… Gärtner gemacht.“ Das ist nicht nur eine oft benutzte Redewendung, nein, es ist natürlich auch ein Wortspiel mit meinem Namen. Und vor allem ist es eine Schlagzeile, die vor 25 Jahren (Herrgott, ich bin echt schon alt!) den Kreisanzeiger meiner Heimatstadt geschmückt hat. Drapiert mit einem Foto. Mein Vater und ich. In unserem Kleingarten. Den Bock zum Gärtner machen. Ist sich eigentlich jemand über die wahre Bedeutung der Redewendung bewusst? Man überträgt jemandem eine Aufgabe, die er so nur falsch erfüllen kann. Rückblickend stellste einfach eine Ziege in deinen Garten, die den Rasen kurz hält, aber im Gegenzug auch deine Beete plattrampelt. Hoffen wir mal, dass ich nicht diese Ziege bin. Aber wieso Kleingarten?

Die Frage stelle ich mir seit Jahren. Ich bin damit aufgewachsen, solange ich bei meinen Eltern gewohnt habe. Es war schön. Ein Fußballplatz direkt nebenan. Die Innerste in der Nähe. Tolle Gartennachbarn. Wir haben gezeltet, gespielt, gepflanzt, gegrillt und all das gemacht, wozu dieser Garten nunmal da ist. Irgendwann wurde der Garten zur Last. Er wurde es, als ich helfen musste. Als der Alkohol überhand genommen hat. Als sich mein Leben verändert hat. Ich habe mir geschworen, dass ich niemals einen Garten haben werde. Wenn dann höchstens am Haus oder an der Wohnung. Ein Stück Rasen mit Blumen. Fertig. Ende. Den Rest kann ich kaufen oder kenne Menschen, die was anbauen.

Heute? Denke ich schon lange darüber nach, einen eigenen kleinen Garten zu haben. Der Gedanke wurde stärker, als mein Sohn auf die Welt kam. Wir leben nun mal eben nur in einer Mietwohnung und haben kein Grundstück dran. Und die Wiese im Hof? Nun ja. Ist eher lächerlich. Nach einem Spaziergang in die Nachbargemeinde musste ich kurz stehenbleiben. An der Kleingartenanlage. Die Pachtpreise und Größen waren veröffentlicht. Kurz gegoogelt. Der Verein ist kein Verein mehr, sondern die Gemeinde verwaltet alles. Also kurz bei der Gemeinde angerufen. „Hallo Herr Bock, schön, dass Sie sich interessieren. Ich schicke Ihnen einfach mal einen Übersichtsplan der Gartenanlage und zeichne Ihnen ein, welche Gärten gerade frei sind. Gehen Sie einfach mal gucken und melden sich dann bei Bedarf wieder. Dann machen wir einen Pachtvertrag und es kann losgehen.“ Aus dem Urlaub zurück, sind wir am Sonntag durch die Anlage gewandert. Viele Gärten haben uns einfach nur abgeschreckt. Und dann war er da … DER Garten. Grün, mit Hecke, kleinem Apfelbaum, einem Kirschbaum, einer Tanne, einem Birnbaum, viel Rasen und einer nicht so großen, verwilderten Ecke. Wer pflegt den Garten? Warum ist der nicht so verwildert? Egal. DER muss es sein.

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Warum also Garten? Sicher nicht nur, weil hier am Haus nichts ist. Wir können ja auch auf den Spielplatz gehen. Könnten wir. Aber ich suche etwas, wo ich meine Ruhe finden kann. Wo ich in MEINEM grün sitze. Ich brauche eine sinnvolle Beschäftigung und möchte sehen, wie etwas entsteht. Wo geht das besser, als in einem Garten? Und ich möchte, dass mein Sohn Raum zum Spielen hat, sich austoben kann, wir zelten können, grillen, Spaß haben. Ich möchte einen Ort haben, wo Freunde zu besuch kommen können, wir grillen, lachen, reden, zusammensein können. Vielleicht auch einen Ort, an dem ich mich zurückziehen kann, diese Artikel hier schreiben, lesen oder einfach den Tag genießen. Es wird mein – nein, unser – Familienidyll. Ein kleines Reich, was in kurzer Zeit zu Fuß zu erreichen ist. Unsere Auszeit vom Alltag. Natürlich wartet da noch etwas Arbeit, aber wer treibt uns? Niemand. Wir haben ihn, wir können rein, wir ersticken nicht darin. DAS war wichtig.

… und jetzt? Fehlt nicht mehr all zu viel zum Glück. (Wenn mir einer gesagt hätte, dass ich 34 werden muss, damit ich ein Kind habe und 35, um mich über einen Garten zu freuen, den hätte ich mehr als ausgelacht.) Ich liebe diesen Gedanken mittlerweile, kann mit den Erinnerungen leben und freue mich auf die Aufgabe.

Wie ist es denn mit euch? Habt ihr einen Garten? Kleingarten? Am Haus? Nutzt ihr ihn irgendwie? Wenn ja wie? Und wenn ihr einen habt, könnt ihr mir ja gerne irgendwie eine Nachricht zukommen lassen mit einem Foto. Ich bin ja neugierig. (Ihr seid natürlich auch eingeladen, mal vorbeizuschauen, mit anzufassen, zu klönen, zu sitzen oder .. oder .. oder. )