10 Artikel Schlagwort dysthymie

Bist du es, Angst?

Die Hände werden schlagartig kalt und feucht. Alles in meinem Körper ist angespannt. Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Die Hände? Fangen an zu zittern. Ich werde unruhig, ich möchte nur laufen. Weglaufen. Doch ich sitze hier. Gelähmt. Gefangen. Festgehalten. Übelkeit überkommt mich. Alles in mir will kotzen, aber nur der Würgreflex entsteht. 1 Mal, 2 Mal … 4 Mal. Ende. Glück gehabt, ich hasse kotzen. Mir ist flau, mir ist kalt, ich zittere. Ich bin im Raum, aber nicht anwesend. Ich sehe meinen Sohn spielen und lachen, aber ich bin nicht bei ihm. Er bindet mich ein, tobt, spielt, turnt. Ich bin dabei, aber nicht bei ihm, nicht in seinem Spiel. Gedanken überfallen mich. Ich muss raus aus der Situation. Rauchen. Rauchen ist meine Rettung, jetzt gerade weggehen zu können. Ich rauche. Zwei hintereinander. So funktioniert das mit der Sucht und dem Belohnungssystem im Kopf. „Komm, eine geht noch, ist nicht schlimm. Die Glimmstengel beruhigen dich ja.“ Ich zünde mir keine dritte Kippe an, aber anwesend? Bin ich immer noch nicht. Seit Tagen.

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Sei doch einfach glücklich!

Einfach glücklich sein. Einfach so. Ich? Ja, das geht. Ich bin sehr schnell glücklich. Manchmal sogar auch zufrieden. Manchmal eben auch nicht. Meistens dann, wenn mir Menschen sagen wollen, wann ich glücklich zu sein habe. Oder zufrieden. Oder stolz. Oder alles zusammen. Eigentlich immer genau dann nicht, wenn Menschen mir sagen wollen, wie ich zu fühlen habe – positiv wie negativ.

Ist es nicht allein meine Entscheidung, wann ich ein Gefühl habe? Oder welches Gefühl ich habe? Muss ich denn immer irgendeinen Fokus ändern, damit es besser ist? Muss ich immer glücklich sein, weil mein Leben ein bestimmtes Kriterium für Glück erfüllt? Und warum muss ich immer glücklich sein, weil jemand anderes das möchte?
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Es ist zu Ende …

… dieses Jahr. 2017. Nur noch ein paar Stunden bis zum Jahreswechsel. Ist das wirklich so bedeutend? Was ist so toll daran? Nur, weil ich jetzt eine neue Jahreszahl schreiben muss? Was ändert sich denn, wenn wir vom 31.12. auf den 01.01. springen? Nichts. Doch. Vielleicht starten wir mit tollen, neuen Vorsätzen, die uns dann nach ein paar Monaten, Wochen oder schon Tagen enttäuschen, weil wir sie eh nicht einhalten können. Oder ist es so wundervoll, sich auf einer Silvesterparty so richtig einen zu löten und dann am Neujahrstag jammernd mit Kopfschmerzen im Bett zu liegen? Ich weiß es nicht. „Rutsch gut rein!“ Wohin? Warum? Ich rutsche nicht. Es friert vielleicht, aber ich sitze. Auf dem Sofa. Musik im Fernsehen. Oder spiele was. Es gibt Raclette. Hier rutscht nichts! Ich habe lange überlegt, ob ich einen Jahresrückblick schreibe. Ehrlich? Ich hatte sogar schon einen. Vor Wochen! Weil ich wusste, was mich im Dezember noch erwartet und alles andere schon durch war. Ich hatte! Warum hatte?
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Ich mach es, wie du es willst!

