… in mir. In meinem Kopf. In meinen Fingern. Überall. So still, dass ich hier seit Tagen immer wieder das Fenster aufmache, auf den weißen Monitor starre, der blinkende Cursor irgendwann verschwimmt und ich dann einfach wieder auf das X drücke, damit sich das Fenster schließt. Es ist sogar passiert, dass ich Beiträge angefangen habe, aber nach dem ersten Satz als nicht erwähnenswert abgetan habe. Ich habe mich erwischt, dass ich einfach etwas Informatives schreiben wollte, nur damit der Blog – mein Blog – Content bekommt und ich nicht in Vergessenheit gerate. Aber war es das, was ich wollte? Nein. War es nicht. Ich habe schlichtweg vergessen, worum es mir hier eigentlich ging. Um mich. Um meinen Kopf. Um meine Gedanken und meine Momente, wann ich etwas zu erzählen habe. Es sind nicht viel zur Zeit. Punktuell ja, aber es ist ein keinen großen Artikel wert …

Was ist, wenn all das was ich zu sagen hätte, hier schon gesagt ist? Einfach einen alten Beitrag mit neuem Datum versehen und euch nochmal lesen lassen? Oder alte Beiträge bei Twitter und Facebook neu verlinken, damit meine Besucherzahlen mal wieder nach oben ausschlagen? Nein. Es gibt im Moment nichts, was ich in die richtigen Worte fassen könnte. HURRA! Ja, er lebt endlich richtig. Er geht regelmäßig arbeiten, hängt sich rein, hat Spaß, hat regelmäßiges Einkommen hat eine Familie, ist umgezogen, kann sich was gönnen, fährt mit seinen Liebsten weg, ist eben auch Vater und Mann und findet sogar oft keine Zeit, etwas zu schreiben. FREUDE! Kurz. Ich will es nicht übertreiben. Das Leben bietet Schattenseiten. Sie überwiegen nicht, aber sie schieben sich immer wieder in das sonnige Feld und dunkeln etwas ab. Sie fressen mich nicht auf. Nicht jetzt. Das lasse ich nicht zu. Nicht einfach so. Und doch klammern sie sich an mich.

Komischerweise ist immer irgendwas, wenn das Gefühl aufkommt, alles im Griff zu haben. Halten wir hier nochmal fest, dass ich mich nach wie vor nicht richtig von meinen Eltern verabschieden konnte. Warum? Weil ich nicht damit in Ruhe gelassen werde. Es gibt immer einen Auslöser – und wenn es ein einfaches Telefonat mit der Omma ist, die darum bittet, eben diese Eltern doch anzurufen – der es nicht möglich macht. Und jetzt? Kommt auf einmal Krebs ans Tageslicht. Kehlkopfkrebs. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass mich das kalt lässt. Lässt es nicht. Es drängen sich Fragen auf. Zu viele Fragen. Und es drängen sich Wünsche auf. Besonders der Wunsch, meinem Vater Zeit mit seinem Sohn und Enkel zu schenken. Gibt es etwas wertvolleres als diese „Zeit“? Ich denke nicht. Es drängt sich der Wunsch nach Gesprächen auf. Gesprächen, die wir vielleicht hätten lange führen sollen, aber nicht konnten. Jeder aus seinem eigenen Grund. Es gibt sogar Angst. Angst, dass es mit einer Strahlen- und Chemotherapie nicht so funktioniert, wie sich das die Ärzte vorstellen und er sich wünscht. Und dann ist da der Moment, in dem dein Vater vor die sitzt und nicht mehr der Mensch ist, den du kennst. Seit 34 Jahren kennst. Er ist nicht nur älter geworden, er ist gebrochen. Traurig. Ohne Zuversicht. Mit Angst. All das in seinem Gesicht zu sehen kam nie in Frage. Bis jetzt. Als wir uns gesehen haben, hatte ich plötzlich das Gefühl ihn in den Arm nehmen zu müssen, aber es ging nicht. Zum Abschied nur der Handschlag. Sind wir bereit, all die Vorurteile und Erwartungen jetzt über Board zu werfen? Können wir uns jetzt auf Augenhöhe begegnen? Ich wäre bereit, wenn du es bist. Jetzt. Vielleicht ist es unsere letzte Chance. Vielleicht nicht nur vielleicht. Ich wünschte, du würdest so kämpfen wollen, wie ich es mir wünsche und so, wie du es sonst auch getan hast.

Manchmal gehen wir zu fahrlässig mit dem Leben um. Vielleicht ja nicht nur manchmal. Was sind die wichtigen Dinge im Leben? Was machen wir, damit wir einfach nur beschäftigt sind? Was sollten wir stattdessen tun? Es gibt für mich eine einfache Formel: Achtet auf euch selbst, achtet auf eure Mitmenschen und schenkt euch Zeit! Denn die gibt euch niemand zurück.

… ich nehme mir jetzt diese Zeit. Werde wieder den Fokus auf meinen Sohn richten, Zeit mit meiner Frau verbringen und vielleicht nicht jede Nachricht beantworten, die mein Handy piepsen lässt. Und vielleicht nicht jede Mail lesen, die eintrudelt. Und nicht jeden Tag bei Twitter oder Facebook schauen. Denn: Die Zeit rennt …