Gegenwart!

Einer dieser Tage. Ein Augenblick von vielen. Ein Gedanke, der herausragt. Eine Situation, die ich mir nie ausmalen konnte. Ein Moment, dem ich meine Frage nie gestellt habe. “Was wäre wenn?” Abläufe, die ich nie durchdacht habe, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Keine Wut, keine Angst, keine Nächte mit quälenden Folgefragen. Es ist einfach jetzt.

Heute trifft meine Vergangenheit auf meine Zukunft. Heute treffen all die Gefühle, die ich die letzten Jahre aufarbeiten musste, auf die Gefühle, die ich zukünftig habe. All die Wut, Trauer, Schmerz, unerfüllten Sehnsüchte, suchende Liebe, vergessene Aufmerksamkeit und Unterstützung werden meinen Mut, Freude, Freiheit, kindliches Dasein, Vertrauen, Verantwortung und Liebe treffen.

Sie treffen sich dort, wo ich so viel erlebt habe. Wo all die Probleme gegenwärtig waren. Wir sind dort, wo ich selbst aufgewachsen bin. Wir werden als Familie dort zusammen sein. Es wird einen gravierenden Unterschied geben: Genau dieser Ort in der Situation mit den Gefühlen wird mir nochmal bewusst machen, dass ich meinen Sohn vor meinen Erfahrungen beschützen werde.

… und heute stehe ich als Gegenwart zwischen der Vergangenheit und Zukunft und habe keine Angst mehr. Keine Angst vor dem Leben. Ich suche nicht mehr, ich habe gefunden. Die Prioritäten, die Liebe, die Verantwortung, das Leben, meine eigene Familie – und mich. Heute!

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Mut ist, wenn … [Gastbeitrag]

… du irgendwann die Worte für deine Situation findest. Wenn du erkennst, dass gerade etwas nicht richtig läuft. Mut ist, wenn du versuchst mit jemandem zu sprechen, der Depressionen selbst erlebt. Und es ist auch Mut, Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn du noch gar nicht weißt, wo der Weg hingehen soll. Nicht alles erscheint logisch. Nicht immer gibt es den “großen Auslöser”, der die Depression erklärt. Leider. Um so schöner ist es, wenn Menschen ein Stück weit zur Aufklärung beitragen und über sich reden können, wie Martin. … Blogger, Twitterer, Betroffener, Mensch …

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Maifeiertag …

Während ihr wahrscheinlich gerade vom Tanz in den Mai nach Hause kommt, sitze ich hier schreibend und lasse die letzten zwei Jahre nochmal präsent werden. Es ist 5.40 Uhr. Warum mein Körper mich an arbeitsfreien Tagen zu dieser Zeit aus dem Bett scheucht, weiß ich noch nicht. Vielleicht ist das aber die Quittung dafür, dass ich die abendlichen Einschlafprobleme – bis auf ein paar wenige Tage – in den Griff bekommen habe. Schlimm? Nein, keinesfalls. “Wer früher wach ist, hat mehr vom Tag.” Oder? So bin ich in der glücklichen Lage, jeden Morgen den Sonnenaufgang – mit meiner Tasse Kaffee in der Hand – zu beobachten. Heute nicht! Heute fliege ich nochmal über alle Überschriften meines Blogs und schaue, was sich in zwei Jahren Schreiberei ergeben hat.

Sicher habt ihr nicht alles gelesen, oder? Ihr habt mich erst später gefunden, richtig? Vor zwei Jahren habe ich das erste Mal richtig reflektiert offen gesagt, was los ist: “Depressionen.” Es ging um verletzte Kinder, es ging um Verantwortung, es ging um Eltern und dem Abschied, es ging um Oppa (noch immer mit Doppel-P!), es ging um die Kraft der Gedanken und wie wichtig die Therapie ist, es ging um knallharte Antworten aus dem Umfeld, es ging um die Sinnfrage. Ich wollte lieben, was ist – ich tue es noch. Ich wollte kurz was, ich will es immer noch. Manchmal geht auch nur ums Zuhören, nicht reden! Und dann wurde es Zeit, dass meine Gedanken und die Depression mal ne Zeit in Urlaub gehen.

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Zuhören, nicht reden!

