101 Artikel Artikel von Herr Bock

Warten …

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Hat das eigentlich alles Sinn?

Während meines Weges habe ich mir ja nun schon mächtig viele Fragen gestellt, aber ich habe vor ein paar Tagen eine Mail von *Marius bekommen, die mich nachdenklich stimmt. *Marius ist selbst betroffen, hat auch schon Therapien gemacht, kennt aber noch immer diese schwarzen Löcher und Gedankenschleifen. Was könnte mich jetzt noch bewegen, dass ich hier irgendwas aufgreife? Ehrlich? Normal nichts. *Marius hat mich erreicht, hiermit:

„Die Krankheit bestimmt bis jetzt unser Leben, lass unser Leben die Krankheit bestimmen und versuchen sie zu akzeptieren, sie an unserem Leben teilhaben zu lassen! Etwas möchte die Krankheit uns sagen, davon bin ich überzeugt. Auch wenn es immer wieder scheiß Momente gibt, Momente die mich runterziehen, Momente die meine Gedanken so in Anspruch nehmen, dass ich abends keine Kraft mehr habe, muss diese Krankheit für etwas gut sein!“

Seit Tagen lasse ich mir das jetzt durch den Kopf gehen. „Was will die Krankheit bzw. mein Verhalten mir sagen?“ Konkrete Antworten? Entscheidet selbst … Weiter →

Herr Bock fragt … [1]

Herr Bock fragt … sein Umfeld, enge Vertraute, Freunde, Familie und Wegbegleiter. Wie haben mich meine Mitmenschen gesehen? Wie sehen sie mich heute? Die Fragerunde ist auch wieder eine typische Win-Win-Situation. Ich hab die Chance von diesen Menschen ein paar Antworten für mich zu bekommen und ihr könnt sehen, wie Menschen auf mich bzw. meine Krankheit reagieren, was es bei ihnen auslöst und was noch alles so sein kann. Sonst schildere ich – jetzt sind sie dran.

Natürlich starte ich meine erste Fragerunde mit M. – meine Partnerin, Weggefährtin, Unterstützerin, Kritikerin und engste Vertraute.
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Diagnosenwirrwarr …

Wer mit psychischen Problemen zu tun hat, stellt sich sicher zwangsläufig die Frage: „Was hab ich eigentlich?“ Vor Jahren war es mir eigentlich völlig egal. Da stand für mich nur fest, dass ich was habe, aber vodergründig hats mich nicht interessiert, weil ich meine Gedanken eher an Suizid und wie ich es am besten machen verschwendet habe. Heute sieht das schon ein wenig anders aus. Gestern im Therapiegespräch wurde mir einmal mehr bewusst, dass ein „Facharzt“ auch nur von dem ausgehen kann, was er weiß und wie viel ich preisgebe. Im Grunde ist die Diagnose „Depression“ sehr schnell und einfach gesagt, Pillen verschrieben und dann wars das erstmal. Patient glücklich, Arzt hats Geld verdient. Alles schön. Vor meinem Abschnitt in der Tagesklinik habe ich natürlich auch angefangen Bücher zu lesen, Selbsttests zu machen und zu googlen. Sinn? Keiner. Ich will auch keinesfalls meine vorherigen Therapeuten in Frage stellen und werde auch gewiss nicht nach dem Mund meines jetzigen reden, aber wenn ich mich mit den Verläufen beschäftige fällt auf: Momentan bin ich nicht in einer klassischen Depression. Es gibt da ein paar feine Unterschiede, die es aber nicht abmildern. Was ist denn nun anders?
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Hattu Kopf wie Sieb …

… muttu notieren. Jeder kennt es doch, wenn einem mal kleine Dinge entfallen. Was hab ich gestern gemacht? Wann war nochmal der Termin? Wo hab ich den Stift eben hingelegt? Und sicher können sich viele auch nicht mehr an besondere Tage aus der Kindheit erinnern. Aber wie ist es, wenn ich plötzlich die Frage nach der Straße, wo ich ein Vorstellungsgespräch hatte nicht beantworten kann? Das war doch gestern erst. Oder nicht weiß, was in der E-Mail gestanden hat, die ich eben noch gelesen habe? Wenn mir einfällt, was ich noch machen muss, es im nächsten Moment aber wieder vergessen habe? Kommen die Gedanken so schnell, oder bleiben sie einfach nicht hängen? Merke ich mir nur unwichtige oder wichtige Sachen? Es würde mich ja nicht belasten, wenn es „mal“ wäre, dass mir was entfällt, aber über die letzten Monate gesehen, drängt sich ein Verdacht auf. Es ist ja nicht nur das Vergessen, nein, ich kann mich wahrlich nicht so gut konzentrieren, wie ich es eigentlich gewohnt bin. M: „Boah, ich muss dir alles zwei Mal sagen! Hörst du schwer?“ Nein, ich höre eigentlich sehr gut. Ich bin nur irgendwie … sagen wir … abwesend. Nur wo bin ich? Wo sind meine Gedanken? Und warum kann ich nicht direkt die erste Aussage aufnehmen?
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Helldunkelhellscheiße!

