Nicht denken!

Es gibt Fragen im Alltag, über die mache ich mir gerne mal mehr Gedanken. “Kannst du auch einfach mal nicht denken?” ist eine davon. Kann ich einfach mal nicht denken? Ehrlich? Ich muss es verneinen. Wenn ich mich selbst beobachte, dann bin ich im Alltag immer mit Denkprozessen beschäftigt. Sei es eben dieser “Alltag”, mein Verhalten, das Verhalten anderer oder eben die Akzeptanz meiner Gedanken – ob gut oder schlecht. Ich bin depressiv – aber stabil. Dennoch muss ich auf meine Gedanken aufpassen. Die meiste Energie verschwendet das Gehirn in schlechten Phasen vornehmlich als Wiederkäuer. Gedanken durchkauen, runterschlucken, wieder hochwürgen, nochmal kauen, schlucken, hochwürgen, nochmal was Neues dazu und gut durchgekaut wieder schlucken. Es ist ein schier unendlicher Kreislauf, aus dem es nur schwer rauszufinden ist, auch wenn klar scheint, dass die Gedanken eigentlich grandioser Unfug sind.

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Zwotausendvierzehn …

Alle schreiben in diesen Tagen ihren Jahresrückblick. Warum sollte ich nicht auch mal wieder mit der breiten Masse schwimmen und auch meine Gedanken hier in Worte fassen. Sind Gedanken eigentlich auch Worte? Wir denken ja in Worten, oder? Meistens auf jeden Fall. Gelegentlich auch in Zahlen oder Farben, manch andere auch in Symbolen oder Bilder. Was das jetzt soll? Ich liebe Bilder, besonders die Gedanken zu denen in meinem Fotowochenbuch. Es hätten noch so viel mehr werden können, aber die reichen aus, damit ich viele gute Momente im Kopf behalte. Aber zurück zu den Worten …

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Selbstfürsorge. Jetzt!

Es gibt Momente, da werde ich grandios rückfällig und hänge in der Situation, dass sich doch endlich auch mal jemand um mich kümmern muss. Jetzt! Jemand, der mich einfach so in den Arm nimmt. Jemand, der mir Mut zuspricht. Jemand, der mich zwar kritisiert, aber dennoch aufbaut. Jemand, der mich beschützt und sagt, dass alles gut wird. Jemand, der mir einfach etwas Gutes tut und mich verwöhnt. Jemand, der mir meine Stärken zeigt und diese unterstützt. Und bei der Suche nach diesem “Jemand” falle ich unweigerlich in die Negativspirale und bin traurig. Enttäuscht. Vielleicht sogar verletzt. Irgendwer wird mir doch all das mal geben können! Dabei weiß ich doch, dass ich das selbst am besten kann – wenn ich es nicht vergesse. Eigentlich weiß ich es. Ja, ich bin mir bewusst, dass ich egoistisch handeln muss, damit ich meine Bedürfnisse befriedige. Eigentlich.

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Mehr als nur traurig! #NotJustSad

… vor über einer Woche schlug der Hashtag #NotJustSad in den Trends ein, wie eine Bombe und war über Tage auf Platz eins. Jenna – Bloggerin aus Berlin – twitterte im Minutentakt über die Krankheit Depression und die Gefühle. Eine Followerin schlug vor, es doch mit eben dem Hashtag zu versehen … und unzählige sprangen drauf an. “Mehr als nur traurig.” Richtig! Eben all diese unzähligen Menschen haben munter und frei rausposaunt, welches Stigma sie umgibt, wie sie fühlen, denken, abgestempelt werden. Für viele eine Befreiung, für andere eben der Moment nochmal offen zu sprechen. Gleichgesinnte finden sich. Andere trauen sich im Deckmantel der Anonymität endlich “nach draußen”. Das wichtigste dabei: Endlich mal verstanden, angenommen, gleich fühlen. Plötzlich wimmelt es von Menschen, die eben genau das auch durchleben.

