Mach es doch einfach nochmal.

Ich manchen Situationen meines Lebens bin ich ein Held. Ja, ich mag den Begriff eigentlich nicht. Doch, irgendwie bin ich ein Held. Für mich. Ich schaffe es perfekt, mich in eine Situation zu bringen, die mich entweder herausfordert, oder einfach alles abverlangt. Wir könnten jetzt darüber sprechen, dass mir das Universum solange die gleiche Aufgabe gibt, bis ich sie richtig lösen kann, verstehe oder damit umgehen lerne. Gestern hatte ich so eine Aufgabe. Natürlich habe ich mir die selbst eingebrockt. Was denn auch sonst? Gestern war ein Abend, der mich an das Barcamp Hannover 2016 erinnert hat. Gestern habe ich mich in eine Lage gebracht, die jede antrainierte Souveränität infrage gestellt hat.

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Alles Erziehungssache!

Ich bin Vater. Ich bin gerne Vater. Ich weiß nicht, ob ich ein guter Vater bin. Ich bin auf jeden Fall ein liebender Vater. Einer von den Vätern, die ihrem Sohn die Nähe und Liebe geben, die er braucht. Alles andere kann ich nicht beurteilen. Ich möchte es auch nicht beurteilen. Ich weiß zu schätzen, wenn mir jemand “von außen” sagt, dass es so ist, aber … da ist ein großes aber. Die Momente, die ihr “da draußen” mitbekommen, sind Momentaufnahmen, so wie das im Internet nun mal ist. Ich gebe Einblicke in bestimmte Momente meines Lebens. Es sind sehr viele gute Momente. Wirklich viele gute Momente, weil unser Sohn diese Momente schafft, weil wir sie für ihn schaffen, weil sie durch uns alle entstehen. Ich teile die guten Momente, weil ich eben nicht nur “Der Depressionist” bin. Hinter all den Texten, Tweets und Bildern steckt noch ein Mensch, der sich über mehr Gedanken macht, als nur das Leben mit depressiven Tagen, Wochen oder Episoden, Angst und sonstwas. Ich stelle mir Fragen. Viele Fragen. Vor allen aber habe ich mir eine Frage gestellt.

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Ich hab es vergessen …

Vergessen, was ich gerade eben noch machen wollte. Ich habe auch vergessen, wer gestern alles mit mir gesprochen hat. Vergessen habe ich auch, was ich heute unbedingt noch erledigen wollte. Ich habe sogar den Geburtstag von meinem Blog vergessen. Der 1.5., ein so simples und einfaches Datum, dass ich auch so gewählt habe. Im Februar habe ich dafür passend schon einen Beitrag angefangen, weil 5 Jahre doch ein kleines Jubiläum sind. 5 Jahre schreibe ich hier schon. Und heute darf ich sehen, was aus diesem “Tagebuch”, das nur Freunde gedacht war, geworden ist. Aus dem “Blogbaby” wurde ein Junge, der immer mehr mitten im Leben steht. Und ich? Habe seinen 5. Geburtstag vergessen. Er ist schlichtweg in der Flut von Gedanken untergegangen. Tja. Happy Blogday to me, happy Blogday to me … da ist es wieder, dieses “verbockt”. Ich habe es mir fest vorgenommen und versaue es dann. Wie so vieles schon. Ich hänge an dem Gedanken fest.

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Kontrollverlust!

Ich sitze auf der Terrasse der Pension. Es ist dunkel draußen. Auf der Uhr steht 00:09 Uhr. Der Cappuccino zieht gemächlich mit Rauchschwaden in die Nacht. Seit einer Stunde sitze ich schon hier. Es ist still. Ich rieche das Meer. Ab und an ruft eine Lachmöwe. Ich muss diese Stille genießen. Dieser Tag war schwer. Anstrengend, intensiv, sehr lang und wirklich schwer. Schlafen kann ich eh noch nicht, mir fehlt die Fahrt mit dem Auto nach einem Leseabend, damit ich runterkommen kann. Leseabende oder Vorträge sind intensiv. Sie sind kein Programm, das ich einfach mal abspule. Doch dieser Tag? War anders als andere. Er war lang. Er hat einiges von mir gefordert. Er hat mich Kraft gekostet. Und er hat mir etwas zu verstehen gegeben. Manchnmal zwingt dich das Leben solange darauf zu gucken, bis du es endlich verstehst – oder zumindest erstmal wahrnehmen kannst. Manchmal erinnert es dich auch nochmal kurz an die Lektionen, die du vorher schon hattest.

