Ja, richtig. Egoismus. Ein gesunder Egoismus, weil ich auf mich achten werde. So ein Egoismus, bei dem ich mein Denken und Handeln wichtig nehme. Auch so ein Egoismus, bei dem Gefühle wichtig sind, die ich habe. Und auch so ein Egoismus, wo ich mich für „meine“ Ideen einsetze. Weil es wertig ist, weil ich es kann, weil ich mir vertraue, weil ich Ziele und Visionen habe, weil ich etwas verändern möchte. Der Nachteil? Die Menschen, die seit Jahren schon jammern, dass bei ihnen Stillstand herrscht, werden plötzlich sehr komisch und reden schlecht hinter dem Rücken. Nun, na und? Ich bin mir so wichtig geworden, dass ich darauf nicht mehr achten werde. Ist es denn verwerflich, wenn da plötzlich jemand (in diesem Fall wohl ich) auftaucht, und die Dinge anders anpackt, weil es sonst noch mehr Stillstand gibt? Ist es denn so verwerflich, dass ich kein Interesse habe, auf langsam trottende Züge aufzuspringen und so langsam zu fahren, dass sich fast nichts bewegt? Ist es denn verwerflich, wenn ich nicht möchte, dass sich alle von mir irgendwie mitschleifen lassen, sondern da plötzlich Grenzen sind?

Nein, ich denke nicht. Wichtig daran ist, dass ich bereit bin Entscheidungen zu treffen. Auch Entscheidungen, die nicht immer zu meinem Wohl sind, aber der Sache dienen. Ich bin aber auch bereit, meine Entscheidungen zu korrigieren. Und ich bin immer bereit, dass jemand mit mir spricht – wenn er (oder sie) es auch wirklich will. Meistens sind da aber die Menschen, die sich zurückziehen, in Grüppchen zusammenhocken und dann ihre Geschichte preisgeben wollen. Weil sie verletzt und enttäuscht sind. Nein, ich bin nicht mehr der, der jedesmal die Tür aufmacht. Nein, ich lasse mich nicht auf alles ein. Nein, ich treffe keine Entscheidungen mehr gegen mich. Und ein klares Nein ist ein Ja zu mir. Worum es eigentlich geht? Kann ich außen vor lassen. Das ist gar nicht mal so wichtig. Die Kernaussage steht ja und lässt sich auf viele Bereiche übertragen. Mein Bereich ist eine Zukunftsvorstellung. Ich wachse an und mit dem, was ich mache.

Ich möchte, dass in der Region alte Strukturen der Betroffenenversorgung überprüft, aufgebrochen und modernisiert werden. Meine Vorstellung? Mehr Austausch unter Betroffenen, Angehörigen und Fachpersonal. Mehr Kooperationen von Gruppen, Einrichtungen, Verbänden und Bündnissen. Wir müssen über den Tellerrand gucken.

Natürlich kann ich verstehen, wenn sich jemand ehrenamtlich für etwas einsetzt und das gerne macht. Ich kann aber nicht verstehen, dass wir es nicht verändern können. Meine Arbeit? Ist ehrenamtlich. Ich engagiere mich für Betroffene und Angehörige ohne dafür irgendwelchen Lohn zu bekommen. Verrückt, oder? Dafür mache ich Vorträge, die ich selbst organisiere. Dafür habe ich Sport gegen Depressionen mit angestoßen. Deswegen bin ich in einem engen Austausch mit einer Tagesstätte für Betroffene, die dadurch neue Impulse bekommen haben. Deswegen bin ich im engen Austausch mit einem Präventionsrat, um einen Austauschabend anzubieten. Und genau deswegen wird es nun den nächsten Schritt geben. Hildesheim bekommt ein Barcamp. Das MentalHealth Camp 2018.

Warum? Eben aus den genannten Gründen meiner Vorstellung. Ich will – ja, wollen! – dass Betroffene, Angehörige und Fachpersonal sich intensiver austauschen können. Ich möchte die Distanzen aufheben. Und was bietet sich da mehr an, als ein Barcamp? Nichts. Keine steifen Strukturen einer Fachtagung, keine Tagesordnungspunkte, keine starren Themen. IHR, die das Camp dann besucht, ihr gestaltet die Themen des Tages. „Alter, du brennst doch! Was ist denn ein Barcamp?“ Kann bei youtube in einem wundervollen Erklärvideo angucken. Wie? Wann? Wo? Bis Herbst stehen die Details. Und nein, ich finde es nicht zu früh darüber zu reden. Wer den Barcamp-Spirit wie ich in Hannover 2016 und 2017 kennenlernen durfte, wird das immer wieder machen wollen. Da mir viele Barcamps leider zu weit weg sind und der Zeitaufwand enorm wäre, mache ich es einfach selbst.