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Steinschlag

Im Moment ist das Leben eher eine Fahrt auf Serpentinen mit erhöhter Steinschlaggefahr. Es regnet eigentlich ständig und oft genug rutschen Felsbrocken ab. Noch bin ich immer einen Schritt schneller. Aber was ist, wenn ich es mal nicht schaffe? Was passiert, wenn mir einer dieser Steinhaufen vor die Füße fällt und ich nicht weiterkomme? Wenn der Weg wieder mal versperrt ist? Ich weiß es nicht. Ich muss höllisch aufpassen, dass ich diesen Schritt schneller bin. Ich hab dafür gearbeitet, dass ich besser unterwegs bin. Ich möchte nicht wieder fallen. Ich habe Angst davor. Ja, Angst! Ich habe Angst, dass ich irgendwann wieder denke: “Du kannst doch eh nichts. Es geht nicht vorwärts. Du bist es nicht wert geliebt zu werden, du packst es ja nicht.” Ich habe Angst, dass die Negativspirale plötzlich mit geballter Ladung zuschlägt. Ich weiß, dass ich einfacher rein komme als raus.

“Achte auf dich. Nur auf dich. Überprüfe deine Gedanken!” Verdammte Scheiße! Was ein Psychogequatsche (was ich ja auch selbst lebe, weil es oft – sehr oft – hilft!)! “Mach dich nicht von Aussagen anderer abhängig.” ORRR! Ja, richtig! JAAAHAAA! Aber: In einer Partnerschaft ist das eben nicht so einfach. Tauchen Probleme auf, muss geredet werden – oder eben auch nicht, wenn die Frustrationsgrenze überschritten ist. Dann wird geschwiegen. Oder sinnlos geflucht. Gestritten. Lass das mal nicht an dich ran! Lass doch mal eben keine Schuldgefühle entstehen, wenn es dabei um dich geht – auch wenn du selbst nicht viel beschleunigen kannst. Ich bin selbst unzufrieden. Verdammt unzufrieden. All die äußeren Umstände, das eigene Gefühl, die Zukunftssorgen und Wünsche prasseln wie Steine auf mich ein. Noch habe ich nicht aufgegeben. Mich nicht. Meinen Weg nicht. Und auch nicht den Glauben – was ich aber nicht als positives Denken sehe. Ich bin im “Heute”. Mehr nicht.

… denn wenn ich das tue, dann fange ich von vorne an. Oder eben auch nicht.

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Stabilität.

Wach werden.
Nicht aufstehen wollen.
Keine Lust auf Kaffee.
Nichts interessiert.
Die Dunkelheit genießen.
Stille überall.
Nur die Gedanken sprechen leise.

Und dann kommt der Mut, den Tag zu beginnen.
Stabilität in der instabilen Verfassung.

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Was ist schon glücklich?

“Mich kotzen deine Launen und dein ständiges Unglücklichsein dermaßen an, ich halte das nicht mehr aus” werden viele sagen, die länger mit “Depressionisten” zu tun haben. “Ich kann halt nicht anders, es ist jetzt so” wird dann wohl eine der häufigsten Antworten sein, oder?

Kann es denn nicht aber auch der Druck sein, ständig glücklich und fröhlich sein zu müssen, der immer weiter die Gefühlsachterbahn belastet? Herrgott nochmal, auch ich kann nicht täglich der glücklichste Mensch der Welt sein, nein! Ich darf gekränkt, traurig, wütend, enttäuscht, gelangweilt, müde oder nicht in Redelaune sein. Ja, darf ich und ich behalte mir mein Recht, diese Launen auszuleben. Es sind meine Launen, sie gehören mir, niemandem anders – solange ich sie nicht gegen jemanden verwende. Ich erlaube mir bewusst, diese Gefühle auszuleben, weil die Unterdrückung – und auch die nicht ausgesprochenen Wünsche – mich irgendwann auffressen. Sie setzen sich wie kleine schwarze Monster im Kopf fest, die beim kleinsten Ansatz direkt alle wieder losbrüllen. So kann ich mir auch mein Mitgefühl für andere Menschen bewahren und mich selbst davor, eins der glücklichsten Arschlöcher der Welt zu werden.