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Der Lauf meines Lebens …

… hätte es werden können. Den (Ver)Lauf meines Lebens habe ich schon oft betrachtet. Ich hatte schon mehrere Läufe meines Lebens. Ich bin viel gelaufen. Weggelaufen. Hingelaufen. Und dann doch wieder weggelaufen. Bin freiwillig gelaufen, habe mich verlaufen und bin manchmal nicht angekommen. Ich habe am Ende beschlossen, dass Laufen “nicht mein Ding” wird. Laufen. Wollte ich nicht mehr. Deshalb habe ich aufgehört, beim Fußball in der Abwehr zu spielen und habe mich ins Tor gestellt. Warum mir niemand gesagt hat, dass die Sprints zu den 16er Linien noch anstrengender sind, weiß ich nicht. Die Lauftrainings zu schwänzen war die logische Konsequenz. Ich wollte nicht mehr laufen. Ich bin zu fett und unsportlich geworden zum Laufen. Eigentlich habe ich Fußball geliebt. Ich habe auch das Volksradfahren geliebt. 30 km am Stück durch die Weltgeschichte. Ich habe Rennradfahren geliebt – ich hatte nur nie wirklich eins. Ich habe immer die Tour de France geguckt. Ich habe auch alle anderen Radrennen geguckt, aber selbst fahren? War nur mit dem Rad möglich, was ich halt hatte. Als Kind konnte ich immerhin so tun, als wäre ich einer bei der Tour de France. Ich mochte auch Volksläufe. Natürlich mochte ich die. Ich bin zwar auch da nie so richtig gelaufen, sondern mehr schnell gegangen, aber hey, es gab einen Pokal. Oder eine Medaille. Ich war stolz darauf, am Ende noch was für mein Engagement zu bekommen. Aber Läufer? Wollte ich nicht sein .

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Heldenwelten

Die Sonne scheint. Es wird langsam Frühling. Das Thermometer zeigt schon gelegentlich zweistellige Temperaturen an. Ich lieben den Frühling. Ich liebe es, wenn die Blumen langsam rauskommen und die Natur wieder Farbe annimmt. Ich mag es, wenn die Sonnenstrahlen meine Haut streicheln. Ich liebe es, wenn es draußen noch nicht all zu warm ist. Ich könnte jetzt rausgehen, diesen Tag genießen, spazieren, leben, entdecken. Das einzige, was ich gerade wirklich entdecke? Ist die depressive Episode, die mich schon länger wieder gefangen hält. Ich möchte nicht rausgehen. Es ist mir egal. Ich möchte viele andere Sachen auch nicht machen. Eigentlich kann ich es gerade auch schon wieder nicht. Es ist mir zu viel. Die ganzen Aufgaben im Alltag sind mir zu viel. Zeit habe ich dafür auch nicht. Wenn ich hier so ruhig, regungslos und scheinbar völlig entspannt in meinem Sessel sitze, sieht man mir die Rastlosigkeit und den Stress in meinem Kopf nicht an. Unaufhörlich platzen immer neue Gedanken in den Kopf, die durchdacht werden wollen. Sie wiederholen sich. Immerhin scheitere ich an meinen selbstgesteckten Zielen und Erwartungen. Immerhin klappt das.

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Sich verlassen, um zu leben …

… darum trennen sich Kinder von ihren Eltern. Oder Eltern von ihren Kindern. Egal, wie rum es am Ende gedreht wird, bei dem Ganzen ist im Vorfeld immer etwas passiert. Was genau? Darüber reden die wenigsten. Ich habe hier Teile meiner Lebensgeschichte offen gelegt, weil sie ein großer Faktor für mein Verhalten, die destruktiven Denkmuster, den depressiven Episoden und den Suizidgedanken ist. Ich habe immer versucht, den Kontakt abzubrechen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe, mich den emotionalen Erpressungen meiner Eltern hinzugeben. Geschafft habe ich es nur bedingt. Zu groß war mein Wunsch, doch wenigstens ein einziges Mal die Bestätigung zu bekommen, dass ich irgendwas gut gemacht habe. Habe ich nie – egal, was es war. Meine Mutter hat die Tür zugemacht. Aus gutem Grund. Sie hat sich ja auch allem widersetzt, was ich je von mir preisgegeben habe. In meinem Leben ging es nie um meine Bedürfnisse und Wünsche. Die waren nicht materiell. Das, was ich immer gebraucht habe, wurde mir verwehrt.