Und auch hier finde ich Stück für Stück in das zurück, was ich schon machen durfte, was gerne machen würde und was ich kann. Hat jemand schon mal innerhalb von 3 Wochen einen Messestand für die GetNord in Hamburg geplant und zum Aufbau gebracht? Mit Glasbodenfliesen und Glasrückwänden? Nein? Aber ich. Hat jemand schon mal das Lernfest in Hildesheim mit koordiniert und mitgestaltet, als es in der Arneken Galerie war? Nein? Aber ich! Die anderen kleinen Dinge, die ich sonst noch so gemacht habe, lasse ich hier einfach mal weg. Denn jetzt? Gestalte ich nicht mit, jetzt gestalte ich es selbst. Jetzt werde ich an das anknüpfen, was ich immer machen wollte. Mit ein paar Menschen in meinem Team, denen ich vertrauen kann, die auch Know-How einbringen und die Idee dieses Barcamps mit vertreten werden. Jetzt ist das Kätzchen zwar aus dem Sack, aber das ist mir egal. Darum geht es nämlich auch nicht. Und es geht auch nicht darum, dass mein Name hinter der Sache steht. Das ist toll, das ist schön, aber DARUM GEHT ES NICHT! Liebe Neider, Hinter dem Rücken Reder, Geschichtenerfinder, nicht richtig Leser, darum geht es nicht. Es geht einzig und allein um das Barcamp. Da kommt jetzt einfach einer, der fragt nicht nach, ob jemand mitmachen will, nein!, der macht das einfach. Und Neid ist in der Aufklärung völlig Fehl am Platz. Ist das nicht verrückt? Nein.

Nein, das ist nicht verrückt, denn ich habe in den letzten Jahren durch diesen Weg so viele tolle, engagierte Menschen und Projekte getroffen, dass ich es wertvoll finde, mich genau dafür einzusetzen. Die Zeit? Schenke ich somit auch anderen Menschen. Ich habe aber auch Entscheidungen getroffen, die ich bereue, falsche Menschen getroffen oder einfache Mitschwimmer, die davon profitieren wollten. Ja, gerne doch. Nur nicht mit einem Messer in meinem Rücken. Dieses Messer habe ich mir lange genug selbst in den Rücken gerammt.

Kommen wir nochmal zurück auf den gesunden Egoismus. Der ist da nämlich sehr angebracht. Ich bin von dieser Sache überzeugt. Und wisst ihr was? Das wird gut werden in 2018. Und in 2019. Ich bin bei vielen Sachen müde belächelt worden. Ich habe es trotzdem gemacht. Weil ich da ein bisschen egoistisch war und von meiner Vorstellung überzeugt bin.

Natürlich bin ich auch ein Teamplayer. Keine Frage. Ich kann mich genauso unterordnen – nicht zu weit, wir Menschen sind nämlich alle gleich, egal welche Stellung jemand hat. Ich spiele sogar sehr gerne im Team. Solange wir auf Augenhöhe miteinander reden, Meinungen nicht beschnitten werden, gegen Schienbeine getreten wird oder mit falschen Karten gepokert. Ehrlich? Ich habe größten Respekt vor jedem, der sich ehrenamtlich engagiert. Wir sollten das aber zusammen machen! Jetzt. Ohne Vorurteile. An einem Tisch.

Die letzten Tage haben mich etwas wütend gemacht, deshalb ist aus einem „einfachen Beitrag“ heute auch mal ein Rant geworden. Ein Rant über Menschen, die andere beeinflussen wollen. Und ein Rant für die Menschen, die bitte etwas selbstbewusster werden dürfen und sich nicht immer von anderen einlullen lassen müssen. Für sich einzustehen ist das Wichtigste überhaupt. Egoismus ist nicht falsch, wenn er darauf aus ist, für sein eigenes Wohl zu sorgen, für seine Rechte einzustehen und dort die Grenzen zu setzen, um nicht verletzt zu werden. Es geht bei diesem Egoismus nicht darum, dass ich einen persönlichen Vorteil für mich erlangen will. (Welchen auch? Finanziellen? Moment … das ist doch ehrenamtlich, oder schon vergessen? Bekanntheit? Brauch ich nicht. Muss ich nicht.)

Den einzigen persönlichen Vorteil den ich durch sowas erlange? Stolz. Auf mich stolz zu sein, dass ich eben nicht dieser kleine nichtsnutzige, zu nichts bringende, nichts könnende Markus bin, der ich sein sollte. Ich lebe dadurch. Ich erlebe dadurch. Und ich werde es nicht sein lassen – weil ich meinen Wert erkenne.

Fazit: Hört mit diesem Neid und Missgunst auf. Das ist nervig und tödlich für viele. Wir sind immer noch Betroffene und auch ich bin in der Hinsicht nicht immer so konsequent, wie ich es sein will. Vor allem: hört auf, anderen zu diktieren, wie sie sich zu verhalten haben und wie sie etwas zu tun haben, nur weil ihr den Weg nicht selbst gehen konntet. Das ist der falsche Weg!