27 Artikel // Alltag

Nimm deine Gedanken mit!

Eine Woche bin ich jetzt wieder zu Hause. Eine Woche wieder arbeiten. Eine Woche Alltag. Die Zeit davor? Sieben verdammt gute Tage in Dänemark. Ich war das erste Mal in Nordeuropa. Ich war in einem Ferienhaus und habe eine wundervolle Küstenlandschaft erlebt. Mit Wasser, Wellen und Wind. Die drei existenziellen W im Leben. Kaffee würde auch noch dazukommen, aber der fängt ja nicht mit W an. Und alle guten Dinge sind eben drei. Gut war vor allem auch, dass ich eine Woche richtig entspannen konnte – aber das ist und war nicht immer so.
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„Den Bock zum …

… Gärtner gemacht.“ Das ist nicht nur eine oft benutzte Redewendung, nein, es ist natürlich auch ein Wortspiel mit meinem Namen. Und vor allem ist es eine Schlagzeile, die vor 25 Jahren (Herrgott, ich bin echt schon alt!) den Kreisanzeiger meiner Heimatstadt geschmückt hat. Drapiert mit einem Foto. Mein Vater und ich. In unserem Kleingarten. Den Bock zum Gärtner machen. Ist sich eigentlich jemand über die wahre Bedeutung der Redewendung bewusst? Man überträgt jemandem eine Aufgabe, die er so nur falsch erfüllen kann. Rückblickend stellste einfach eine Ziege in deinen Garten, die den Rasen kurz hält, aber im Gegenzug auch deine Beete plattrampelt. Hoffen wir mal, dass ich nicht diese Ziege bin. Aber wieso Kleingarten?
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Und plötzlich wieder Kind …

Es ist Juni im Jahr 2016. Ich bin Vater von einem 10 Monate alten Sohn, bin seit 4 Jahren mit meiner „Frau“ zusammen, arbeite seit 1 1/2 Jahren wieder regelmäßig und habe seit fast 2 Jahren meine Depressionen und die Gedanken im Griff. Es ist immer noch Juni. Es ist der Juni, für den wir den ersten „Sommerurlaub“ geplant haben. Als Familie. Eine Woche Urlaub. Natürlich haben wir kurze Tripps gemacht. Ans Meer, in Städte, kurze Auszeiten eben. Diese Woche Urlaub ist dennoch besonders. Warum? Es ist endlich finanziell möglich. Ganz einfach. Wer nicht richtig arbeitet bzw. nicht arbeiten kann, weil es schlichtweg nicht möglich ist, der kann sich auch nicht viel erlauben. Punkt! Vorfreude ist da auch ein schönes Stichwort.
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Schöne neue Welt …

„Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.“ (Wilhelm Busch)

Wer das Radiointerview gehört hat oder mir bei Twitter folgt, wird es unlängst wissen. Dezember 2014, kurz vor Nikolaus. Ja, wir wollen Eltern werden, aber als der positive Schwangerschaftstest vor mir lag, konnte ich das noch gar nicht richtig glauben. Der zweite war es dann auch noch. Oha! Wir sind schwanger! JA! ENDLICH!

Und im gleichen Zug springen die Gedanken in die Freude und vermitteln mir das ungute Gefühl, dass es vielleicht doch nicht richtig war. Ja, sicher, der Wunsch war da – nachdem ich lange Zeit nie Kinder haben wollte. Aus Angst, dass ich nicht aus meiner Kindheit lerne und mich ebenso verhalte, wie es meine Eltern getan haben. Doch mit der richtigen Partnerin war der Wunsch da, einfach so. Jetzt. Jetzt, nach Jahren der Therapie, Selbstfindung, Schreiberei, Stress, Wut, Enttäuschung, Lügen, Mutlosigkeit, Gedankenspiralen und Selbstzerstörung bin ich bereit, selbst ein Kind zu haben. Ein Kind, dass ich liebe und dem ich alle Freiheit lassen möchte, um seine Welt und sein Leben zu entdecken. Und die Gedanken? Sind nicht nur Gedanken. Es ist Angst. Angst, meiner Partnerin nicht die Stütze zu sein, die sie braucht. Angst, dass sich die Vererbbarkeit der Depression bestätigt. Angst, dass ich meine Episoden nicht so in den Griff bekommen habe, wie ich es gerade glaube. Angst, dass ich meine Partnerin dann mit allem allein lasse. Angst, dass es so einfach nicht reichen kann für eine Familie.
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Maifeiertag …