Irgendwo in mir ist seit Jahrzehnten ein kleiner Antreiber, der mir ins Ohr geflüstert hat: „Wenn du es den anderen Menschen Recht machst, dann mögen sie dich. Alle!“ Irgendwo steckt dieser Antreiber, der es auch heute noch schafft, mir diese Sätze einzutrichtern. Meistens sagt er es nicht mehr, er lässt mich einfach handeln. Wie von einer Maschine gesteuert ordne ich mich unter, stelle meine Meinung hinten an, akzeptiere die Vorgaben und „lasse es über mich ergehen“ – in der Hoffnung, doch irgendwas zurückzubekommen und gemocht zu werden. „Es ist nicht wichtig, wie du es haben willst. Spar dir deine Argumentationen, du wirst es doch eh so machen, wie du es nicht willst, damit Ruhe ist, damit die anderen glücklich sind und das an dich weitergeben.“ Nein, es geht nicht darum, beliebt zu sein. Nur gemocht. Oder geliebt – nicht beliebt. Geliebt sein. Geliebt im Sinne von Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Lob, Anerkennung, Stolz. All das, was ich mir wohl immer noch nicht in dem Maß geben kann, wie ich es eigentlich sollte – weil ich es nie gelernt habe.
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Farben(un)vielfalt … 

Grau. Eine depressive Episode ist irgendwie immer grau. Oder schwarz. Oder eben etwas in Graustufen unterteilt. Vielleicht ist es sogar mal weiß, aber dann auch nur schwarzweiß. Bunt? Gibt es nicht. Bunt ist der Ausdruck von Freude und Lebenslust. Bunt ist alles – nur nicht die psychische Erkrankung. „Wenn es mir schlecht geht, sehe ich die Farben der Welt nicht mehr.“ Ich weiß nicht, ob das so überhaupt stimmt. Klar, ich spüre diese unbändige Lebensfreude an diesen Tagen nicht, ich habe kein Interesse an Kommunikation, ich habe keine Lust auf Bewegung, mich interessieren viele Dinge in der Zeit einfach nicht und ich fühle mich einfach müde. Aber nicht bunt? Welche Farbe hat das Leben denn nun?
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Lasst meinen Rucksack in Ruhe!

Der große Vorteil von einfühlsamen und interessierten Menschen? Sie beenden das Gespräch nicht mit: „Ja, so hat jeder sein Päckchen zu tragen.“ Es liegt doch auf der Hand, dass jeder Smalltalk damit abgebrochen ist. Es geht aber auch noch anders: „Ist doch gar nicht so schlimm. Ach, das wird schon wieder.“ Ich möchte noch ein bisschen beim besagten Päckchen bleiben. Ja, jeder trägt ein Päckchen. Der eine ein größeres, der andere ein kleineres, manch einer gerade gar keins. Wer urteilt denn über die Größe des Päckchens? Jeder selbst! Vielleicht trage ich gerade ein kleines – aber viel schwereres – Päckchen. Vielleicht ist deins ja groß und nicht so schwer? Das siehst du eben nicht von außen. Das erfährst du nur, wenn du vorsichtig nachfragst. Dann hast du die Möglichkeit, einen Blick in mein Paket zu werfen – wenn ich dich lasse. Erst dann hast du die Möglichkeit zu erfahren, wie schwer meine Last ist. Ich habe aber zum Glück kein Päckchen! Wieso nicht?
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2 Jahre Leben – eine Wahrheit

Nach „Leben – ein ganzes, volles Jahr …“ sind wir im zweiten Akt angekommen. Zwei Jahre ist der Bengel nun schon auf der Welt und stellt nach wie vor alles – wirklich alles auf den Kopf. Vor einem Jahr habe ich ihm noch Neugier gewünscht, Skepsis bei fremden Menschen, Mut, die spielerische Unbedarftheit, die Liebe, das Talent für alles und diesen wahnsinnig frechen Humor. Herrgott! Alles ist so geblieben. Alles! Vielleicht ist es sogar noch intensiver geworden.

Alles erdenklich Gute zum Geburtstag mein Sohn! Restlos alles erdenklich Gute.

