Na, wie sieht es bei euch mit dem Selbstbewusstsein aus? Könnt ihr stolz auf euch sein? Schafft ihr es, mir aus voller Überzeugung 5 Dinge zu sagen, die ihr wirklich gut an euch findet? Gut ja, schafft ihr bestimmt, aber im Gegenzug auch direkt 10 Dinge, die besser sein könnten und eben nicht so gut sind, oder? Und wie zufrieden könnt ihr mit Projekten, Bildern, Zeichnungen oder ähnlichen Dingen sein? Könnt ihr mit Überzeugung sagen: „Ja, das habe ich toll gemacht!“ Oder schafft ihr es sogar auch noch, jedes Lob von außen noch abzuwerten? Wie oft zweifelt ihr denn an eurem eigenen Können? Wie sicher seid ihr, wenn ihr etwas macht, dass es jemandem gefallen könnte, er es lesen möchte oder ihr damit euer Ziel erreicht?

Machen wir uns nichts vor: Ich habe es in meinem Leben perfektioniert, alles kleinzumachen. Restlos alles. Ich habe nicht ausreichend gelernt, mir selbst die Wertschätzung zu geben, dass ich von meinem Handeln völlig überzeugt sein kann. Wenn dir immer jemand unterschwellig immer das Gefühl gibt, dass aus dir nichts wird, du eh nichts erreichen wirst, wie soll ich das dann auf einmal umsetzen können? Oft – viel zu oft – suche ich nach einer kleinen Anerkennung für bestimmte Dinge. Manchmal erwarte ich sie sogar, wenn ich eine – für mich – freudige Nachricht teilen möchte. Ich möchte dann keine Einwände, ich möchte meine Freude bestätigt wissen, weil es für mich ein Lob ist. Ich kann es nur auch nicht immer annehmen. Komisch, oder? Merkt ihr die Ambivalenz? Und wie der Kopf unabdingbar damit beschäftigt ist, die kleine Programmierung abzurufen: „Lob? Markus, ehrlich. Hör zu. Schau einfach, was du erreicht hast und vergleich das mit dem, was du versaut hast. Was also hast du erreicht? Nichts.“ Menschen sehen bei mir Dinge, die ich selbst nicht sehe. Und wenn ich mit Mut und Freude an eine Sache gehe, werde ich irgendwann unsicher und kann einfach nicht mehr von mir überzeugt sein. Vielleicht sogar aus Angst, dass mir die negative Kritik entgegenschlagen wird. In der Hinsicht bin ich nach wie vor ein Mensch mit zwei Gesichtern. Im Leben bin ich selbstbewusst unterwegs und gebe klar zu verstehen, was ich möchte und nicht möchte, was ich will und nicht will, wie ich mir etwas vorstelle. Wieder dreht es sich nur um das Umdenken und Erwartungen.

Aber hinten rum vernichte ich genau das mit meiner Selbstkritik. Und wenn es die nicht ist, dann werde ich es nicht schaffen. Ich werde es nicht so umsetzen können, wie ich es mir vorstelle. Es hilft nicht, wenn ihr mich mit Lob überschüttet, ich kann es im Moment nicht so sehen. Ich fühle es nicht so. Manchmal sogar so wenig, dass ich es hinwerfen möchte. Scheiß doch aufs Fotografieren, es klappt eben nicht so, wie es sein soll. Ja, ich kann es. Ja, ich kann Vorstellungen von anderen umsetzen. Sie freuen sich über die Bilder, aber ich nicht! Ich sehe die Fehler. Scheiß doch auf irgendwelche Grafik und Marketingsachen. Ich habs halt nie gelernt, nur autodidaktisch 12 Jahre selbst beigebracht. Kein Zeugnis, kein Nachweis bestätigen mein Können. Ja, ich hab tolle Sachen erstellt, kann mit Fachwissen glänzen, kann mich in Kunden und Situation reinfühlen. Ich liefere ab, alle freuen sich. Nur ich nicht, ich sehe die Fehler. Soll ich das noch weiter ausführen? Manchmal lähmt es mich so extrem, dass ich dann auch einfach nichts mehr mache. Einfach lassen, anstatt einfach machen. Funktioniert auch. Stört ja keinen und ich bleibe dann eben auf der Strecke. Kenn ich ja schon. Chancen bekommen und verkacken – weil ich mit meinen Zweifeln über mich selbst nicht warm werde. Warum schreibe ich hier eigentlich? Ihr lobt mich für meine Texte, meine Reflexionen, meine Gefühle, meine Offenheit, dass ich das ausdrücke, was ihr denkt? Gut. Ich finde die Fehler. In der Sprache, in der Grammatik, in unsauber recherchierten Aussagen.

