Der vierte Teil: Herr Bock fragt … sein Umfeld, enge Vertraute, Freunde, Familie und Wegbegleiter. Wie haben mich meine Mitmenschen gesehen? Wie sehen sie mich heute? Die Fragerunde ist auch wieder eine typische Win-Win-Situation. Ich hab die Chance von diesen Menschen ein paar Antworten für mich zu bekommen und ihr könnt sehen, wie Menschen auf mich bzw. meine Krankheit reagieren, was es bei ihnen auslöst und was noch alles so sein kann. Sonst schildere ich, jetzt sind sie dran.

Heute in der Fragerunde meine ehemalige Arbeitskollegin N., gute Vertraute … der Weg hat uns getrennt, es war mehr Ruhe als gewünscht, aber auch sie kennt viel von mir. …

1. Wir haben uns als Arbeitskollegen kennengelernt. Hast du damals schon bei mir irgendwas gemerkt bzw. den Verdacht, dass etwas sein könnte?

Ich dachte damals, dass du nur viele Probleme hast und ein Eigenbrötler bist. Durch deine lustige und selbstsichere Art, wie du dich präsentiert hast, hätte ich mir das nicht vorstellen können.

2. Auch privat hatten wir dann viel miteinander zu tun und viele tolle Abende erlebt. Gab es da einen Anlass?

Stimmt, die Abende waren toll. Jedoch man hatte damals den Eindruck , dass dich etwas beschäftigt oder das du Proleme hast, über die du nicht reden willst. Da ich aber ein kleines „Helfersyndrom“ habe, bei Leuten die mir wichtig sind, wollte ich immer wissen was los ist und war, um eine Antwort zu kriegen, dann immer sehr direkt. Wenn ich das Gefühl hatte, dass du nicht ganz ehrlich bist, stellte sich immer die Frage „Warum/Wieso?“. Da in einer Freundschaft „Ehrlichkeit“ wichtig ist , hatte ich das Gefühl, dass du kein Vertrauen zu mir hast und das obwohl ich versucht habe dir zu zeigen, dass es keinen Grund zum Misstrauen gibt. Dadurch kam es immer wieder zu Missverständnissen, die dann zu kleinen Reibereien führten. Gerade wenn dein Perfektionismus zum Vorschein kam z.b beim Fotografieren, warst du recht schnell unzufrieden wenn sich die Leute eingemischt haben oder wenn es nicht nach deiner Vorstellung ging. Man kriegte dann das Gefühl, dass du ein Einsiedler bist und das die Freundschaft vielleicht nur einseitig ist. Weil die Art der Unzufriedenheit, die du dann an den Tag gelegt hast, mit nicht oder kaum reden endete. Ich habe nicht direkt gedacht, dass du unter Depressionen leidest. Ich dachte, du wärst nur schwierig.

3. Hat dich meine Offenbarung mit der Email geschockt, in der ich mich schildere und entschuldige?

Nein, ich war eher erleichtert. Nun gab es eine Erklärung, warum du so gewesen bist.

4. Hattest du vorher schon mit depressiven Menschen zu tun?

Ja, aber bei Depressionen gibt es sehr viele Varianten. Deshalb ist es so schwierig zu erkennen, ob jemand darunter leidet.

5. Ich weiß, dass du regelmäßig meinen Blog liest. Danke! Wie verfolgst du meine Entwicklung? Meinst du, dass sich was geändert hat?

Schwer zu sagen. Du konntest schon immer gut schreiben oder mit Worten umgehen und da wir kaum persönlichen Kontakt haben, ist es schwer einzuschätzen. Aber deine Texte sind sehr offen und ehrlich, deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass du dich verändert hast.

6. Wenn ich behaupte: „Depressionen sind einfach nur eine Erscheinung unserer schnelllebigen Welt und wenn wir uns nicht so anstellen würden, hätten wir auch nichts.“ Was würdest du dazu sagen?

Ich stimme dir nur teilweise zu. Denn Depressionen können auch durch Erlebnisse der Vergangenheit oder durch eine körperliche Erkrankung entstehen. Jedoch weiß ich, dass diese Krankheit auch durch die Belastung der gesellschaftlichen Situation ausgelöst wird wie z.B. Arbeitslosigkeit. Es gab schon immer Menschen, die unter Depressionen gelitten haben, jedoch erst jetzt wird diese Krankheit durch Medien ernster bewertet und es gibt mehr Hilfe für diese Menschen.

7. Hat das Wissen über meine Erkrankung deine Meinung zu mir geändert?

Nein, du bist immer noch ein toller Mensch und nun, wo ich weiß was los ist, kann ich besser mit deiner Art umgehen. Es erklärt deine Stimmungsschwankungen und ich weiß, woran es liegt. Ich habe oft gegrübelt, ob ich was Falsches gesagt habe.

******

Danke für die ehrlichen Antworten! Die Antworten zeigen, dass ich mich als Betroffener in irgendeiner Form mitteilen muss, weil sonst viele Fragen offen bleiben und ich auch nicht verstanden werden kann.