Während ihr wahrscheinlich gerade vom Tanz in den Mai nach Hause kommt, sitze ich hier schreibend und lasse die letzten zwei Jahre nochmal präsent werden. Es ist 5.40 Uhr. Warum mein Körper mich an arbeitsfreien Tagen zu dieser Zeit aus dem Bett scheucht, weiß ich noch nicht. Vielleicht ist das aber die Quittung dafür, dass ich die abendlichen Einschlafprobleme – bis auf ein paar wenige Tage – in den Griff bekommen habe. Schlimm? Nein, keinesfalls. „Wer früher wach ist, hat mehr vom Tag.“ Oder? So bin ich in der glücklichen Lage, jeden Morgen den Sonnenaufgang – mit meiner Tasse Kaffee in der Hand – zu beobachten. Heute nicht! Heute fliege ich nochmal über alle Überschriften meines Blogs und schaue, was sich in zwei Jahren Schreiberei ergeben hat.

Sicher habt ihr nicht alles gelesen, oder? Ihr habt mich erst später gefunden, richtig? Vor zwei Jahren habe ich das erste Mal richtig reflektiert offen gesagt, was los ist: „Depressionen.“ Es ging um verletzte Kinder, es ging um Verantwortung, es ging um Eltern und dem Abschied, es ging um Oppa (noch immer mit Doppel-P!), es ging um die Kraft der Gedanken und wie wichtig die Therapie ist, es ging um knallharte Antworten aus dem Umfeld, es ging um die Sinnfrage. Ich wollte lieben, was ist – ich tue es noch. Ich wollte kurz was, ich will es immer noch. Manchmal geht auch nur ums Zuhören, nicht reden! Und dann wurde es Zeit, dass meine Gedanken und die Depression mal ne Zeit in Urlaub gehen.
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Zuhören, nicht reden!

Manchmal zeigen mir Gespräche, wie oberflächlich wir geworden sind und es oft nur um die eigenen Bedürfnisse geht, die aber nicht offen ausgesprochen werden (können). Warum eigentlich nicht? Warum springen wir so schnell in eine Vorwurfsrolle, die keinen weiterbringt? Warum verletzen wir uns oft mehr, als das wir uns respektieren, Zeit füreinander nehmen und einfach mal zuhören? Warum haben wir ständig und für alles einen guten – ungefragten – Ratschlag parat, anstatt nur einfach mal ehrlich zu sagen: „Hey, ich fühle mit dir?“ Warum muss vieles in einer vernichtenden Diskussion enden, anstatt in einem konstruktiven Gespräch, in dem wir uns ernst nehmen? Sind uns die empathischen Fähigkeiten abhanden gekommen, oder sind wir zu egoistisch geworden? Mutiert die Gesellschaft zu einem Kreis von Hobbypsychologen, die alles kommentieren müssen – oft auch ohne großen Zusammenhang? Ist es verpönt, anderer Meinung zu sein und diese einfach mal zu akzeptieren? Ist es falsch, wenn es einfach mal keine rationale Lösung gibt? Ist es nicht mehr machbar, seine unsortierten Gedanken einfach mal aussprechen zu können, ohne dass die bewertet oder verurteilt werden? Manchmal möchte ich – sicher auch viele andere – einfach kurz sprechen und gehört werden. Ich möchte einen Moment deiner Aufmerksamkeit, weil ich dir vertraue. Ich möchte dich an meinen Gedanken teilhaben lassen, weil du mich respektierst. Bitte nimm dir diese Zeit für mich und lass mich ausreden! Frag mich, wenn du etwas nicht verstehst.
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Erwartungen …

… können das Salz in meiner Suppe sein – und genau diese Erwartungen versalzen die Suppe gerne mal. Erwartungen – also Forderungen – begegnen mir immer wieder. Sei es meine eigene Einstellung oder von Menschen, die von mir etwas erwarten. Natürlich sprechen sie das nicht aus – das wäre viel zu einfach – sie erwarten wortlos. Wie kann ich denn so eine Forderung erfüllen, wenn ich nicht weiß, was du dir erhoffst? Gar nicht. Ich werde sie zwangsläufig enttäuschen. Andersrum genauso. Sage ich dir nicht, was ich mir vorstelle, erhoffe mir etwas, werde ich immer und immer wieder enttäuscht. Erwartungen sind eben meine Gedanken und nicht das, was der andere macht.

