Kalte, klare Luft umgibt mich. Die Sonne sucht sich ihren Weg über Bäume und Büsche. Der Frost hat sich nachts wie eine Decke über alles gelegt und funkelt jetzt. Die Gedanken? Gefangen. Wie unter dieser Decke. Festgefroren. Und sie tauen nur schwer auf. Der Blick starr nur auf mich, auf alle Verfehlungen meines Lebens. Auf die Wärme wartend, dass ich auch wieder die guten Dinge sehen kann. All das, was ich in 24 Monaten erreicht habe. Wieder die Liebe so spüren, wie sie mich täglich umgibt. Und wieder auf das schauen, was zählt – nicht auf den Schmerz und die Verletzungen vergangener Zeiten. Ich bin mehr, als die Vergangenheit. Ich bin mehr, als diese Gefühle. Wenn es taut, werde ich achtsamer sein. Aber jetzt? Friere ich, lasse mich gefangen halten. Und ich genieße noch einen Moment die Kälte. Nur einen Moment. Und es bleibt dieser Moment. Nachher oder morgen wird es tauen. Ich bin kein Kind des Winters mehr, ich lebe im Frühling. Meistens.

Väterchen Frost