Ein Teil meines Lebens ist nur einen Klick vom Verschwinden entfernt. Ich könnte kurz und knapp die externe Festplatte anschließen, STRG+A drücken, dann ENTF und mit Ok bestätigen. Zack, wären gut 15.000 Bilder gelöscht. Bei anderen Dingen sind es nur 2 Mausklicks. Es wäre ausgelöscht, ich müsste mich nicht mehr damit beschäftigen, ich würde nicht mehr versuchen etwas umzusetzen, der „Druck“ wäre raus. Ja, natürlich macht das auch alles Spaß – bis im Anschluss die Zweifel wieder da sind … kann und könnte. Es wird nicht. Ich weigere mich, mich meinen Gedanken hinzugeben und hinzuschmeißen.

Ich will also was ändern. Dafür muss ich erstmal erkennen, WARUM meine Denkweise so negativ gepolt ist. Warum versuche ich mich mit eigenen Kritik immer wieder kleiner zu machen, als ich bin? Ich weiß doch, dass ich einen Perfektionismus nicht erreichen kann. Aber eingeimpft wurde es mir. Nein, nicht eingeimpft. Es wurde mir mit auf den Weg gegeben, weil es nicht immer die Bestätigung gab, die ich beim Heranwachsen gebraucht hätte. Und wenn ich selbst stolz auf etwas war, wurde es mal kurzerhand abgewertet – es würde ja noch besser gehen. Bei vielen Dingen, die dann letztendlich funktioniert haben, brauchte ich kein Lob. Es war selbstverständlich – oder einfach nur Glück. Ist es nicht sogar überheblich, wenn ich selbst äußere, dass ich stolz auf etwas bin? Erwarte ich dann schon, dass sich irgendwer mit mir befreut und das bestätigt? Was ist, wenn keine Bestätigung kommt? (Mir schlagen die Zweifel wieder ins Gesicht, weil ich mich auf die Anerkennung anderer verlasse.)

Und Komplimente? Warum sehe ich mich nicht so wichtig an, wie es jemand mir mit dem Lob zeigen will? Natürlich hänge ich ein Gegenlob an, damit die Aufmerksamkeit nicht mehr bei mir ist. Und ja, ich kann auch super den Satz „Nicht der Rede wert“ benutzen. Vier Worte voller Abwertung. Und selbstverständlich kann ich das Lob auch als reines „Honig ums Maul schmieren“ sehen, nicht als positives Feedback. Ja, ja, wenn ich Aufgaben übernehme betone ich sofort, dass ich das doch gerne mache, das muss nicht extra nochmal erwähnt werden.

Also fange ich nun an zu lernen, wie ich mich richtig loben kann. Ich lerne, dass alles immer etwas Gutes hat. Ich lerne, dass nicht alles perfekt sein muss um gut zu sein. Ich bin nicht perfekt, aber ich bin gut – auch wenn ich das noch nicht ganz glaube. Ich werde mir ganz gezielt bestätigen, dass etwas gut gelaufen ist – egal wie klein – und dabei kein „aber“ verwenden. Ich werde lernen, mich zu sehr vom Außen abhängig zu machen. Ich werde lernen, dass ich die Bestätigungen nicht brauche, sondern mir selbst geben kann.

Wir haben es doch selbst in der Hand, wie wir uns selbst miteinander fühlen. Je besser ich mich selbst loben kann, desto unabhängiger werde ich von anderen. Am Ende muss ich nicht mehr gierig darauf warten, dass mir jemand die Anerkennung gibt, die ich suche – ich suche eigentlich ja in mir selbst. Nach meinem Selbstwertgefühl. Also seht es mir nach, wenn ich manchmal laut über Zweifel und Angst spreche. Seht es mir nach, dass ich Lob nicht immer so annehmen kann, wie ihr es mir gebt – ich lerne eben noch.