Es braucht gerade nur das eine Wort. Muss ich auch kein Blatt vor den Mund nehmen. Die letzten Tage waren genau so! Ihr habt doch nicht etwa gedacht, dass es mir schon wirklich besser geht, oder? Besser ja, ich hab mehr verstanden, aber stoppen kann ich noch lange nicht alles. Zudem kommt eine Laune meist einfach so. Ich bin niedergeschlagen, fühle mich ausgebrannt und erst dann schleichen sich noch die Grübelattacken ein. Aber wisst ihr was? Ich bin verdammt stolz darauf, dass ich meinen Freund nicht mehr an der Seite habe. Er hält endlich die Klappe! Gehen wir die paar Tage einfach mal durch …
Freitag. So eher durchwachsen. Ehrlich? Ich weiß schon gar nicht mehr so richtig, wie ich tagsüber gelaunt war. Morgens StartUp!-Gespräch, Vorstellungsgespräch, Einkaufen, Essen vorbereiten, Haushalt machen. Musste ja alles fertig werden, damit wir abends endlich mein Weihnachtsgeschenk vom letzten Jahr einlösen können. Ja, endlich! Endlich Lord of the dance live erleben! Endlich ein eigens Video vom Finale machen! Endlich diese Gänsehaut bekommen und beeindruckt sein! Hab ich! JA! Aber …

lord of the dance … ich war bei Abfahrt so in Gedanken, dass ich natürlich vergessen habe Geld zu holen. M. hat sich auf mich verlassen und zack! stehste da und kannst dir nicht mal was zu trinken holen. Ihre Enttäuschung war spürbar, mein Gewissen hat mich natürlich auch direkt gebissen. Aber wir haben es überlebt. Und die Vorstellung? War (eigentlich) grandios. Super. Mir fehlte aber das alte Flair, das Michael Flatley fehlt, merkt man extrem und die beiden Haupttänzerinnen haben eher einen „osteuropäischen“ Charakter als einen irischen, da fehlen mir die voluminösen, langen, dunkelgelockten Haare und die kraftvollen Beine. Es war trotzdem toll, muss aber nicht nochmal live sein.

Samstag. Beim Aufstehen schon gemerkt, dass ich schlecht geschlafen habe und meine Laune irgendwo unter dem Bett liegengeblieben ist. Ein paar andere Einflüsse haben mich dann ans Sofa gefesselt und mich in meiner Laune verharren lassen. Tag erledigt, mittags wieder ins Bett gewollt, mehr ging nicht.

Sonntag. Aufstehen. Gefühlt bin ich im oberen Drittel der Launenskala, aber nachmittags raus und Freunde treffen? Moaaar! Määäh! Neee. Ich will meine Ruhe, liegen, nichts machen. Absagen? „Nein, Herr B.! NEIN!“ Ich hab nen Termin gemacht, ich halte meinen Termin ein, das ist schließlich Teil meines Vertrages! Ja, es war ja auch am Ende ein verdammt schöner Nachmittag. Das weiß ich ja auch vorher. Zumal ich mich da nicht verstellen muss, wenn es mir nicht gut geht, zwingt mich keiner zu besonders guter Laune. Es tat gut alle wiederzusehen, Spiele zu spielen, zu lachen, zu quatschen, gemocht zu werden, verstanden, sinnlosen Quatsch reden und Kind bespaßen.

Montag. Das Wort Montag ist doch schon prädestiniert für schlechte Laune. Ohne Grund bin ich morgens damit auch wieder aus dem Bett gestürmt. Gut, nehm ich so in Kauf, nachmittags ist ja schließlich Therapie. Das die völlig anders läuft, als ich mir das erhofft habe und meine „wichtigen“ Themen gar nicht auf den Tisch kommen, hätte ich nicht gedacht. „Hast du deine Eltern besucht und dich der Situation gestellt?“ „Nein! Wollte ich nicht, ich hatte keinen Bock drauf, ich will mich um mich kümmern und nicht ausprobieren, wie weit ich die Situation vernünftig mitnehmen kann.“ Und prompt geht es darum, die verletzten Gefühle und wen ich in der Situation sehe. Herrgott verfluchte Scheiße! DAS interessiert mich grade nicht! Ich will die nicht sehen! Ich will die nicht hören! Und schon gar nicht toll mit denen umgehen! Ich fühle mich mit meiner Wut sehr gut und vor allem mit dem Gedanken, denen genauso eins auszuwischen, wie sie es mein Leben lang getan haben! Ob sie das wollten oder nicht, ob sie selbst Erfahrungen gemacht haben oder nicht! DAS interessiert mich nicht! Ich will nicht mehr einstecken, ich habe keine Lust die Fresse zu halten, ich habe keine verdammte Lust mehr immer den kleinen, nichtssagenden Jungen zu spielen. Ja, ich bin erwachsen, ja ich kann anders handeln, aber ich will es einfach grade noch nicht! Grade weil ich damals immer schon ruhig sein musste, will ich es jetzt nicht mehr sein. Ist doch verständlich! Auch wenn mich diese Wut Kraft kostet. Dann tut sie das halt!

Alles in allem gar nicht rund der Tag. Kann ich mich auch einfach mal beschissen fühlen? Ja. Schauen wir, wie es weitergeht. Das Wochenende war zumindest ein kleiner Schritt zurück.