Zwei Jahre also nun schon. Zwei Jahre, die sicher nicht nur einfach waren, die Kraft und Nerven gekostet haben – wenn auch erstaunlich wenig. Wenn mir einer gesagt hätte, wie einfach die ersten zwei Jahre werden, hätte ich ihn ausgelacht. DAS habe ich mir so nicht vorgestellt – und ich genieße es. Wenn du nur dein unsägliches Gequietsche wegen nichts lassen würdest. Ich weiß nicht, wer dir diesen Ton beigebracht hat, aber eine Mischung aus Trillerpfeiffe und Hupe ist abartig anstrengend. Zumindest wegen nichts. Wegen nichts! Ja, ich jammere auf hohem Niveau – alles andere klappt so reibungslos, dass es nicht der Rede wert ist. Ich bin sehr stolz auf dich und glücklich.
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Spieglein, Spieglein …

… an der Wand. Nee! Spieglein, Spieglein hier in meinen Texten! Schön, dass du den Weg zu den Menschen findest, die mit diesem Spiegel nichts anfangen können. Danke an den Menschen, der hier so fleißig über 50 Seiten ausgedruckt und weitergegeben hat. Vor allem sich aber auch die Mühe gemacht hat, meinen instagram-Account zu durchforsten. Danke für den Hinweis, dass ich das Persönlichkeitsrecht am Bild verletzt habe, ich habe sofort gehandelt und es korrigiert. Das war vollkommen richtig so. Alles!

Was hier passiert ist? Einiges. Vor allem ist genau das passiert, was passieren musste. Gestern war ein Tag, der voller richtiger Entscheidungen war. Nein, es stört mich absolut nicht, wenn diese Beiträge an meine Mutter weitergereicht wurden. Ja, vieles liest sich sicher nicht gut und verletzt, aber es ist die verdammte Wahrheit meines Lebens. MEINES Lebens. Was gestern passiert ist?
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Hat das eigentlich alles Sinn?

Während meines Weges habe ich mir ja nun schon mächtig viele Fragen gestellt, aber ich habe vor ein paar Tagen eine Mail von *Marius bekommen, die mich nachdenklich stimmt. *Marius ist selbst betroffen, hat auch schon Therapien gemacht, kennt aber noch immer diese schwarzen Löcher und Gedankenschleifen. Was könnte mich jetzt noch bewegen, dass ich hier irgendwas aufgreife? Ehrlich? Normal nichts. *Marius hat mich erreicht, hiermit:

„Die Krankheit bestimmt bis jetzt unser Leben, lass unser Leben die Krankheit bestimmen und versuchen sie zu akzeptieren, sie an unserem Leben teilhaben zu lassen! Etwas möchte die Krankheit uns sagen, davon bin ich überzeugt. Auch wenn es immer wieder scheiß Momente gibt, Momente die mich runterziehen, Momente die meine Gedanken so in Anspruch nehmen, dass ich abends keine Kraft mehr habe, muss diese Krankheit für etwas gut sein!“

Seit Tagen lasse ich mir das jetzt durch den Kopf gehen. „Was will die Krankheit bzw. mein Verhalten mir sagen?“ Konkrete Antworten? Entscheidet selbst … Weiter →

Diagnosenwirrwarr …

Wer mit psychischen Problemen zu tun hat, stellt sich sicher zwangsläufig die Frage: „Was hab ich eigentlich?“ Vor Jahren war es mir eigentlich völlig egal. Da stand für mich nur fest, dass ich was habe, aber vodergründig hats mich nicht interessiert, weil ich meine Gedanken eher an Suizid und wie ich es am besten machen verschwendet habe. Heute sieht das schon ein wenig anders aus. Gestern im Therapiegespräch wurde mir einmal mehr bewusst, dass ein „Facharzt“ auch nur von dem ausgehen kann, was er weiß und wie viel ich preisgebe. Im Grunde ist die Diagnose „Depression“ sehr schnell und einfach gesagt, Pillen verschrieben und dann wars das erstmal. Patient glücklich, Arzt hats Geld verdient. Alles schön. Vor meinem Abschnitt in der Tagesklinik habe ich natürlich auch angefangen Bücher zu lesen, Selbsttests zu machen und zu googlen. Sinn? Keiner. Ich will auch keinesfalls meine vorherigen Therapeuten in Frage stellen und werde auch gewiss nicht nach dem Mund meines jetzigen reden, aber wenn ich mich mit den Verläufen beschäftige fällt auf: Momentan bin ich nicht in einer klassischen Depression. Es gibt da ein paar feine Unterschiede, die es aber nicht abmildern. Was ist denn nun anders?
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