Ich bin depressiv. Ich war depressiv – wie auch immer das jeder sehen möchte. Aber: Ich bin in einer glücklichen Beziehung. Aber eine Beziehung mit einem depressiven Menschen muss nicht immer glücklich sein. Wie oft erwischt du dich selbst dabei, dass du dich ungeliebt, unbeachtet, unbedeutsam, ignoriert, unverstanden oder allein fühlst? Oft? Ausschlaggebend dafür ist meiner Meinung nach, dass wir nicht bei uns selbst bleiben, nicht für uns selbst sorgen (können) und alle Hoffnung in die Aufmerksamkeit des Partners legen. Passiert das nicht, springt die Stimmung extrem um, wir suchen nach dem kleinsten Auslöser, alles wieder negativ zu empfinden. In „Lieben was ist …“ habe ich all das schon beschrieben. Aber mir sind heute Worte von Jorge Bucay über den Weg gelaufen …

… Worte, die mich sehr bewegt haben, die mich selbst nochmal daran erinnern, wie eine Beziehung funktionieren kann und darf. Worte, die als kleine Regel für beide Seiten dienen können.

Ich möchte, dass du mir zuhörst, ohne über mich zu urteilen.
Ich möchte, dass du deine Meinung sagst, ohne mir Ratschläge zu geben.
Ich möchte, dass du mir vertraust, ohne etwas zu erwarten. 
Ich möchte, dass du mir hilfst, ohne für mich zu entscheiden.
Ich möchte, dass du für mich sorgst, ohne mich zu erdrücken. 
Ich möchte, dass du mich siehst, ohne dich in mir zu sehen. 
Ich möchte, dass du mich umarmst, ohne mir den Atem zu rauben.
Ich möchte, dass du mir Mut machst, ohne mich zu bedrängen.
Ich möchte, dass du mich hältst, ohne mich festzuhalten.
Ich möchte, dass du mich beschützt, aufrichtig. 
Ich möchte, dass du dich näherst, doch nicht als Eindringling.
Ich möchte, dass du all das kennst, was dir an mir missfällt. 
Dass du es akzeptierst, versuch es nicht zu ändern. 
Ich möchte, dass du weißt … dass du heute auf mich zählen kannst. 
Bedingungslos.

Ich habe mit Absicht „möchte“ gewählt. In der originalen Fassung wird „will“ benutzt, was mir aber in vielen Bereichen zu fordernd erscheint. Denn Forderungen sind der „Tod“ jeder Beziehung. Die Kunst es doch viel mehr: „Wir bleiben beide wir selbst, aber gehen den Weg im Leben zusammen, ohne uns zu verbiegen.“ Aber warum ist das für einen depressiven Menschen so wichtig? Eigentlich liegt es auf der Hand: Wir fordern. Wir schreien nach Aufmerksamkeit und Verständnis. Wir rufen nach Hilfe, aber wir können nichts mit anfangen. Wir wollen jemanden, der uns permanent an der Hand hält und begleitet, aber wir lassen uns einfach nichts sagen, fühlen uns angegriffen und ziehen uns noch weiter zurück. Und je mehr wir uns selbst sehen, wir nur in der Depression verharren, verlieren wir den Blick für die Liebe des Partners oder der Freunde. Wir sehen nicht mehr, wie sehr sie selbst mit uns leiden, hilflos zuschauen müssen und nicht wissen, wie sie reagieren können.

Die Worte von Jorge Burcay richten sich an alle Beteiligten. Sie öffnen die Augen für das Wesentliche und dem Gefühl, was wir eigentlich empfinden dürfen und sensibilisiert für den nötigen Respekt.