101 Artikel Artikel von Herr Bock

Erwartungen …

… können das Salz in meiner Suppe sein – und genau diese Erwartungen versalzen die Suppe gerne mal. Erwartungen – also Forderungen – begegnen mir immer wieder. Sei es meine eigene Einstellung oder von Menschen, die von mir etwas erwarten. Natürlich sprechen sie das nicht aus – das wäre viel zu einfach – sie erwarten wortlos. Wie kann ich denn so eine Forderung erfüllen, wenn ich nicht weiß, was du dir erhoffst? Gar nicht. Ich werde sie zwangsläufig enttäuschen. Andersrum genauso. Sage ich dir nicht, was ich mir vorstelle, erhoffe mir etwas, werde ich immer und immer wieder enttäuscht. Erwartungen sind eben meine Gedanken und nicht das, was der andere macht.

Ich erwarte, dass mir meine Freunde zum Geburtstag gratulieren. Ich erwarte, dass öffentliche Verkehrsmittel pünktlich sind – egal bei welchem Wetter. Ich erwarte, dass die Post immer richtig zugestellt wird. Ich erwarte, dass mich keiner anlügt. Ich erwarte auch, dass ich so behandelt werde, wie ich es mit anderen mache. Ich erwarte, dass meine Meinung akzeptiert wird. Ich erwarte, dass ich für meine Leistung immer eine Gegenleistung bekomme. Ich ERWARTE es. Und wenn es nicht eintrifft? Bin ich enttäuscht, manchmal sogar sauer und frustriert. Und gerade wenn es um die Freunde geht, springen wir doch gern in die Situation: „Ich habe gedacht, du machst das dann auch für mich. Toller Freund bist du! Dir werde ich auch nicht mehr helfen. Wir waren die längste Zeit Freunde.“ Oder auch gern genommen: „Ich habe keine Freunde. Die melden sich einfach nie bei mir und wenn, dann fragen sie mich nicht mal irgendwas. Ich erwarte, dass sie sich öfter melden oder mich auch mal fragen, wie es mir geht.“ Alternativ geht auch die Aufrechnung, was man gegenseitig füreinander getan hat.

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Liebe Depression. Liebe Gedanken.

Manchmal bin ich dankbar, dass wir uns nach all den Jahren kennengelernt haben. Weißt du, wie lange du mich schon begleitest? Zu lange. Im Dezember 2013 habe ich mich schon gefragt, ob das alles Sinn macht. Macht es das nun eigentlich? Sind wir nun Freunde fürs Leben oder gehst du auch wieder deinen eigenen Weg? Damals hast du mich immer besucht, wenn ich fest der Meinung war, dass ich auf dem Weg der Besserung bin. Alles andere wäre auch falsch gewesen. Damals war ich nicht auf dem Weg der Besserung – im Gegenteil! In den guten Phasen war ich in meiner Lügenwelt. Ich hab mir sogar selbst geglaubt, dass es mir gut geht. Du hast mich immer wieder zurückgeholt, mich auf den Boden geworfen und unter die Aufsicht eines anderen Freundes gestellt. Dass ich keine Chance habe gegen euch zwei, wusstest du. Konnte ich euch nicht hören? Wollte ich euch nicht hören? Ihr wart so laut und ich hab es nicht verstanden. So oft haben mich Menschen darauf hingewiesen, ich hab am Ende auch die belogen – damit ich euch nicht mehr höre. Warum habt ihr mich nicht einfach in Ruhe gelassen?

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Nicht denken!

Es gibt Fragen im Alltag, über die mache ich mir gerne mal mehr Gedanken. „Kannst du auch einfach mal nicht denken?“ ist eine davon. Kann ich einfach mal nicht denken? Ehrlich? Ich muss es verneinen. Wenn ich mich selbst beobachte, dann bin ich im Alltag immer mit Denkprozessen beschäftigt. Sei es eben dieser „Alltag“, mein Verhalten, das Verhalten anderer oder eben die Akzeptanz meiner Gedanken – ob gut oder schlecht. Ich bin depressiv – aber stabil. Dennoch muss ich auf meine Gedanken aufpassen. Die meiste Energie verschwendet das Gehirn in schlechten Phasen vornehmlich als Wiederkäuer. Gedanken durchkauen, runterschlucken, wieder hochwürgen, nochmal kauen, schlucken, hochwürgen, nochmal was Neues dazu und gut durchgekaut wieder schlucken. Es ist ein schier unendlicher Kreislauf, aus dem es nur schwer rauszufinden ist, auch wenn klar scheint, dass die Gedanken eigentlich grandioser Unfug sind.
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Zwotausendvierzehn …

