Na, kennt ihr das Gefühl von Stillstand und dem langsamen „Ich rutsche gerade wieder zurück zu alten Mustern“? Sicher kennt ihr das. Ein beschissenes Gefühl, dass sich noch zu den alltäglichen Belastungen mischt. Und rumsbums sitzte wieder mitten in deiner Gedankenwelt, einem unbezwingbaren Berg von Sorgen und Ängsten, dem erdrückenden Kritiker und dem verschwunden Selbstwert. Da kämpfste dich über Monate durch Therapien, Gruppen, Bücher, Gespräche und veränderst über die Zeit alles so, damit es gut ist und dann? Genau dann spult die Festplatte wieder ganz automatisch diesen Mist ab und du bist in kürzestes Zeit wieder im falschen Modus. Das Antivirenprogramm hat also nicht alles erwischt, beim Formatieren sind ein paar Reste geblieben, die sich jetzt in die saubere Software schmuggeln.

Wo jetzt das Umdenken anfängt? Woran ich den Virus erkannt habe? Ich hab mich nem gründlichen Systemcheck unterzogen. Montag hat die Herzfrau den Wunsch geäußert, mal wieder wegzufahren. Ein Wochenendtripp, Kopf frei pusten, abschalten, runterkommen, sammeln, Kraft tanken, ans Meer. “ Und? Haste Lust?“ Ich liebe unsere Ausflüge. Das ist echt das Größte für mich! Also hab ich auch ganz spontan vor lauter Freude: „Ja, natürlich, weiß nicht, keine Ahnung, jetzt so grade ist mir nicht danach. Können wir aber machen. Wohin denn?“ gesagt. Ausrasten vor Freude kann ich also. Ich hatte richtig Spaß daran, das passende Hotel zu suchen. Also hab ich quasi nur die Buchung gemacht, weil ich ja bei dem Portal registriert bin. Die Registrierungsbestätigung hab ich mir vor lauter Vorfreude nicht mal mehr angeguckt.

STOPP! HALT! HERR BOCK! (Ne, Markus sag ich ja zu mir.) Also: „Markus, aufpassen, da läuft gerade richtig was daneben! Du liebst Ausflüge und siehst es gerade als verschwendete Zeit. Du verdienst auch Geld, siehst es aber als rausgeschmissen an! Überleg dir kurz, was du da gerade denkst!“

Ich habe mir meine Gedanken gemacht und kurz auf Wahrheit überprüft. „Glaub nicht alles, was du denkst.“ (Danke Katie Byron.) Nun ja, in den letzten Wochen haben sich Sachen angehäuft, die ich nicht gleich richtig einsortiert habe. Ein kleiner Fehler, der schnell wieder darin endet, dass ich alles – ja, alles! – als Belastung und nicht schaffbar erachte. Der Berg wird größer und größer, ich verabschiede mich wieder in teilweise sinnlose Beschäftigungen und habe keine Lust mehr auf irgendwas. Doch heute kam der entscheidende Schlüssel.

Die Festplattenüberprüfung hat funktioniert, ich konnte den Fehler finden und weiß jetzt, dass diese Auszeit am Wochenende genau richtig ist. Es ist keine verlorene Zeit für meine noch zu erledigenden Sachen, nein, es ist eine gewonnene Zeit, sich auf das Leben zu besinnen und es wieder zu genießen. Im Alltag müssen wir eh genug funktionieren.

„Ja toll, super Herr Bock, haste fein gemacht“, könnte jetzt sicher irgendwer sagen, wenn er das hier liest. Wieso schreib ich dann also was – mindestens für mich – positives? Weil es gut tut! Weil ich weiß, dass viele von euch da draußen das eben so packen können und sich so wenigsten ein wenig Entlastung im Alltag schaffen würden. Wirklich, davon bin ich überzeugt! Und ich bin sogar stolz auf mich, dass ich das so für mich erkenne, weil ich damit weiß, dass die Therapien und der Lesestoff eben was gebracht haben. Vor dem Fall selbst aufgefangen. Ja, ich bin zufrieden. Denken schadet nicht immer, es muss nur bei der Wahrheit bleiben. Nicht alles ist scheiße. Wetten? Kurz bevor ich das hier geschrieben habe ist nämlich das hier passiert:

Feierabend. Ins Auto eingestiegen, lautes metallisches Knacken. Ausgestiegen, unters Auto geguckt, Teil von ner Feder gefunden. „Klasse! So ein Scheißdreck! Wir wollen morgen weg, wer soll das jetzt noch reparieren? Was das wieder kostet! Warum passiert das immer uns?“ Natürlich kann ich mich da reinsteigern und mich damit richtig belasten. Natürlich ist das Mist, jetzt wieder Geld auszugeben. Doch kann ich es auch andersrum sehen? Ja! Kann ich. Also kurz die Gedanken stoppen, und neu sortieren: Ich bin froh, dass ich das mitbekommen hab, das Stückchen Feder unterm Auto gefunden habe, direkt zur Werkstatt bin, der sich darum kümmert und nichts weiter passieren kann. Wenn ich mir vorstelle, dass das morgen auf der Autobahn passiert wäre oder wir nicht gewusst hätten, dass die Feder gebrochen ist, dann ist es doch völlig ok, dass es heute repariert wird. Sicherheit geht nun mal vor!

Merkt ihr den Unterschied? Die beiden Sichtweisen? Die Perspektive zu wechseln ist kann verdammt hilfreich sein. Versucht es! Ist der Gedankenstrudel zu stark, stoppt ihn, macht einen Moment Pause und versucht es aus einem anderen Winkel zu betrachten. Schafft ihr es nicht allein, sucht euch einen Gesprächspartner. Das unterstützt. Er / sie muss nicht mit euch einer Meinung sein, er muss nur den Impuls für die andere Seite geben.

In diesem Sinne verabschiede ich mich jetzt ins Wochenende! Bleibt mutig!