Es ist ja irgendwie paradox und ernüchternd. Was? Tja, hier zu sitzen, die Finger über die Tastatur gleiten zu lassen und davon zu schreiben, dass ich nen Schritt zurück gegangen bin. Eigentlich ist es sogar noch mehr. „Stopp. Ich muss nochmal zum Anfang und gucken, ob ich mich wirklich verändert habe, ob es sich gebessert hat und ob ich da rauskomme.“ So, oder so ähnlich hat sich mein „Freund“ in der Schaltzentrale das wohl gedacht. Fakt ist: Es klingt zu weich. Viel zu weich. Ich bin zurück, habs getan und da sitz ich nun mit dem Scheiß. Ich grabe mich in Gedanken ein, ignoriere und belüge mich, lasse mich selbst im Stich und damit auch alles (und alle) um mich herum. Wieder dieses Labyrinth, aus dem ich so schwer rausgekommen bin (Warum verfluchte Scheiße, bin ich da überhaupt nochmal rein?), wieder den Ausgang suchen, wieder alles anwenden, wieder und wieder und wieder. Dass es zwischendurch mal schwierig wird, das war mir bewusst, aber das es mich in meiner Unaufmerksamkeit so erwischt? Blindlings rein? Herrgott nochmal, das ist verdammte Kacke! Ich habs kurzerhand verbockt.

Sicher kann ich jetzt Schönrederei betreiben: „Das wird wieder. Es kommen bessere Tage. Verurteile dich nicht zu sehr, das macht es schlimmer. Akzeptiere, dass es passiert ist. Ein Schritt zurück ist doch normal.“ Nein! Eben genau das funktioniert nicht. Das wäre mit meinem jetzigen Verständnis genau das, was nicht sein darf. Ich bin ja nicht nen Schritt zurück, ich bin den ganzen verdammten Weg zurück, als wenn mich jemand bei „Mensch ärgere dich nicht“ rausgeworfen hat. „Geh zurück auf Los, zieh aber nicht die 2000.- ein.“ Es ist beschissen und ich muss sehen, wie ich die Kuh vom Eis bekomme. Falls jemand Interesse hat, die Kuh nochmal eben zu melken, darf er/sie sich gern melden. Andernfalls werde ich das Kind schon schaukeln. Nach wie vor kommt es auf mich an und das, was ich mache. Und nicht zwingend die Auslöser von außen, die mich eventuell belasten können. Falsch abbiegen mag das eine sein, verkehrt in der Sackgasse stehen das andere.

Wie soll mir jemand vertrauen, wenn ich es selbst nicht mache? Die Herzfrau hat in den letzten Wochen – bewusst oder unbewusst – versucht, meine Entscheidungen hören und darauf eingehen zu wollen. Vorher hab ich vieles mit: „Mir ists gleich. Können wir machen. Wie du möchtest.“ abgetan. Ich habe damit jegliche Verantwortung von mir gewiesen und mich hingegeben. Alles so machen, dass es passt und sie zufrieden ist. Aber wollte sie das? Ich denke nicht. Ich habe versucht meine Meinung klar auszudrücken, aber wie soll ich mit Verantwortung umgehen, wenn ich sie nicht mal für mich richtig übernehme? Keiner außer mir selbst kann verantwortlich für mein Leben sein. Sicher tragen wir in Beziehungen gegenseitig Verantwortung, aber sie kann zur Last werden, wenn einer stillschweigend zum alleinigen Entscheidungsträger ernannt wird. Verantwortlich bin ich also auch für die entstandene Situation – ohne mich damit selbst zu kritisieren.

Wie soll mich jemand lieben, wenn ich gerade wieder anfange, mir selbst mit Hass zu begegnen? Nach wie vor: Gar nicht. Ich bin zur Zeit nicht mit mir selbst im Reinen. Ich verurteile, kritisiere, motze, vernachlässige, werte ab bzw. bewerte und sehe nicht das wahre Bild von mir. Wie schaff ich es, all die Herzlichkeit und Liebe zu geben? Weil es von mir ablenkt. Weil ich mich mit dem Partner, Freund, Bekannten, Kunden oder sonstwas beschäftige. Aber nicht mit mir! Selbstliebe ist kein Egoismus, es gehört dazu. Ich stelle andere Sachen in der Vordergrund, aber wo bin ich? Wo sehe ich mich? Es ist doch ein verdammter Kreislauf. Aber sowas von einem Kreis, runder gehts schon gar nicht mehr. Da gibt sich ein Gedanke dem anderen die Klinke in die Hand. Und am Ende ist doch ne Drehtür, bei der ich den Ausgang verpasse.

Fazit ist: Die aktuellen Geschehnisse haben mich sensibilisiert. Ich habe verstanden, dass über ein Jahr Suche und Anstrengung in kürzester Zeit für die Katz sein können. Es zeigt, dass der Weg aus dem Chaos und dem Leben voller Gedanken ein stetiges Üben und Lernen bleibt. Es verdeutlicht, dass es nicht einfach mit Pillen, Therapie, Achtsamkeit und sonstwas plötzlich wieder gut ist und ich „gesund“ bin. Das Leben bleibt ein auf und ab, ich sollte mir wieder vertrauen und die Leichtigkeit zulassen, Prioritäten richtig setzen und aufhören, mich selbst zu erniedrigen. Jetzt! Nicht morgen.