Es gibt Momente, da werde ich grandios rückfällig und hänge in der Situation, dass sich doch endlich auch mal jemand um mich kümmern muss. Jetzt! Jemand, der mich einfach so in den Arm nimmt. Jemand, der mir Mut zuspricht. Jemand, der mich zwar kritisiert, aber dennoch aufbaut. Jemand, der mich beschützt und sagt, dass alles gut wird. Jemand, der mir einfach etwas Gutes tut und mich verwöhnt. Jemand, der mir meine Stärken zeigt und diese unterstützt. Und bei der Suche nach diesem „Jemand“ falle ich unweigerlich in die Negativspirale und bin traurig. Enttäuscht. Vielleicht sogar verletzt. Irgendwer wird mir doch all das mal geben können! Dabei weiß ich doch, dass ich das selbst am besten kann – wenn ich es nicht vergesse. Eigentlich weiß ich es. Ja, ich bin mir bewusst, dass ich egoistisch handeln muss, damit ich meine Bedürfnisse befriedige. Eigentlich.

Selbstfürsorge. Ich sorge für mich selbst. Ich nehme meine Bedürfnisse wahr. Ich gehe achtsam mit mir um. Ich erlaube mir etwas. Oder ich bin etwas strenger, weil es nicht richtig ist. Ich lobe mich für kleine Erfolge. Ich nehme mir Freiheiten. Ich treffe Entscheidungen und stehe zu diesen. Ich kritisiere mich nicht mehr ständig. Ich hinterfrage nicht alles, sondern lasse es geschehen. Ich lasse mir auch Raum für schlechte Momente. Ich belohne mich. Ich finde heraus, was ich wirklich will.

Ich. Ganz schön viel ich, oder? Aber keinesfalls egoistisch. Und wenn doch, ist es ein so gesunder Egoismus, weil es dabei um meine Selbstachtung geht. Also, meistens jedenfalls. Ich erwische mich oft genug, dass ich nicht so auf mich achte, wie ich es eigentlich könnte – immerhin besinne ich mich hin und wieder darauf. Was für viele so selbstverständlich ist, ist für mich auch heute noch ein Lernprozess. Wie soll ich denn auch wissen, wie das funktioniert, wenn mir das keiner zeigt? Meine Selbstfürsorge fängt ja schon beim Essen an. Geregelt essen und darauf achten, was es ist. Wann hab ich das mal gemacht? Entweder habe ich mich mit hungern bestraft oder habe alles irgendwie in mich reingestopft. Entweder so, oder so. Aber mit Genuss essen? Es war selten. Es wird besser, aber ich lerne ja noch. Bedürfnisse. Welche wirklichen Bedürfnisse habe ich denn eigentlich? Kann ich mich aus belastenden Situationen rausnehmen und auf mich aufpassen? Oder steigere ich mich weiter rein und bin frustriert? Oft funktioniert es, dieses „Nein!“-Sagen. So oft, dass ich es auch oft mag. Und es befreit.

Kennt ihr eure Bedürfnisse? Könnt ihr für euch selbst sorgen? Wie?