79 Artikel Schlagwort depression

Herr Bock fragt … Autor Carlos!

Herr Bock fragt … diesmal Menschen, die sich mit ihrer Krankheit genauso an die Öffentlichkeit getraut haben, etwas gegen das Stigma tun wollen, aufklären, helfen, bewegen und auch Angst vor der Krankheit nehmen möchten. Autor Carlos (Sascha Milk) bricht alleine schon mit dem Titel seines aktuellen Buches „Ein harter Kerl im Tal der Tränen“ ein Tabu: Echte Männer dürfen weinen, schwach und auch psychisch krank sein. Sascha, im ersten Leben „echter Kerl“, tätowiert, selbstständiger LKW Fahrer. Jetzt im zweiten Leben Buchautor, der seine Geschichte in Worte verpackt hat und dadurch Mensch geworden ist. Er hat die Chance in mehreren Therapien genutzt, sich selbst besser kennenzulernen und auf sich zu achten. Er selbst sieht sich mit seinem Buch als Sprachrohr, heute hatte ich die Ehre, ein paar Antworten zu bekommen …
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Hilfe zur Selbsthilfe … oder so.

„Und wie fanden die Neuen heute die Runde?“ So endete gestern die erste Selbsthilfegruppenrunde – ein zauberhaftes Wort – für mich. Es war gut. Ja, es war gut. Auch wenn ich mich jetzt nach der Auszeit stabil fühle, finde ich es keineswegs falsch, mich regelmäßig mit anderen auszutauschen. Selbsthilfegruppe. Hilfe zur Selbsthilfe. Das ist eine Hürde, ein verdammt große Hürde. Es ist anders, als in eine Klinik eingewiesen zu werden. Es ist anders, als zum Therapeuten zu gehen und ja, es ist auch anders, als die Stuhlkreis-Gruppentherapie während eines Klinikaufenthaltes. Der Weg zu einer Selbsthilfegruppe ist freiwillig, niemand zwingt mich daran teilzunehmen, niemand zwingt mich zum Reden, niemand stellt therapeutische Fragen, niemand wird hinterher was zu einer Diagnose in meine Krankenakte schreiben. Es ist mein – und nur mein Entschluss – mir selbst zu helfen, indem ich mich mit anderen über mein Befinden austausche. Ich will mich noch ein Stückchen besser kennenlernen.
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Was ist schon glücklich?

„Mich kotzen deine Launen und dein ständiges Unglücklichsein dermaßen an, ich halte das nicht mehr aus“ werden viele sagen, die länger mit „Depressionisten“ zu tun haben. „Ich kann halt nicht anders, es ist jetzt so“ wird dann wohl eine der häufigsten Antworten sein, oder?

Kann es denn nicht aber auch der Druck sein, ständig glücklich und fröhlich sein zu müssen, der immer weiter die Gefühlsachterbahn belastet? Herrgott nochmal, auch ich kann nicht täglich der glücklichste Mensch der Welt sein, nein! Ich darf gekränkt, traurig, wütend, enttäuscht, gelangweilt, müde oder nicht in Redelaune sein. Ja, darf ich und ich behalte mir mein Recht, diese Launen auszuleben. Es sind meine Launen, sie gehören mir, niemandem anders – solange ich sie nicht gegen jemanden verwende. Ich erlaube mir bewusst, diese Gefühle auszuleben, weil die Unterdrückung – und auch die nicht ausgesprochenen Wünsche – mich irgendwann auffressen. Sie setzen sich wie kleine schwarze Monster im Kopf fest, die beim kleinsten Ansatz direkt alle wieder losbrüllen. So kann ich mir auch mein Mitgefühl für andere Menschen bewahren und mich selbst davor, eins der glücklichsten Arschlöcher der Welt zu werden.
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Dann kommt die Zeit…

… da muss ich mir ne Auszeit nehmen. Nein. Ich habe mich gezwungen, diese Auszeit nehmen zu müssen. Gezwungen, weil ich falsch gehandelt habe und nun die Verantwortung dafür tragen muss. Müssen? Ja! Es ging kein Weg drum herum. Und heute kann ich sagen: „Ja, es war genau richtig so. Es musste so kommen. Egal wie schwer der Anfang war.“ Warum?