Manchmal zeigen mir Gespräche, wie oberflächlich wir geworden sind und es oft nur um die eigenen Bedürfnisse geht, die aber nicht offen ausgesprochen werden (können). Warum eigentlich nicht? Warum springen wir so schnell in eine Vorwurfsrolle, die keinen weiterbringt? Warum verletzen wir uns oft mehr, als das wir uns respektieren, Zeit füreinander nehmen und einfach mal zuhören? Warum haben wir ständig und für alles einen guten – ungefragten – Ratschlag parat, anstatt nur einfach mal ehrlich zu sagen: “Hey, ich fühle mit dir?” Warum muss vieles in einer vernichtenden Diskussion enden, anstatt in einem konstruktiven Gespräch, in dem wir uns ernst nehmen? Sind uns die empathischen Fähigkeiten abhanden gekommen, oder sind wir zu egoistisch geworden? Mutiert die Gesellschaft zu einem Kreis von Hobbypsychologen, die alles kommentieren müssen – oft auch ohne großen Zusammenhang? Ist es verpönt, anderer Meinung zu sein und diese einfach mal zu akzeptieren? Ist es falsch, wenn es einfach mal keine rationale Lösung gibt? Ist es nicht mehr machbar, seine unsortierten Gedanken einfach mal aussprechen zu können, ohne dass die bewertet oder verurteilt werden? Manchmal möchte ich – sicher auch viele andere – einfach kurz sprechen und gehört werden. Ich möchte einen Moment deiner Aufmerksamkeit, weil ich dir vertraue. Ich möchte dich an meinen Gedanken teilhaben lassen, weil du mich respektierst. Bitte nimm dir diese Zeit für mich und lass mich ausreden! Frag mich, wenn du etwas nicht verstehst.

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Umdenken!

Na, kennt ihr das Gefühl von Stillstand und dem langsamen “Ich rutsche gerade wieder zurück zu alten Mustern”? Sicher kennt ihr das. Ein beschissenes Gefühl, dass sich noch zu den alltäglichen Belastungen mischt. Und rumsbums sitzte wieder mitten in deiner Gedankenwelt, einem unbezwingbaren Berg von Sorgen und Ängsten, dem erdrückenden Kritiker und dem verschwunden Selbstwert. Da kämpfste dich über Monate durch Therapien, Gruppen, Bücher, Gespräche und veränderst über die Zeit alles so, damit es gut ist und dann? Genau dann spult die Festplatte wieder ganz automatisch diesen Mist ab und du bist in kürzestes Zeit wieder im falschen Modus. Das Antivirenprogramm hat also nicht alles erwischt, beim Formatieren sind ein paar Reste geblieben, die sich jetzt in die saubere Software schmuggeln.

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Ähm, bitte?

Ich weiß gar nicht, wo ich hier heute anfangen soll. Es gibt Tage, die kotzen dich regelrecht an. Heute ist wahrscheinlich einer dieser Tage, die sich mit einer ausgereiften Magen-Darm-Grippe vor mir aufbauen und ihr Innerstes … lassen wir das. Was mir die Laune so verhagelt? Menschen. Ja, ich habe endgültig den Moment erreicht, dass ich mein Schreiben hier in Frage stelle. War ja schon mal die Frage, ob das alles Sinn macht. Klar, ich hab Leser. Klar, ich hab Likes auf der Facebookseite. Klar, mir folgen Menschen bei Twitter (wohl auch, weil ich da eben nicht nur Gedanken verpacke). Und normalerweise interessieren mich die Zahlen nicht wirklich, ich schreibe hier für mich, nicht für dich, dich, dich oder dich. Nur für mich. In erster Linie interessiert mich der Austausch untereinander, ja, mit dir, dir und dir. Oder auch dir! Wo jetzt das Problem ist?

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Erwartungen …

… können das Salz in meiner Suppe sein – und genau diese Erwartungen versalzen die Suppe gerne mal. Erwartungen – also Forderungen – begegnen mir immer wieder. Sei es meine eigene Einstellung oder von Menschen, die von mir etwas erwarten. Natürlich sprechen sie das nicht aus – das wäre viel zu einfach – sie erwarten wortlos. Wie kann ich denn so eine Forderung erfüllen, wenn ich nicht weiß, was du dir erhoffst? Gar nicht. Ich werde sie zwangsläufig enttäuschen. Andersrum genauso. Sage ich dir nicht, was ich mir vorstelle, erhoffe mir etwas, werde ich immer und immer wieder enttäuscht. Erwartungen sind eben meine Gedanken und nicht das, was der andere macht.

Ich erwarte, dass mir meine Freunde zum Geburtstag gratulieren. Ich erwarte, dass öffentliche Verkehrsmittel pünktlich sind – egal bei welchem Wetter. Ich erwarte, dass die Post immer richtig zugestellt wird. Ich erwarte, dass mich keiner anlügt. Ich erwarte auch, dass ich so behandelt werde, wie ich es mit anderen mache. Ich erwarte, dass meine Meinung akzeptiert wird. Ich erwarte, dass ich für meine Leistung immer eine Gegenleistung bekomme. Ich ERWARTE es. Und wenn es nicht eintrifft? Bin ich enttäuscht, manchmal sogar sauer und frustriert. Und gerade wenn es um die Freunde geht, springen wir doch gern in die Situation: “Ich habe gedacht, du machst das dann auch für mich. Toller Freund bist du! Dir werde ich auch nicht mehr helfen. Wir waren die längste Zeit Freunde.” Oder auch gern genommen: “Ich habe keine Freunde. Die melden sich einfach nie bei mir und wenn, dann fragen sie mich nicht mal irgendwas. Ich erwarte, dass sie sich öfter melden oder mich auch mal fragen, wie es mir geht.” Alternativ geht auch die Aufrechnung, was man gegenseitig füreinander getan hat.

