Alle schreiben in diesen Tagen ihren Jahresrückblick. Warum sollte ich nicht auch mal wieder mit der breiten Masse schwimmen und auch meine Gedanken hier in Worte fassen. Sind Gedanken eigentlich auch Worte? Wir denken ja in Worten, oder? Meistens auf jeden Fall. Gelegentlich auch in Zahlen oder Farben, manch andere auch in Symbolen oder Bilder. Was das jetzt soll? Ich liebe Bilder, besonders die Gedanken zu denen in meinem Fotowochenbuch. Es hätten noch so viel mehr werden können, aber die reichen aus, damit ich viele gute Momente im Kopf behalte. Aber zurück zu den Worten …

2014. In Worten: zwotausendundvierzehn. Ein bewegendes Jahr. Angefangen hat es mit dem Willen, mit meiner auferlegten Verantwortung aufzuräumen. Ich habe in einem Brief „Auf Wiedersehen!“ gesagt, weit gekommen bin ich damit nicht. Erst im Mai kam meine (herbeigesehnte) Erlösung mit den entsprechenden Entscheidungen. Die erste Jahreshälfte? Irgendwas zwischen hoch und tief, fallen und aufstehen, leben und nicht leben, dabeisein und ausgrenzen, zu mir stehen und mich verleugnen, lieben und hassen. Erst die Auszeit hat mich auf den richtigen Weg gebracht. Die wichtigsten dreieinhalb Monate meines Lebens, auch wenn die Vorgeschichte dazu nicht so „gewinnbringend“ war. „Alles hat einen Sinn.“ Wie sehr mich dieser Satz begleiten wird und wie richtig er ist, ist Tanja hoffentlich bewusst, als sie in als Grußwort für mich in ihr Buch geschrieben hat. Ja, alles hat einen Sinn, auch wenn wir ihn nicht sofort erkennen oder erkennen wollen. Alles passiert dann, wann es passieren soll. Manchmal müssen wir den Sinn gar nicht suchen, er zeigt sich von ganz allein. Sicher könnte ich hier noch weitere Phrasen aufschreiben (z.B.“Schließt sich eine Tür, öffnet sich eine andere.“), aber die werdet ihr gut genug kennen. Die Kurzform bleibt aber: Alles hat einen Sinn.

Und sonst? Auf und ab. Gute und schlechte Tage, aber sie relativieren sich. Es ist anders geworden. Ich erkenne die Tage besser, ich kann sie zulassen und auch – wenn ich möchte – darüber reden, was mich bedrückt, welche Gedanken kreisen. Der Großteil der Kontrolle passiert aber noch immer mit „Lieben was ist …„. Es funktioniert immer besser, eben diese Gedanken zu hinterfragen. Ich gebe mir den Raum für schlechte Tage, sie dürfen sein.