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Entscheidungen …

… bekommen erst dann eine nachhaltige Wirkung, wenn sie am Ende endgültig getroffen werden und unverrückbar bleiben. Ich hatte mich entschieden, meinen Eltern zu schreiben. Und ich hatte mich entschieden, mich danach von all den Gedanken zu verabschieden. Es trat eine Besserung ein, die sich aber als genau der Schein herausstellen sollte, der es letztendlich auch ist. Jetzt ist die Entscheidung unverrückbar da: Wir sind gegenseitig füreinander “gestorben”. Daran wird es von meiner Seite nichts mehr zu rütteln geben. Nicht heute, nicht in den nächsten Monaten und auch nicht in den nächsten Jahren. Leben wollte ich, lachen wollte ich und am Ende habe ich mich nicht mit dem Kontakt wohlgefühlt. Nicht ansatzweise. Warum? Weil ich immer geahnt habe, dass mir irgendwann wieder was vorgeworfen wird, ich mein Leben lang “das schwarze Schaf” der Familie bleibe und mir deren Probleme so angelastet werden, dass es nur noch so aussehen kann, als wenn ich der treibende Punkt bin. Damit ist jetzt endgültig Schluss. Der einzig übrig gebliebene Teil ist meine Omma. Jetzt kann ich …

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Muss das denn sein?

Es ist ja irgendwie paradox und ernüchternd. Was? Tja, hier zu sitzen, die Finger über die Tastatur gleiten zu lassen und davon zu schreiben, dass ich nen Schritt zurück gegangen bin. Eigentlich ist es sogar noch mehr. “Stopp. Ich muss nochmal zum Anfang und gucken, ob ich mich wirklich verändert habe, ob es sich gebessert hat und ob ich da rauskomme.” So, oder so ähnlich hat sich mein “Freund” in der Schaltzentrale das wohl gedacht. Fakt ist: Es klingt zu weich. Viel zu weich. Ich bin zurück, habs getan und da sitz ich nun mit dem Scheiß. Ich grabe mich in Gedanken ein, ignoriere und belüge mich, lasse mich selbst im Stich und damit auch alles (und alle) um mich herum. Wieder dieses Labyrinth, aus dem ich so schwer rausgekommen bin (Warum verfluchte Scheiße, bin ich da überhaupt nochmal rein?), wieder den Ausgang suchen, wieder alles anwenden, wieder und wieder und wieder. Dass es zwischendurch mal schwierig wird, das war mir bewusst, aber das es mich in meiner Unaufmerksamkeit so erwischt? Blindlings rein? Herrgott nochmal, das ist verdammte Kacke! Ich habs kurzerhand verbockt.

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Und dann kommt die Frage …

… die mich wieder über Nacht beschäftigen wird. Welche? Ja, welche eigentlich? Als heute das Telefon geklingelt hat, im Display “Unbekannter Teilnehmer” stand, war eigentlich klar, dass es nur meine Mutter oder Omma (ja, noch immer mit Doppel-M!) sein kann. Es war meine Mutter. Und sie hat wirklich gefragt, was wir am Ostersonntag machen. Ja gut, eigentlich total entspannt auf dem Sofa rumräkeln, nackt den Flur entlang hüpfen und abends im Speisesaal das 5-Gänge-Menü servieren lassen. Nein, im Ernst. Keiner von uns beiden hier hat sich bis dato Gedanken gemacht, wie die Ostertage ablaufen würden. Wir haben also nichts vor. Überlege ich mir noch schnell was? Sage ich direkt ab? Sage ich zu?

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Ich will …

Ich bin depressiv. Ich war depressiv – wie auch immer das jeder sehen möchte. Aber: Ich bin in einer glücklichen Beziehung. Aber eine Beziehung mit einem depressiven Menschen muss nicht immer glücklich sein. Wie oft erwischt du dich selbst dabei, dass du dich ungeliebt, unbeachtet, unbedeutsam, ignoriert, unverstanden oder allein fühlst? Oft? Ausschlaggebend dafür ist meiner Meinung nach, dass wir nicht bei uns selbst bleiben, nicht für uns selbst sorgen (können) und alle Hoffnung in die Aufmerksamkeit des Partners legen. Passiert das nicht, springt die Stimmung extrem um, wir suchen nach dem kleinsten Auslöser, alles wieder negativ zu empfinden. In “Lieben was ist …” habe ich all das schon beschrieben. Aber mir sind heute Worte von Jorge Bucay über den Weg gelaufen …

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