Der dritte Teil: Herr Bock fragt … sein Umfeld, enge Vertraute, Freunde, Familie und Wegbegleiter. Wie haben mich meine Mitmenschen gesehen? Wie sehen sie mich heute? Die Fragerunde ist auch wieder eine typische Win-Win-Situation. Ich hab die Chance von diesen Menschen ein paar Antworten für mich zu bekommen und ihr könnt sehen, wie Menschen auf mich bzw. meine Krankheit reagieren, was es bei ihnen auslöst und was noch alles so sein kann. Sonst schildere ich – jetzt sind sie dran.

Heute H. … Mutter von meinem Herzmenschen. Immer greifbar, immer unterstützend, fragend und auch mal kritisierend. Sehr besonders und auch jemand fürs Herz! Wie hat sie das letzte Jahr und mich wahrgenommen?

 1. Als du bzw. ihr mich kennengelernt habt, hättest du da erwartet, dass  ich so extrem verschoben denke und mich selbst in Probleme verstricke?

Nicht beim ersten Zusammentreffen, aber nach und nach habe ich bemerkt, dass irgend etwas nicht stimmt. Mir war das Ausmaß nicht bekannt, aber das irgendetwas nicht rund läuft, habe ich ziemlich schnell bemerkt, mochte es aber nicht ansprechen!

2. Nach und nach kam ja auch euch gegenüber immer mehr die Unehrlichkeit zu Tage. Wie hast du das empfunden?

Sehr enttäuschend und verletzend, zumal du mit bekommen hast, dass wir kaum kritisieren, sondern eher helfen, als mit Ratschlägen herumzufuchteln. Ich war sehr verletzt.

3. Als ich mir mehrmals ein Herz gefasst und versucht habe offen zu reden, über die Vergangenheit, meine Suizidgedanken und wie sehr mich alles belastet, war das hilfreich zur Aufklärung?

Hmm, nicht wirklich, ich habe ja selber so meine Probleme und Belastungen aus früheren Tagen. Für meinen Gechmack hast du auch sehr schnell wieder „dicht“ gemacht und das Thema war durch…..

4. Auch du bzw. ihr habt mich in all der Zeit nicht hängen lassen, seid auch heute in jeder Situation da. Dafür bin ich sehr dankbar. Gibt es Gründe, dass du auch heute noch so offen mir gegenüber bist?

Na klar:
1. Jeder Mensch soll eine zweite Chance haben, so auch DU.
2. Bist du die Partnerin von M., die mir sehr, sehr wichtig ist und am Herzen liegt.
3. Ich hoffe (noch immer), dass du den richtigen Weg findest und irgendwann auch ehrlich zu mir sein kannst, auch, wenn dass, was du zu erzählen hast, nicht supergut und positiv ist!
4. Ich habe dich von Anfang an gemocht und Dank meiner Menschenkenntnis glaube ich, dass auch in Dir ein guter Kerl steckt, auch, wenn du den manchmel verdammt gut versteckst.

5. Hattest du vor mir schon tiefergehende Erfahrung mit depressiven Menschen?

Wenn ich mich selber dazu zähle, dann ja, mehr als genug!

6. Ich bin vor gut einem Jahr mit der ersten ernstgemeinten Therapie gestartet. Wie hast du das damals wahrgenommen?

Skeptisch, das, was du davon erzählt hast, klang für mich oft nach „Kaffeeklatsch von jungen Menschen“. Ich habe öfter die Ernsthaftigkeit vermisst, den Tiefgang. Wahrscheinlich warst du dazu noch nicht bereit oder hast dich zu sehr ablenken lassen, Therapie ist harte Arbeit, immer wieder und immer weiter…..

7. Stand heute: Hast du Veränderungen bei mir wahrgenommen?

Ich sehe dich in der letzten Zeit zu wenig. Über M. bekomme ich aber Veränderungen mit. Wir sprechen auch über Dich, nein, wir ziehen nie über Dich her, wir lästern nicht, ich frage allenfalls, ob es ihr (M) gut geht, auch mit dir und darüber bekomme ich die Veränderungen mit!

8. Ich schreibe offen über mich, mein Leiden und meinen Weg. Wie stehst du dazu? Liest du regelmäßig? Wenn ja, hilft es dir, mich noch besser zu verstehen?

Dass du das so offen betrreibst, finde ich mutig, denke aber auch: Das steht jetzt für alle Zeiten im Netz, ich würde das von mir so nicht wollen.Ich lese alles, aber nicht immer sofort, sondern, wenn ich Zeit und Muße habe. Ich persönlich profitiere nicht so wirklich davon, ich würde liebe mit dir reden, das ist eher so meine Art der Kommunikation. Du fragst ja hier nach meiner Meinung, sicherlich profitieren andere davon, das glaube ich!

9. Könntest du mir positive und negative Eigenschaften von mir sagen? Wenn ja, welche?

Ja, du hast ein umwerfendes Lächeln und Lachen, eines sehr angenehme Art, zu erzählen und zu schreiben. Du kannst dich so herrlich freuen.
Unehrlichkeit, Lügen und Verschweigen.

10. Depression – eine neumodische Erkrankung dieser schnelllebigen Welt oder doch ein unterschätztes Risiko bei vielen Menschen?

Depressionen gab es früher auch schon, wurde nur noch nicht so genannt. Momentan ist es aber auch eine Mode geworden, die einen haben „Rücken“, die anderen Burnout….Die meisten Diagnosen wurden von den Menschen, mit denen ich sprechen, von den betroffenen Personen selbst gestellt, nicht von einem Arzt und manche kokettieren auch damit, was ich fatal finde. Das ist eine Krankheit und kein „Modeschmuck“.

11. Brennt dir noch etwas auf der Seele, was du sagen möchtest?

Ich wünsche mir, dass wir uns noch besser kennen lernen, Vertrauen auf beiden Seiten aufbauen können und die Angst belogen zu werden, auch irgendwann abbauen oder vergessen können. Ich mag Dich ansonsten sehr, nur das steht zwischen uns, was ich sehr schade finde. Ich hätte mir in meinen schlimmsten Phasen so einen Rückhalt gewünscht, darum fällt es mir nicht so schwer, hinter dir zu stehen.