bedeutung von Chakra durchliest. Letztlich war es aber glücklicher Google-Treffer, der mich zu meinem jetzigen Therapeuten geführt hat. Besonders aufgefallen ist mir der Begriff Hypnotherapie. Na klar, das kann nur eine begleitende Maßnahme für mich sein, aber ich weiß, dass mir die Entspannungszustände (Imagination und Meditation) ne ganze Menge bringen können. Hinzu kommt, dass er systemisch arbeitet – nicht nur ich werde ergründet, sondern auch die familiären Zusammenhänge und Auslöser, die Interaktion und der Einfluss auf mich. Dabei geht es nicht um Schuld, gut oder schlecht, oder ähnlichem. Gänzlich überzeugt hat mich aber, dass er blind ist. Ja, blind. Finde ich nicht nur in Ordnung, sondern super. Wenn ich also zu ihm kann, dann beobachtet er nicht meine Gesten, Körperhaltung oder Mimik. Er nimmt mich komplett anders wahr, was ein entscheidender Vorteil sein kann – es geht allein um Sprache und Inhalt. Es ist einen Anruf wert.


Ein Anruf, der sich gelohnt hat. Drei Tage später hatte ich meinen Termin zum Vorgespräch, 90 Minuten. Ich habe M. gebeten mitzukommen bzw. dazu zu kommen. Eine Therapie ist eine Chance für mich, aber ich möchte sie einfach weiter mit einbinden. Am Ende hat sich herausgestellt, dass es eine super Chance nicht nur für mich, sondern für uns beide ist. Ich habe mich in einem Gespräch noch nie so wohl gefühlt – ja, sicher, mit belastenden Themen – aber er hat es verstanden, die Situation mit Humor wieder aufzulockern. Und nicht nur ich war gefragt. M. wurde in das Gespräch genauso mit einbezogen und konnte/sollte mich im Alltag beschreiben. Alles in allem eine Runde Sache. In der Zeit bis zum gestrigen Termin konnte ich mich jederzeit per E-Mail oder SMS melden. Und auch so kann ich alles schreiben, was mir auf dem Herzen liegt. Telefonische und E-Mail-Begleitung ist nichts selbstverständliches.

Gestern also ein neuer Termin. 90 Minuten. Ich habe mir vorgenommen, mich auszukotzen. All das mal zu sagen, was ich sonst nicht in Worte fassen kann. M. sollte wieder dabei sein, aber ich wollte auch ein paar Minuten allein. Ein wenig blockiert fühle ich mich (bis gestern) schon, wenn ich ihn ihrer Gegenwart reden muss. Viel beschreiben kann ich gar nicht. Wir haben zu dritt erörtert, wie verschoben meine Denkweise teilweise ist, wie sehr mich negative Gedanken schwächen und vor allem Details aus unserem Alltag, die wir hier so wohl nicht besprochen hätten. Wir haben nun eine Vereinbarung geschlossen. M. und ich schließen einen Vertrag. Ein Vertrag, der für uns regelt, was wir möchten und was eine Strafe sein kann. Ein Vertrag, der für mich als Ansporn dient, der mehr Vertrauen schaffen kann und mich daran erinnert, dass der aufrechte Weg immer der bessere Weg ist. Ein Vertrag, der mich aus meinem negativen Gedankenstrom holen kann und darf. Ein Vertrag, der uns beide nach einer Woche belohnen darf. Ein Vertrag, der den Frust abbaut und die Freude zurückbringen kann. Es ist die Chance, dass M. nicht in einer Co-Abhängigkeit bleibt, sondern ich durch diesen Vertrag Entlastung schaffe. Entlaste ich mich, denke ich positiv, wirkt sich das auf das komplette Leben aus. Und die Abhängigkeit entsteht zwangsläufig durch eine Beziehung zweier Partner.

Aber nicht nur das war Thema. Vordergründig geht es gerade einfach um die Kraft meiner Gedanken. Können meine Gedanken mich verändern? Ja! Tschuldigung, aber JA! Gestern ist mir nochmal klar geworden, wie kraftraubend ein negativer Gedankenstrudel ist. Frust, Wut auf mich selbst, Rückzug, unerfüllte Hoffnung, nicht ausgesprochene Wünsche und so weiter, und so weiter. Meckern und jammern ist doch viel einfacher, als sich permanent das Gute in den Kopf zu rufen, oder? Aber es klappt. Warum besinne ich mich nicht auf das Gute? Es ist so einfach, sich den letzten schönen Moment nochmal in den Kopf zu rufen. Essen gehen, Drachen steigen lassen usw. .. Kleinigkeiten, aber ich hatte Spaß. Wenn ich nun also die Augen schließe, diese Momente nochmal bewusst erlebe und auf mich wirken lasse, fühlt sich das nicht nur gut an, es ist auch beruhigend. Geschlossen haben wir das Gespräch mit einer einfachen Übung. Wenn ich mich schon als Tiger fühle, dann soll ich mir diesen Tiger einfach vorstellen, der Tiger sein und meine Umgebung wahrnehmen, erzählen was ich sehe. Den großen Berg aus Frust und „Müll“, Wut und Angst beschreiben, auf ihn zugehen, vielleicht ein wenig kratzen an diesem erdrückenden Sandhaufen. Ich darf bewusst erleben, wie es sich anfühlt, wenn ich versuche die Spitze zu erreichen und wie gut es ist, wenn ich auf der Kuppe stehe. Es erfüllt mit Motivation, ruft die Kraft und den Willen in mir auf, dass ich was verändern kann. Ich bin der Tiger, der diesen Berg erklimmen und den Sand Stück für Stück wegschaufeln kann. Gedanken tun nicht weh, aber ich kann mein Wohlbefinden damit steuern. Ganz bewusst. Und auch diese Gesprächsrunde war Vorteilhaft für M. und mich.