Alle schreiben in diesen Tagen ihren Jahresrückblick. Warum sollte ich nicht auch mal wieder mit der breiten Masse schwimmen und auch meine Gedanken hier in Worte fassen. Sind Gedanken eigentlich auch Worte? Wir denken ja in Worten, oder? Meistens auf jeden Fall. Gelegentlich auch in Zahlen oder Farben, manch andere auch in Symbolen oder Bilder. Was das jetzt soll? Ich liebe Bilder, besonders die Gedanken zu denen in meinem Fotowochenbuch. Es hätten noch so viel mehr werden können, aber die reichen aus, damit ich viele gute Momente im Kopf behalte. Aber zurück zu den Worten …
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Selbstfürsorge. Jetzt!

Es gibt Momente, da werde ich grandios rückfällig und hänge in der Situation, dass sich doch endlich auch mal jemand um mich kümmern muss. Jetzt! Jemand, der mich einfach so in den Arm nimmt. Jemand, der mir Mut zuspricht. Jemand, der mich zwar kritisiert, aber dennoch aufbaut. Jemand, der mich beschützt und sagt, dass alles gut wird. Jemand, der mir einfach etwas Gutes tut und mich verwöhnt. Jemand, der mir meine Stärken zeigt und diese unterstützt. Und bei der Suche nach diesem „Jemand“ falle ich unweigerlich in die Negativspirale und bin traurig. Enttäuscht. Vielleicht sogar verletzt. Irgendwer wird mir doch all das mal geben können! Dabei weiß ich doch, dass ich das selbst am besten kann – wenn ich es nicht vergesse. Eigentlich weiß ich es. Ja, ich bin mir bewusst, dass ich egoistisch handeln muss, damit ich meine Bedürfnisse befriedige. Eigentlich.
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Mehr als nur traurig! #NotJustSad

… vor über einer Woche schlug der Hashtag #NotJustSad in den Trends ein, wie eine Bombe und war über Tage auf Platz eins. Jenna – Bloggerin aus Berlin – twitterte im Minutentakt über die Krankheit Depression und die Gefühle. Eine Followerin schlug vor, es doch mit eben dem Hashtag zu versehen … und unzählige sprangen drauf an. „Mehr als nur traurig.“ Richtig! Eben all diese unzähligen Menschen haben munter und frei rausposaunt, welches Stigma sie umgibt, wie sie fühlen, denken, abgestempelt werden. Für viele eine Befreiung, für andere eben der Moment nochmal offen zu sprechen. Gleichgesinnte finden sich. Andere trauen sich im Deckmantel der Anonymität endlich „nach draußen“. Das wichtigste dabei: Endlich mal verstanden, angenommen, gleich fühlen. Plötzlich wimmelt es von Menschen, die eben genau das auch durchleben.

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Steinschlag

Im Moment ist das Leben eher eine Fahrt auf Serpentinen mit erhöhter Steinschlaggefahr. Es regnet eigentlich ständig und oft genug rutschen Felsbrocken ab. Noch bin ich immer einen Schritt schneller. Aber was ist, wenn ich es mal nicht schaffe? Was passiert, wenn mir einer dieser Steinhaufen vor die Füße fällt und ich nicht weiterkomme? Wenn der Weg wieder mal versperrt ist? Ich weiß es nicht. Ich muss höllisch aufpassen, dass ich diesen Schritt schneller bin. Ich hab dafür gearbeitet, dass ich besser unterwegs bin. Ich möchte nicht wieder fallen. Ich habe Angst davor. Ja, Angst! Ich habe Angst, dass ich irgendwann wieder denke: „Du kannst doch eh nichts. Es geht nicht vorwärts. Du bist es nicht wert geliebt zu werden, du packst es ja nicht.“ Ich habe Angst, dass die Negativspirale plötzlich mit geballter Ladung zuschlägt. Ich weiß, dass ich einfacher rein komme als raus.