Gelernt habe ich auch – wie immer – dass Menschen kommen und gehen. Es bringt einfach nichts, eben diesen gegangenen Menschen hinterher zu trauern. Sicher tut es im ersten Moment weh, wenn gut gepflegte Kontakt einfach weg sind und einschlafen, aber wer hat heute schon den Mut sich zu „entfreunden“ oder ehrlich zu sagen, dass er sich momentan nur schwer melden kann? Kaum jemand. Wir wollen ja keinen verletzen. Aber verletzt das wirklich, wenn wir so ehrlich sein würden? Ebenso werde ich mich nicht mehr damit belasten, irgendwem hinterher zu rennen. Warum auch? Irgendwann ist es dann auch vorbei mit der Geduld, immer der erste zu sein, der die Gespräche anfängt. Ich darf nämlich entscheiden, was und wer mir gut tut und wer nicht. Heute, morgen, immer. Es ist mein Leben, mit meinen Entscheidungen – die ihr gerne respektieren dürft. Im Gegensatz zu vielen anderen, werde ich aber den Mumm haben, denjenigen das direkt zu sagen.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch genug tolle Menschen, die ich in diesem Jahr kennenlernen durfte und mein Leben heute bereichern. Oftmals lernt man irgendwo Menschen kennen und die Kontakte verlaufen im Sande. Manchmal passt es aber, sie versüßen dir die Zeit, du kannst ernsthaft diskutieren und so weiter. B., der ein Stück der „Auszeit“ mit mir gegangen ist, mit dem man nicht nur herzlich lachen, sondern auch sinnvoll diskutieren kann. H., so lieb in seinem Herzen, so erfrischend anders und kreativ, einfühlsam. M., mit dem Blick für Architektur und heillos überarbeitet, aber immer für einen Perspektivenwechsel gut. Meine Freunde, die mich akzeptieren und respektieren, wie ich halt bin – an guten Tagen, an schlechten Tagen oder mittendrin. Familie? Nicht meine, aber die meiner Herzfrau. Jeder für sich ein besonderer Mensch, die mich ebenso nehmen wie ich bin. Ich darf ich sein. Und am Ende auch mein „Frollein“. Die Frau, die sich entschieden hat, all den ganzen verdammten Scheiß mit mir durchzustehen. Die Frau, die oft verzweifelt war und selbst nicht mehr weiter wusste. Die Frau, die mich fängt, wenn ich falle. Die Frau, die auch dann stark ist, wenn sie es eigentlich nicht sein will. Die Frau, für die ich mich auch entschieden habe, nur ein Mal entscheiden werde. Nicht alles in unserem Leben ist einfach. Bilder in sozialen Netzwerken zeigen Ausschnitte. Auch wir haben unsere Diskussionen und unterschiedlichen Vorstellungen. Es knatscht, knackt, rumpelt oder gewittert – doch Liebe ist nicht nur das Leben mit Küssen und körperlicher Begierde, Liebe ist weitaus mehr. Liebe ist wie eine Freundschaft, in der wir uns auch so akzeptieren sollten, wie wir sind. Wir wollen nicht verändern, auch wenn uns das Verhalten stört. Liebe ist eben auch, mal eine Krise zu überstehen und nicht daran zu zweifeln – egal wie schwer es scheint.

Danke … an die mittlerweile 20.000 Besuche des Blogs, an die interessanten und lieben Kontakte in sozialen Netzwerken, an die Kommentatoren_innen hier, Mailschreiber und vor allem euch, die hier immer wieder lesen.

Ich kann nur immer wieder betonen: Das ist keine Therapieseite, es ist mein Weg im Leben mit meinen Ansichten. Ich erzähle euch nur Ausschnitte meiner Geschichte, mehr nicht. Es gibt bewegende Zuschriften und auch eben die, die mich wirklich freuen. Selbst wenn ich hier nicht alle Stolpereien und negativen Gedanken festhalte, sie sind da. Nicht mehr so extrem, aber sie begleiten mich an ein paar Tagen.

Liebe Betroffene: Bleibt weiter stark und mutig! Und vor allem bleibt ihr selbst!
Liebe Angehörige: Bleibt weiter stark und mutig! Und vor allem bleibt ihr selbst!
… mit #NotJustSad gab es einen interessanten Ruf in die Öffentlichkeit, der auch ein wenig bewegt hat. Aber es ist an uns allen, wie wir mit der Krankheit umgehen. Jeder für sich und dann zusammen. Betroffene und Angehörige sollten weiter aufeinander zugehen und nicht nur in der Vorwurfsrolle hängen. Gebt euch die Chance, füreinander da zu sein, lasst euch aufeinander ein. Verbessert nicht, gebt keine Ratschläge .. akzeptiert, respektiert und passt auf euch auf. Gegenseitig. Kommt gut durch die Feiertage!

Zwotausendvierzehn. Du wundervolles und hartes Jahr. Zwotausendvierzehn, du Jahr mit Sonne und Regen, Wind und Flaute, Lachen und Tränen, hell und dunkel. Ein Jahr mit vielen Emotionen und besonderen Momenten.