Und die Offenheit und Direktheit in diesen Gesprächen ist unvergleichlich. Da muss sogar ich meine Scheu ablegen. Ein großes Thema ist Sexualität. Sie leidet zwangsläufig. Es nervt mich. Doch ich seh nur meine Seite.  Ich habe nur meine Seite gesehen. Ein kurzes Gespräch:
T: „Wann habt ihr denn das letzte Mal geschnakselt?“
B: „Hä? Meinst du Sex?“
T: „Jaaaaa sicher. Findeste M. denn scharf?“
B: „Ja.“
T: „Ich hör dich nicht!“
B: „JA!“
T: „Weißt du wie sich das anhören muss, wenn ich meine scharf finde?“
B: „Nein.“
T: „JAAAAAAAAAAAAAAAAAARRRRRR LOGO! So muss das.“
… nun, es motiviert. Irgendwie motiviert es. Erst da merk ich, wie introvertiert ich geworden bin. Und so blöd es klingt, ich muss dabei lächeln.

Und damit kann ich auch noch besonders hervorheben, dass mein Therapeut mich heute – am Samstag, einen Tag nach dem Gespräch – anruft, fragt wie es mir nach dem Gespräch ging, wie die Gefühlslage ist und wie die Interaktion zu Hause funktioniert. Das ist nicht selbstverständlich.

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Der Gedanke als Vater aller Dinge, oder: Mit wem kommuniziere ich am meisten? Mit mir natürlich! Morgens denke ich. In meinem Kopf. Vor jedem Gespräch, jedem Satz, jeder Handlung ist der Ursprung immer mein Gedanke. Ausnahmslos. In meiner – und auch eurer Kindheit – haben sich in unserem Kopf Programme entwickelt, die wir in bestimmten Situationen einfach abspulen. So, als wenn wir Word öffnen um einen Text zu schreiben. Photoshop benutzen, um ein Bild zu bearbeiten. Das Programm wird unterbewusst geöffnet und abgespult. Dabei ist dem Gehirn aber auch völlig egal, ob es ein gutes oder schlechtes Programm ist. Und sofern ich nicht eines dieser „falschen“ Programme unterbreche, wird immer das abgerufen, was dort noch verankert ist. Hand aufs Herz, könnt ihr der Gewohnheit entgehen negative Selbstgespräche zu führen wie z.B.:

  • „Ich komme mit meiner Arbeit einfach nicht voran.”
  • „Ich habe heute einen schlechten Tag.”
  • „Ich kann das nicht.”
  • „Jedesmal, wenn ich mit ihr (oder ihm) rede, bekommen wir Streit.”
  • „Ich bin zu dick und schaffe es nicht abzunehmen.”
  • „Ich kann nicht joggen, das ist nichts für mich.”
  • „Warum sollte ich es versuchen, es wird doch nicht klappen?!”
  • „Ich habe kein Talent zum ….”
  • „Ich habe einfach kein Glück.”
  • „Ich habe es versucht, aber ich kann es nicht.”

Genau diese Denkweise macht uns zu dem, was wir sind und wie wir uns fühlen. Ja, mich auch. Mich prägen dabei noch ganz andere Denkmuster, die mich (in meinen Gedanken) zu einem stetig schuldigen Menschen machen und mich kleinreden. Die Programme laufen fehlerfrei, rauben mir aber jede Menge Arbeitsspeicher, den ich mit besseren Programmen belegen könnte. Und genau das ist mir nach den ersten Gesprächen bewusst geworden. Nicht nur das Denken kann ich beeinflussen, sondern auch die damit verbundenen Handlungen.

„Die Zukunft liegt in deinen Händen.“ Kennt ihr den Satz? Und wie oft kommt danach von euch selbst: „Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll. Ich kann das einfach nicht. Es hat doch bis jetzt auch nicht funktioniert.“ Zu oft? Nun, bei mir ja. Deshalb habe ich beschlossen, mein Leben jetzt in meine eigenen Hände zu nehmen. Ich bestimme über mein Denken! Ich bin Herr über meine Gedanken und ich will selbst entscheiden, was ich denke! Ich lasse mich nicht mehr von der Gedanken-Programmierung meiner Eltern, anderen Erzieher, vergangener Erfahrungen, antrainierten Strategien und der Launen anderer steuern. Zusätzlich werde ich mich mit Affirmationen probieren, über die Dennis auch schon in seinem Blog geschrieben hat. Dazu aber später mehr.

Mir ist klar geworden, dass ich nicht dem hinterher trauern darf, was ich gerne hätte und hatte, sondern was dafür tue, dass ich es wiederbekomme!