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Liebe Depression. Liebe Gedanken.

Manchmal bin ich dankbar, dass wir uns nach all den Jahren kennengelernt haben. Weißt du, wie lange du mich schon begleitest? Zu lange. Im Dezember 2013 habe ich mich schon gefragt, ob das alles Sinn macht. Macht es das nun eigentlich? Sind wir nun Freunde fürs Leben oder gehst du auch wieder deinen eigenen Weg? Damals hast du mich immer besucht, wenn ich fest der Meinung war, dass ich auf dem Weg der Besserung bin. Alles andere wäre auch falsch gewesen. Damals war ich nicht auf dem Weg der Besserung – im Gegenteil! In den guten Phasen war ich in meiner Lügenwelt. Ich hab mir sogar selbst geglaubt, dass es mir gut geht. Du hast mich immer wieder zurückgeholt, mich auf den Boden geworfen und unter die Aufsicht eines anderen Freundes gestellt. Dass ich keine Chance habe gegen euch zwei, wusstest du. Konnte ich euch nicht hören? Wollte ich euch nicht hören? Ihr wart so laut und ich hab es nicht verstanden. So oft haben mich Menschen darauf hingewiesen, ich hab am Ende auch die belogen – damit ich euch nicht mehr höre. Warum habt ihr mich nicht einfach in Ruhe gelassen?

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Nicht denken!

Es gibt Fragen im Alltag, über die mache ich mir gerne mal mehr Gedanken. “Kannst du auch einfach mal nicht denken?” ist eine davon. Kann ich einfach mal nicht denken? Ehrlich? Ich muss es verneinen. Wenn ich mich selbst beobachte, dann bin ich im Alltag immer mit Denkprozessen beschäftigt. Sei es eben dieser “Alltag”, mein Verhalten, das Verhalten anderer oder eben die Akzeptanz meiner Gedanken – ob gut oder schlecht. Ich bin depressiv – aber stabil. Dennoch muss ich auf meine Gedanken aufpassen. Die meiste Energie verschwendet das Gehirn in schlechten Phasen vornehmlich als Wiederkäuer. Gedanken durchkauen, runterschlucken, wieder hochwürgen, nochmal kauen, schlucken, hochwürgen, nochmal was Neues dazu und gut durchgekaut wieder schlucken. Es ist ein schier unendlicher Kreislauf, aus dem es nur schwer rauszufinden ist, auch wenn klar scheint, dass die Gedanken eigentlich grandioser Unfug sind.

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Zwotausendvierzehn …

Alle schreiben in diesen Tagen ihren Jahresrückblick. Warum sollte ich nicht auch mal wieder mit der breiten Masse schwimmen und auch meine Gedanken hier in Worte fassen. Sind Gedanken eigentlich auch Worte? Wir denken ja in Worten, oder? Meistens auf jeden Fall. Gelegentlich auch in Zahlen oder Farben, manch andere auch in Symbolen oder Bilder. Was das jetzt soll? Ich liebe Bilder, besonders die Gedanken zu denen in meinem Fotowochenbuch. Es hätten noch so viel mehr werden können, aber die reichen aus, damit ich viele gute Momente im Kopf behalte. Aber zurück zu den Worten …

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Selbstfürsorge. Jetzt!

Es gibt Momente, da werde ich grandios rückfällig und hänge in der Situation, dass sich doch endlich auch mal jemand um mich kümmern muss. Jetzt! Jemand, der mich einfach so in den Arm nimmt. Jemand, der mir Mut zuspricht. Jemand, der mich zwar kritisiert, aber dennoch aufbaut. Jemand, der mich beschützt und sagt, dass alles gut wird. Jemand, der mir einfach etwas Gutes tut und mich verwöhnt. Jemand, der mir meine Stärken zeigt und diese unterstützt. Und bei der Suche nach diesem “Jemand” falle ich unweigerlich in die Negativspirale und bin traurig. Enttäuscht. Vielleicht sogar verletzt. Irgendwer wird mir doch all das mal geben können! Dabei weiß ich doch, dass ich das selbst am besten kann – wenn ich es nicht vergesse. Eigentlich weiß ich es. Ja, ich bin mir bewusst, dass ich egoistisch handeln muss, damit ich meine Bedürfnisse befriedige. Eigentlich.

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