Tja, es ist eine Zeit geworden, in der ich mich mit mir auseinander musste, bewaffnet mit Zettel und Papier. Das Ziel? Alles aufzuschreiben, was mich bewegt, um den Grund zu finden, dass ich mich immer und immer wieder ins Aus geschossen habe. Warum ich „ich mich“ schreibe? Weil ich es jetzt weiß. Ich habe einfach nicht die Verantwortung für mein Leben übernommen. Ich habe sie einfach abgelehnt und mich nicht kümmern wollen, „es hat ja immer funktioniert“. Mein Leben lang habe ich mich also in die Scheinwelten geflüchtet, damit ich die Verantwortung nicht tragen muss. „Es hat ja immer funktioniert.“ Bis heute.
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Entscheidungen …

… bekommen erst dann eine nachhaltige Wirkung, wenn sie am Ende endgültig getroffen werden und unverrückbar bleiben. Ich hatte mich entschieden, meinen Eltern zu schreiben. Und ich hatte mich entschieden, mich danach von all den Gedanken zu verabschieden. Es trat eine Besserung ein, die sich aber als genau der Schein herausstellen sollte, der es letztendlich auch ist. Jetzt ist die Entscheidung unverrückbar da: Wir sind gegenseitig füreinander „gestorben“. Daran wird es von meiner Seite nichts mehr zu rütteln geben. Nicht heute, nicht in den nächsten Monaten und auch nicht in den nächsten Jahren. Leben wollte ich, lachen wollte ich und am Ende habe ich mich nicht mit dem Kontakt wohlgefühlt. Nicht ansatzweise. Warum? Weil ich immer geahnt habe, dass mir irgendwann wieder was vorgeworfen wird, ich mein Leben lang „das schwarze Schaf“ der Familie bleibe und mir deren Probleme so angelastet werden, dass es nur noch so aussehen kann, als wenn ich der treibende Punkt bin. Damit ist jetzt endgültig Schluss. Der einzig übrig gebliebene Teil ist meine Omma. Jetzt kann ich …
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Muss das denn sein?

Es ist ja irgendwie paradox und ernüchternd. Was? Tja, hier zu sitzen, die Finger über die Tastatur gleiten zu lassen und davon zu schreiben, dass ich nen Schritt zurück gegangen bin. Eigentlich ist es sogar noch mehr. „Stopp. Ich muss nochmal zum Anfang und gucken, ob ich mich wirklich verändert habe, ob es sich gebessert hat und ob ich da rauskomme.“ So, oder so ähnlich hat sich mein „Freund“ in der Schaltzentrale das wohl gedacht. Fakt ist: Es klingt zu weich. Viel zu weich. Ich bin zurück, habs getan und da sitz ich nun mit dem Scheiß. Ich grabe mich in Gedanken ein, ignoriere und belüge mich, lasse mich selbst im Stich und damit auch alles (und alle) um mich herum. Wieder dieses Labyrinth, aus dem ich so schwer rausgekommen bin (Warum verfluchte Scheiße, bin ich da überhaupt nochmal rein?), wieder den Ausgang suchen, wieder alles anwenden, wieder und wieder und wieder. Dass es zwischendurch mal schwierig wird, das war mir bewusst, aber das es mich in meiner Unaufmerksamkeit so erwischt? Blindlings rein? Herrgott nochmal, das ist verdammte Kacke! Ich habs kurzerhand verbockt.
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Und dann kommt die Frage …