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Endlich wieder vereint …

Manchmal geht es schneller, als wir denken – auch wenn es sich ankündigt. Manchmal passieren alle Dinge so, wie sie passieren sollen und müssen. Manchmal gibt es dann keinen Umweg mehr. Manchmal ist dann ein Leben zu Ende. Ein ausgefülltes Leben mit 91 Jahren. Ein Leben mit den Erfahrungen aus dem Krieg, einer über 60jährigen Ehe, mit vielen Reisen rund um die Welt, mit Feiern und einer guten Hausgemeinschaft und das Erleben des Ur-Enkels. Es wurde Zeit für dich. Zeit zu gehen. Nicht alles ist so gelaufen, wie du es dir gewünscht hast. Wir haben es nicht geschafft, als Familie nochmal vernünftig zusammen zu sein. Das war und wird nicht möglich sein. Und doch durftest du noch schöne Momente erleben. Ich bin froh, dass du Weihnachten hier warst. Ich bin froh, dass ich dir nochmal zeigen konnte, wie wir leben. Ich bin glücklich, dass du so viel von deinem Ur-Enkel erleben durftest.

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Bist du es, Angst?

Die Hände werden schlagartig kalt und feucht. Alles in meinem Körper ist angespannt. Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Die Hände? Fangen an zu zittern. Ich werde unruhig, ich möchte nur laufen. Weglaufen. Doch ich sitze hier. Gelähmt. Gefangen. Festgehalten. Übelkeit überkommt mich. Alles in mir will kotzen, aber nur der Würgreflex entsteht. 1 Mal, 2 Mal … 4 Mal. Ende. Glück gehabt, ich hasse kotzen. Mir ist flau, mir ist kalt, ich zittere. Ich bin im Raum, aber nicht anwesend. Ich sehe meinen Sohn spielen und lachen, aber ich bin nicht bei ihm. Er bindet mich ein, tobt, spielt, turnt. Ich bin dabei, aber nicht bei ihm, nicht in seinem Spiel. Gedanken überfallen mich. Ich muss raus aus der Situation. Rauchen. Rauchen ist meine Rettung, jetzt gerade weggehen zu können. Ich rauche. Zwei hintereinander. So funktioniert das mit der Sucht und dem Belohnungssystem im Kopf. “Komm, eine geht noch, ist nicht schlimm. Die Glimmstengel beruhigen dich ja.” Ich zünde mir keine dritte Kippe an, aber anwesend? Bin ich immer noch nicht. Seit Tagen.

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Sei doch einfach glücklich!

Einfach glücklich sein. Einfach so. Ich? Ja, das geht. Ich bin sehr schnell glücklich. Manchmal sogar auch zufrieden. Manchmal eben auch nicht. Meistens dann, wenn mir Menschen sagen wollen, wann ich glücklich zu sein habe. Oder zufrieden. Oder stolz. Oder alles zusammen. Eigentlich immer genau dann nicht, wenn Menschen mir sagen wollen, wie ich zu fühlen habe – positiv wie negativ.

Ist es nicht allein meine Entscheidung, wann ich ein Gefühl habe? Oder welches Gefühl ich habe? Muss ich denn immer irgendeinen Fokus ändern, damit es besser ist? Muss ich immer glücklich sein, weil mein Leben ein bestimmtes Kriterium für Glück erfüllt? Und warum muss ich immer glücklich sein, weil jemand anderes das möchte?

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Sport, du Drecksau!

Da ist sie wieder, diese Demotivation. Es macht keinen Sinn, dieses “Weitermachen”. Für diesen Moment. Warum mache ich das eigentlich? Ach ja, stimmt: “Sport hilft gegen Depressionen, bla bla. Du schaffst dir neue Strukturen, bla bla. Du kannst was für deinen Selbstwert machen, bla bla. Du findest einen ganz anderen Weg zu dir, bla bla. Und die sozialen Kontakte erst, bla bla.” Niemand sagt dir vorher, wie frustrierend es sein kann, wenn an manchen Tagen einfach mal nichts funktioniert. Nichts. Niemand sagt dir, wie schwer es ist, sich selbst immer wieder zu motivieren. Warum strenge ich mich eigentlich an? Warum gebe ich stelle ich mich schon wieder den zweifelnden Gedanken? Ich könnte es doch direkt lassen. Klappt doch eh nicht. Oder?

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