Es gibt Fragen im Alltag, über die mache ich mir gerne mal mehr Gedanken. „Kannst du auch einfach mal nicht denken?“ ist eine davon. Kann ich einfach mal nicht denken? Ehrlich? Ich muss es verneinen. Wenn ich mich selbst beobachte, dann bin ich im Alltag immer mit Denkprozessen beschäftigt. Sei es eben dieser „Alltag“, mein Verhalten, das Verhalten anderer oder eben die Akzeptanz meiner Gedanken – ob gut oder schlecht. Ich bin depressiv – aber stabil. Dennoch muss ich auf meine Gedanken aufpassen. Die meiste Energie verschwendet das Gehirn in schlechten Phasen vornehmlich als Wiederkäuer. Gedanken durchkauen, runterschlucken, wieder hochwürgen, nochmal kauen, schlucken, hochwürgen, nochmal was Neues dazu und gut durchgekaut wieder schlucken. Es ist ein schier unendlicher Kreislauf, aus dem es nur schwer rauszufinden ist, auch wenn klar scheint, dass die Gedanken eigentlich grandioser Unfug sind.

Ich habe zwar die Möglichkeit, alle Gedanken immer wieder zu überprüfen, aber das verfehlt den eigentlichen Kern einer Antwort. Damit bringe ich mich lediglich in die Situation, dass ich nicht immer alles glaube, was ich denke. Abgestellt habe ich damit noch nichts. Egal welche Methode ich auch anwende, ich bin in einer Denkphase – auch wenn ich den Fokus auf das Hier und Jetzt richte, bin ich in einem Denkprozess. Selbst wenn ich schlafen möchte, ist das Gehirn darauf gerichtet. Und in vielen Fällen kann ich dann einfach nicht schlafen, weil der Kopf sich am „schlafen wollen“ festgebissen hat.

Und nun? Wie kann ich nun das Denken mal abstellen? Meditation. Imagination. Es gibt so viele Begriffe und Möglichkeiten in diese Richtung und je mehr ich dann Doktor Google befrage, desto mehr Antworten werde ich auch bekommen. Grundsätzlich muss jeder damit seine eigenen Erfahrungen machen. Ich habe meine gemacht und nutze Imagination sehr gerne, es funktioniert nur nicht immer. „Lassen Sie Gedanken kommen und gehen.“ Ja wie? Wenn der Mist erstmal da ist, kann ich das auch nicht so einfach loslassen. „Stellen Sie sich einen schönen Ort vor, an dem Sie sich wohlfühlen.“ Da sitze ich nun also auf meiner Bank an der Schnappenkirche und gucke Richtung Chiemsee. Toll hier! Sonne, weiter Blick, Blumen und … „Hast du die Überweisung schon gemacht?“ Zack. Raus. Gedanke da. Kurz mal wegwischen. Von vorn anfangen. „Stellen Sie sich …“. Ich bin wieder da. Sonne, Blumen, Chiemsee. „Du darfst nicht so lang krankgeschrieben sein, du riskiert deinen Job.“ Und wieder raus.

Gedanken kommen, Gedanken gehen. Manche bleiben erstmal hängen und beschäftigen mich, ich überprüfe sie, empfinde sie als nicht so wichtig und schlimm, lege sie ab. Schwieriger wird es aber, wenn ich mit dem Gedanken noch ein Gefühl verknüpfe. Erwartung, Hoffnung, Enttäuschung. Natürlich ist es einfacher all das zu sehen, was uns nicht gut tut. Natürlich kann ich mich daran grandios festbeißen und manchmal möchte ich auch eben genau das. Warum? Weil Gefühle gelebt werden möchten, sie brauchen Aufmerksamkeit und wollen identifiziert werden. Mittlerweile kann ich meine Gefühle und deren Auslöser genau benennen und somit auch nach einer gewissen Zeit „neutralisieren“ – in dem ich den Fokus wieder auf mich richte und mich eben nicht mehr von den äußeren Einflüssen leiten lasse. Es sind nicht die Gefühle oder Gedanken, die alles negativ erscheinen lassen, sondern „nur“ unsere Bewertung.

Höre ich auf, eine Situation direkt zu bewerten, habe ich schon den ersten Schritt in die Entspannung gemacht. Nochmal: den ERSTEN Schritt. Es erscheint nicht mehr so schlimm. Trotzdem ist der Gedanke noch da. Komplette Entspannung kann ich mir eben mit der Meditation schaffen – das klappt nicht immer und auch nicht von Anfang an, aber es geht.

Und die Frage ist nach wie vor nicht richtig beantwortet. Mache ich: Nein, ich kann nicht einfach so eben mal nichts denken (möchte ich auch nicht), es ist für mich nur die Frage, wie ich denke!