… die mich wieder über Nacht beschäftigen wird. Welche? Ja, welche eigentlich? Als heute das Telefon geklingelt hat, im Display „Unbekannter Teilnehmer“ stand, war eigentlich klar, dass es nur meine Mutter oder Omma (ja, noch immer mit Doppel-M!) sein kann. Es war meine Mutter. Und sie hat wirklich gefragt, was wir am Ostersonntag machen. Ja gut, eigentlich total entspannt auf dem Sofa rumräkeln, nackt den Flur entlang hüpfen und abends im Speisesaal das 5-Gänge-Menü servieren lassen. Nein, im Ernst. Keiner von uns beiden hier hat sich bis dato Gedanken gemacht, wie die Ostertage ablaufen würden. Wir haben also nichts vor. Überlege ich mir noch schnell was? Sage ich direkt ab? Sage ich zu?
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Ich will …

Ich bin depressiv. Ich war depressiv – wie auch immer das jeder sehen möchte. Aber: Ich bin in einer glücklichen Beziehung. Aber eine Beziehung mit einem depressiven Menschen muss nicht immer glücklich sein. Wie oft erwischt du dich selbst dabei, dass du dich ungeliebt, unbeachtet, unbedeutsam, ignoriert, unverstanden oder allein fühlst? Oft? Ausschlaggebend dafür ist meiner Meinung nach, dass wir nicht bei uns selbst bleiben, nicht für uns selbst sorgen (können) und alle Hoffnung in die Aufmerksamkeit des Partners legen. Passiert das nicht, springt die Stimmung extrem um, wir suchen nach dem kleinsten Auslöser, alles wieder negativ zu empfinden. In „Lieben was ist …“ habe ich all das schon beschrieben. Aber mir sind heute Worte von Jorge Bucay über den Weg gelaufen …

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Grau in grau …

An Tagen wie heute – mit regnerischem Wetter – gehe ich durch die Straßen, der Wind weht mir rau ins Gesicht, die Häuser und Umwelt in tiefes Grau gehüllt. Es scheint, als wäre ich farbenblind. Plakate und Leuchtreklame in Grautönen erzählen mir was vom tollen Leben – Das gestellte Glück, gestellte Szenen, gestellte Schönheit, unwirkliche Wahrheiten, die mich noch weiter runterziehen. Die Umgebung wirkt fremd, ein lebensfeindliches Gebiet, das in tiefen Nebel gehaucht ist, der sich nicht mehr verzieht. Oft weiß ich noch nicht, wie ich dem Scheiß endgültig entfliehen kann, aber ich spür es tief in mir drin: Ich werde meinen Weg weiter suchen und finden! Auch wenn ich manchmal keinen Ausweg sehe, ich werde weitergehen, immer weiter und weiter.

Abschalten? Auszeit!

Lange habe ich diesen Tag herbeigesehnt. Es gibt doch nichts Schöneres für die Seele, als dem Alltag zu entfliehen und an die Orte zu reisen, die einem gut tun. Mein Kopf schreit dabei entweder nach Meer oder Berge. Da die Berge nicht so schnell zu erreichen sind, schreibe ich diesen Beitrag gerade in einem schnuckeligen Hotelzimmer am Jadebusen. Meer im Februar? Ja, Meer im Februar, denn Meer geht immer! Meer ist ja nicht nur schwimmen. Meer ist auch Wind, Weite, Stille, Freiheit. Meer ist die Entspannung beim Geräusch der Wellen. Meer ist halt mehr.

Die letzten Tage habe mich teilweise sehr gequält. Ich hab mich Gedanken hingegeben, die nicht hätten sein müssen. Ich habe mich über Dinge aufgeregt, wo es nicht angebracht war. Ich hab mich in einer Diskussion gehen lassen, bei der es hätte nicht sein müssen. Hätte. Könnte. Sollte. Muss. Da ist es wieder. „Ich hätte es besser machen können.“ Nein. Es ist so gelaufen, wie es ist. Völlig egal, ob es gut oder schlecht war. Es ist so. Und nun ist Urlaub. Ich möchte abschalten, den Kopf vom Wind freipusten lassen, fotografieren, erleben, lieben, wahrnehmen, frei sein.
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