Ich erwarte, dass mir meine Freunde zum Geburtstag gratulieren. Ich erwarte, dass öffentliche Verkehrsmittel pünktlich sind – egal bei welchem Wetter. Ich erwarte, dass die Post immer richtig zugestellt wird. Ich erwarte, dass mich keiner anlügt. Ich erwarte auch, dass ich so behandelt werde, wie ich es mit anderen mache. Ich erwarte, dass meine Meinung akzeptiert wird. Ich erwarte, dass ich für meine Leistung immer eine Gegenleistung bekomme. Ich ERWARTE es. Und wenn es nicht eintrifft? Bin ich enttäuscht, manchmal sogar sauer und frustriert. Und gerade wenn es um die Freunde geht, springen wir doch gern in die Situation: „Ich habe gedacht, du machst das dann auch für mich. Toller Freund bist du! Dir werde ich auch nicht mehr helfen. Wir waren die längste Zeit Freunde.“ Oder auch gern genommen: „Ich habe keine Freunde. Die melden sich einfach nie bei mir und wenn, dann fragen sie mich nicht mal irgendwas. Ich erwarte, dass sie sich öfter melden oder mich auch mal fragen, wie es mir geht.“ Alternativ geht auch die Aufrechnung, was man gegenseitig füreinander getan hat.

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Zwotausendvierzehn …

Alle schreiben in diesen Tagen ihren Jahresrückblick. Warum sollte ich nicht auch mal wieder mit der breiten Masse schwimmen und auch meine Gedanken hier in Worte fassen. Sind Gedanken eigentlich auch Worte? Wir denken ja in Worten, oder? Meistens auf jeden Fall. Gelegentlich auch in Zahlen oder Farben, manch andere auch in Symbolen oder Bilder. Was das jetzt soll? Ich liebe Bilder, besonders die Gedanken zu denen in meinem Fotowochenbuch. Es hätten noch so viel mehr werden können, aber die reichen aus, damit ich viele gute Momente im Kopf behalte. Aber zurück zu den Worten …
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Steinschlag

Im Moment ist das Leben eher eine Fahrt auf Serpentinen mit erhöhter Steinschlaggefahr. Es regnet eigentlich ständig und oft genug rutschen Felsbrocken ab. Noch bin ich immer einen Schritt schneller. Aber was ist, wenn ich es mal nicht schaffe? Was passiert, wenn mir einer dieser Steinhaufen vor die Füße fällt und ich nicht weiterkomme? Wenn der Weg wieder mal versperrt ist? Ich weiß es nicht. Ich muss höllisch aufpassen, dass ich diesen Schritt schneller bin. Ich hab dafür gearbeitet, dass ich besser unterwegs bin. Ich möchte nicht wieder fallen. Ich habe Angst davor. Ja, Angst! Ich habe Angst, dass ich irgendwann wieder denke: „Du kannst doch eh nichts. Es geht nicht vorwärts. Du bist es nicht wert geliebt zu werden, du packst es ja nicht.“ Ich habe Angst, dass die Negativspirale plötzlich mit geballter Ladung zuschlägt. Ich weiß, dass ich einfacher rein komme als raus.

„Achte auf dich. Nur auf dich. Überprüfe deine Gedanken!“ Verdammte Scheiße! Was ein Psychogequatsche (was ich ja auch selbst lebe, weil es oft – sehr oft – hilft!)! „Mach dich nicht von Aussagen anderer abhängig.“ ORRR! Ja, richtig! JAAAHAAA! Aber: In einer Partnerschaft ist das eben nicht so einfach. Tauchen Probleme auf, muss geredet werden – oder eben auch nicht, wenn die Frustrationsgrenze überschritten ist. Dann wird geschwiegen. Oder sinnlos geflucht. Gestritten. Lass das mal nicht an dich ran! Lass doch mal eben keine Schuldgefühle entstehen, wenn es dabei um dich geht – auch wenn du selbst nicht viel beschleunigen kannst. Ich bin selbst unzufrieden. Verdammt unzufrieden. All die äußeren Umstände, das eigene Gefühl, die Zukunftssorgen und Wünsche prasseln wie Steine auf mich ein. Noch habe ich nicht aufgegeben. Mich nicht. Meinen Weg nicht. Und auch nicht den Glauben – was ich aber nicht als positives Denken sehe. Ich bin im „Heute“. Mehr nicht.

… denn wenn ich das tue, dann fange ich von vorne an. Oder eben auch nicht.

Stabilität.

Wach werden.
Nicht aufstehen wollen.
Keine Lust auf Kaffee.
Nichts interessiert.
Die Dunkelheit genießen.
Stille überall.
Nur die Gedanken sprechen leise.

Und dann kommt der Mut, den Tag zu beginnen.
Stabilität in der instabilen Verfassung.

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