Es braucht gerade nur das eine Wort. Muss ich auch kein Blatt vor den Mund nehmen. Die letzten Tage waren genau so! Ihr habt doch nicht etwa gedacht, dass es mir schon wirklich besser geht, oder? Besser ja, ich hab mehr verstanden, aber stoppen kann ich noch lange nicht alles. Zudem kommt eine Laune meist einfach so. Ich bin niedergeschlagen, fühle mich ausgebrannt und erst dann schleichen sich noch die Grübelattacken ein. Aber wisst ihr was? Ich bin verdammt stolz darauf, dass ich meinen Freund nicht mehr an der Seite habe. Er hält endlich die Klappe! Gehen wir die paar Tage einfach mal durch …
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Niemals vergessen …

… wirst du – Robert Enke – bei mir sein. Nationaltorhüter, „unsere Nr. 1“, Persönlichkeit, Familienvater und vor allem Idol für mich. Sportlich wie auch menschlich. Es ist, als wäre es gestern gewesen, als ich die SMS mit deinem Tod gelesen habe. Fassungslos. Ungläubig. Verwirrt. Schockiert. Wütend. Ja, wütend. Weil du den Freitod gewählt hast, weil du dich einfach dazu entschieden hast. Auch wenn sich im Profisport nichts geändert hat, wenn sich bei dem Thema Depression noch nichts geändert hat, so war es sicher für viele eine Hilfe. Auch für mich. Nicht nur das ich im Sport mit dir verbunden war, nein, auch diese Krankheit konnte ich so teilen. Ich musste mich nicht mehr verstecken, habe die Chance ergriffen und offener über mich gesprochen – auch wenn ich erst heute die entscheidenden Schritte gehen kann. Du hast mit Therapie, mit starker Frau an deiner Seite und Tochter keinen Weg gefunden, der dich im Leben glücklich macht.

foto_robert_enke1Deutschland hat diskutiert – ob positiv oder negativ – aber es wurde gesprochen. Ich führe meinen Weg in der Öffentlichkeit weiter, spreche darüber, stelle mich der Diagnose und den schwarzen Stunden. Nach all den Suizidgedanken weiß ich, dass es sich zu kämpfen lohnt und es einen Weg gibt, auch wenn ich ihn nicht immer sehe oder nur mit Umwegen wieder hinkomme. „You’ll never walk alone“ – eine Fußballhymne, ein Synonym für die Unterstützung deiner Frau und all derer, die diesen „Seelenkrebs“ für sich besiegen wollen. Es bleibt nach wie vor ein heikles Thema, an deren Aufklärung du mit deiner Familie einen kleinen Teil beitragen konntest. Nie werde ich die Blumen am Stadion und die Gedenkfeier vergessen. Unvergessen bleibst du immer noch ein Idol.

Furcht oder Motivation?

Gestern also wieder Therapie. 1 Stunde und 30 Minuten, 3 Zigarretten, Kritik und Lob, Tränen und eine Erkenntnis: Ich bin auf die Fresse gefallen, weil ich es nicht anders wollte und konnte. Ich bin gestolpert, weil ich vorher schon aufgegeben habe. Doch anstatt aufzustehen, hab ich mich dem Programm im Hinterkopf gebeugt und es abspielen lassen. Ich habe nicht selbstbestimmt MEIN Leben gelebt.

„Wenn Sie nur gewillt sind das zu tun, das einfach ist, wird das Leben beschwerlich sein. Aber wenn Sie bereit sind das zu tun, das schwer ist, wird das Leben einfach sein.“ [Eker]