„Achte auf dich. Nur auf dich. Überprüfe deine Gedanken!“ Verdammte Scheiße! Was ein Psychogequatsche (was ich ja auch selbst lebe, weil es oft – sehr oft – hilft!)! „Mach dich nicht von Aussagen anderer abhängig.“ ORRR! Ja, richtig! JAAAHAAA! Aber: In einer Partnerschaft ist das eben nicht so einfach. Tauchen Probleme auf, muss geredet werden – oder eben auch nicht, wenn die Frustrationsgrenze überschritten ist. Dann wird geschwiegen. Oder sinnlos geflucht. Gestritten. Lass das mal nicht an dich ran! Lass doch mal eben keine Schuldgefühle entstehen, wenn es dabei um dich geht – auch wenn du selbst nicht viel beschleunigen kannst. Ich bin selbst unzufrieden. Verdammt unzufrieden. All die äußeren Umstände, das eigene Gefühl, die Zukunftssorgen und Wünsche prasseln wie Steine auf mich ein. Noch habe ich nicht aufgegeben. Mich nicht. Meinen Weg nicht. Und auch nicht den Glauben – was ich aber nicht als positives Denken sehe. Ich bin im „Heute“. Mehr nicht.

… denn wenn ich das tue, dann fange ich von vorne an. Oder eben auch nicht.

Herr Bock fragt … Tanja Salkowski!

Herr B. fragt … diesmal Menschen, die sich mit ihrer Krankheit genauso an die Öffentlichkeit getraut haben, etwas gegen das Stigma tun wollen, aufklären, helfen, bewegen und auch Angst vor der Krankheit nehmen möchten. Tanja Salkowski beschreibt mit dem Buchtitel “ *sonnengrau – Ich habe Depressionen. Na und?“ eben genau die farbliche Bandbreite der Depression und erzählt mal heiter, mal traurig von „ihrer Geschichte“. 2008 hat es sie mit vielen Nebeneffekten wie Alkoholmissbrauch und auch Suizidversuchen erwischt. Sie schminkt sich, zieht sich gut an, geht weg, lacht und träumt davon, mit einem alten VW Bus Europa zu durchreisen … aber muss sich auch oft noch der Kehrseite hingeben: „Nur weil ich Depressionen habe, ist es mir ja nicht verboten zu leben. Wenn es mich packt, dann gebe ich mir aber auch den Raum depressiv zu sein.“
sonnengrau
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Stabilität.

Wach werden.
Nicht aufstehen wollen.
Keine Lust auf Kaffee.
Nichts interessiert.
Die Dunkelheit genießen.
Stille überall.
Nur die Gedanken sprechen leise.

Und dann kommt der Mut, den Tag zu beginnen.
Stabilität in der instabilen Verfassung.

Herr Bock fragt … Autor Carlos!

Herr Bock fragt … diesmal Menschen, die sich mit ihrer Krankheit genauso an die Öffentlichkeit getraut haben, etwas gegen das Stigma tun wollen, aufklären, helfen, bewegen und auch Angst vor der Krankheit nehmen möchten. Autor Carlos (Sascha Milk) bricht alleine schon mit dem Titel seines aktuellen Buches „Ein harter Kerl im Tal der Tränen“ ein Tabu: Echte Männer dürfen weinen, schwach und auch psychisch krank sein. Sascha, im ersten Leben „echter Kerl“, tätowiert, selbstständiger LKW Fahrer. Jetzt im zweiten Leben Buchautor, der seine Geschichte in Worte verpackt hat und dadurch Mensch geworden ist. Er hat die Chance in mehreren Therapien genutzt, sich selbst besser kennenzulernen und auf sich zu achten. Er selbst sieht sich mit seinem Buch als Sprachrohr, heute hatte ich die Ehre, ein paar Antworten zu bekommen …
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