Der einfache Weg. Der Weg des geringsten Widerstandes. Ein Weg, der erst am Ende immer schwierig wurde, wenn mein Versteckspiel aufgeflogen ist, die Lügengerüste zerbrochen und ich vor den Scherben meines Lebens gestanden habe. Der geringste Widerstand war auch, sich einfach den Arbeitsverhältnissen hinzugeben, brav das zu machen, was es gibt und auch nicht mehr. Ein gutes Pferd springt ja schließlich auch nicht höher als es muss. Oder? Warum habe ich eigentlich nicht vorher mein Leben in die Hand genommen und mich verwirklicht, gezeigt was ich kann und angefangen für Träume zu leben? Weil es nicht ging! Wie auch, wenn man sein ganzes Leben klein gehalten wird. „Du kannst das eh nicht.“ „Wie willst du das denn schaffen?“ „Das ist doch lächerlich, da nochmal ne Ausbildung zu machen.“ „War doch klar, dass du da nicht weiterkommst.“ Ehrlich? Ich hab mich doch selbst immer klein geredet, meine Fertig- und Fähigkeiten nach hinten gestellt und nicht für das gekämpft, was ich wirklich kann. Hätte ich es damals gewusst, hätte ich mein Abi gemacht. Ja, mein Abi! Das hätte ich geschafft! Ich war nicht dumm, ich war nur faul, frustriert und wollte rebellieren, damit ich gesehen und gehört werde. Was mir das gebracht hätte? Kann ich nicht beurteilen, aber ich würde es heute sogar noch nachholen wollen. Für mich. Zweifel, Kritik, Neid. Keine Ahnung was es noch alles ist. Ich habs angenommen, ich hab mich dem hingegeben, ich hab nichts mehr gegen gesagt und mich klein machen lassen. Unter Umständen nicht nur in solchen Dingen – des lieben Friedens wegen.

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Meine Insel …

Nehmen wir an, ich muss eine Insel malen. Eine Insel mit all den schönen Dingen um mich herum, meinen Hobbys und was mir gut tut. Nehmen wir an, ich darf mir nicht aussuchen mit was ich male, sondern muss zwingend Acrylfarben nehmen. Im Februar sah ich mich genau dieser Aufgabe gegenüber. Kunsttherapie. In der Tagesklinik. Und ich habe es müde belächelt. „Was hat denn bitte Kunst mit Psychotherapie zu tun, hä? Da kann ich ja echt drauf. Mit Pinsel malen, Ton rumfuhrwerken, Basteln. Das ist absolut nichts für mich. Niemals.“ Mit der Insel hat sich das Blatt gewendet. Warum?  Weiter →

Die Kraft meiner Gedanken …

… darf ich wieder aktivieren. Irgendwann in den letzten Wochen bin ich wohl auf den Not-Aus-Knopf gekommen. Nach meinem Aufenthalt in der Tagesklinik hatte ich zwar das Gefühl, dass es jetzt in eine vernünftige Richtung geht und ich auch verstanden habe, wie ich „anders denken“ kann und mir Gutes tue, aber es ging jetzt keinen Schritt mehr vorwärts. Ich bin fünf Schritte zurückgegangen. All das Erlernte war wie weggeblasen. Warum? Uff, ja, da gibt es sicher unterschiedliche Gründe. Mit der ambulanten Therapeutin bin ich nicht zurechtgekommen und habe mich dann einfach wieder in eine Lethargie fallen lassen. Das war sicher verkehrt und hat eine Menge Ärger mit sich gebracht, aber ich habe verstanden, dass die fünf Schritte rückwärts nur der Anlauf sind, damit ich nochmal durchstarten kann. Und wie?

Zunächst musste ein neuer Therapeut her. Oder eine andere Maßnahme, die die Zeit bis dahin überbrückt. Sicher gibt es den sozialpsychiatrischen Dienst, aber die Einrichtung ist für mich gerade eher eine Notlösung als eine Anlaufstelle in meiner jetzigen Verfassung. Da meine Anspannung gewachsen ist, ich gar nicht mehr zur Ruhe gekommen bin und fast nur noch mit dem Gefühl lebte, wie ein Tiger durch die Wohnung laufen zu müssen, habe ich mich auch mit Reiki als Entspannungsmaßnahme befasst; es klingt nicht verkehrt, wenn man sich die Bedeutung von Chakra durchliest. Letztlich war es aber glücklicher Google-Treffer, der mich zu meinem jetzigen Therapeuten geführt hat. Besonders aufgefallen ist mir der Begriff Hypnotherapie. Na klar, das kann nur eine begleitende Maßnahme für mich sein, aber ich weiß, dass mir die Entspannungszustände (Imagination und Meditation) ne ganze Menge bringen können. Hinzu kommt, dass er systemisch arbeitet – nicht nur ich werde ergründet, sondern auch die familiären Zusammenhänge und Auslöser, die Interaktion und der Einfluss auf mich. Dabei geht es nicht um Schuld, gut oder schlecht, oder ähnlichem. Gänzlich überzeugt hat mich aber, dass er blind ist. Ja, blind. Finde ich nicht nur in Ordnung, sondern super. Wenn ich also zu ihm kann, dann beobachtet er nicht meine Gesten, Körperhaltung oder Mimik. Er nimmt mich komplett anders wahr, was ein entscheidender Vorteil sein kann – es geht allein um Sprache und Inhalt. Es ist einen Anruf wert.

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