Der Lauf meines Lebens …

… hätte es werden können. Den (Ver)Lauf meines Lebens habe ich schon oft betrachtet. Ich hatte schon mehrere Läufe meines Lebens. Ich bin viel gelaufen. Weggelaufen. Hingelaufen. Und dann doch wieder weggelaufen. Bin freiwillig gelaufen, habe mich verlaufen und bin manchmal nicht angekommen. Ich habe am Ende beschlossen, dass Laufen “nicht mein Ding” wird. Laufen. Wollte ich nicht mehr. Deshalb habe ich aufgehört, beim Fußball in der Abwehr zu spielen und habe mich ins Tor gestellt. Warum mir niemand gesagt hat, dass die Sprints zu den 16er Linien noch anstrengender sind, weiß ich nicht. Die Lauftrainings zu schwänzen war die logische Konsequenz. Ich wollte nicht mehr laufen. Ich bin zu fett und unsportlich geworden zum Laufen. Eigentlich habe ich Fußball geliebt. Ich habe auch das Volksradfahren geliebt. 30 km am Stück durch die Weltgeschichte. Ich habe Rennradfahren geliebt – ich hatte nur nie wirklich eins. Ich habe immer die Tour de France geguckt. Ich habe auch alle anderen Radrennen geguckt, aber selbst fahren? War nur mit dem Rad möglich, was ich halt hatte. Als Kind konnte ich immerhin so tun, als wäre ich einer bei der Tour de France. Ich mochte auch Volksläufe. Natürlich mochte ich die. Ich bin zwar auch da nie so richtig gelaufen, sondern mehr schnell gegangen, aber hey, es gab einen Pokal. Oder eine Medaille. Ich war stolz darauf, am Ende noch was für mein Engagement zu bekommen. Aber Läufer? Wollte ich nicht sein .

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Heldenwelten

Die Sonne scheint. Es wird langsam Frühling. Das Thermometer zeigt schon gelegentlich zweistellige Temperaturen an. Ich lieben den Frühling. Ich liebe es, wenn die Blumen langsam rauskommen und die Natur wieder Farbe annimmt. Ich mag es, wenn die Sonnenstrahlen meine Haut streicheln. Ich liebe es, wenn es draußen noch nicht all zu warm ist. Ich könnte jetzt rausgehen, diesen Tag genießen, spazieren, leben, entdecken. Das einzige, was ich gerade wirklich entdecke? Ist die depressive Episode, die mich schon länger wieder gefangen hält. Ich möchte nicht rausgehen. Es ist mir egal. Ich möchte viele andere Sachen auch nicht machen. Eigentlich kann ich es gerade auch schon wieder nicht. Es ist mir zu viel. Die ganzen Aufgaben im Alltag sind mir zu viel. Zeit habe ich dafür auch nicht. Wenn ich hier so ruhig, regungslos und scheinbar völlig entspannt in meinem Sessel sitze, sieht man mir die Rastlosigkeit und den Stress in meinem Kopf nicht an. Unaufhörlich platzen immer neue Gedanken in den Kopf, die durchdacht werden wollen. Sie wiederholen sich. Immerhin scheitere ich an meinen selbstgesteckten Zielen und Erwartungen. Immerhin klappt das.

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Sich verlassen, um zu leben …

… darum trennen sich Kinder von ihren Eltern. Oder Eltern von ihren Kindern. Egal, wie rum es am Ende gedreht wird, bei dem Ganzen ist im Vorfeld immer etwas passiert. Was genau? Darüber reden die wenigsten. Ich habe hier Teile meiner Lebensgeschichte offen gelegt, weil sie ein großer Faktor für mein Verhalten, die destruktiven Denkmuster, den depressiven Episoden und den Suizidgedanken ist. Ich habe immer versucht, den Kontakt abzubrechen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe, mich den emotionalen Erpressungen meiner Eltern hinzugeben. Geschafft habe ich es nur bedingt. Zu groß war mein Wunsch, doch wenigstens ein einziges Mal die Bestätigung zu bekommen, dass ich irgendwas gut gemacht habe. Habe ich nie – egal, was es war. Meine Mutter hat die Tür zugemacht. Aus gutem Grund. Sie hat sich ja auch allem widersetzt, was ich je von mir preisgegeben habe. In meinem Leben ging es nie um meine Bedürfnisse und Wünsche. Die waren nicht materiell. Das, was ich immer gebraucht habe, wurde mir verwehrt.

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Endlich wieder vereint …

Manchmal geht es schneller, als wir denken – auch wenn es sich ankündigt. Manchmal passieren alle Dinge so, wie sie passieren sollen und müssen. Manchmal gibt es dann keinen Umweg mehr. Manchmal ist dann ein Leben zu Ende. Ein ausgefülltes Leben mit 91 Jahren. Ein Leben mit den Erfahrungen aus dem Krieg, einer über 60jährigen Ehe, mit vielen Reisen rund um die Welt, mit Feiern und einer guten Hausgemeinschaft und das Erleben des Ur-Enkels. Es wurde Zeit für dich. Zeit zu gehen. Nicht alles ist so gelaufen, wie du es dir gewünscht hast. Wir haben es nicht geschafft, als Familie nochmal vernünftig zusammen zu sein. Das war und wird nicht möglich sein. Und doch durftest du noch schöne Momente erleben. Ich bin froh, dass du Weihnachten hier warst. Ich bin froh, dass ich dir nochmal zeigen konnte, wie wir leben. Ich bin glücklich, dass du so viel von deinem Ur-Enkel erleben durftest.

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Bist du es, Angst?

Die Hände werden schlagartig kalt und feucht. Alles in meinem Körper ist angespannt. Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Die Hände? Fangen an zu zittern. Ich werde unruhig, ich möchte nur laufen. Weglaufen. Doch ich sitze hier. Gelähmt. Gefangen. Festgehalten. Übelkeit überkommt mich. Alles in mir will kotzen, aber nur der Würgreflex entsteht. 1 Mal, 2 Mal … 4 Mal. Ende. Glück gehabt, ich hasse kotzen. Mir ist flau, mir ist kalt, ich zittere. Ich bin im Raum, aber nicht anwesend. Ich sehe meinen Sohn spielen und lachen, aber ich bin nicht bei ihm. Er bindet mich ein, tobt, spielt, turnt. Ich bin dabei, aber nicht bei ihm, nicht in seinem Spiel. Gedanken überfallen mich. Ich muss raus aus der Situation. Rauchen. Rauchen ist meine Rettung, jetzt gerade weggehen zu können. Ich rauche. Zwei hintereinander. So funktioniert das mit der Sucht und dem Belohnungssystem im Kopf. “Komm, eine geht noch, ist nicht schlimm. Die Glimmstengel beruhigen dich ja.” Ich zünde mir keine dritte Kippe an, aber anwesend? Bin ich immer noch nicht. Seit Tagen.

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Sei doch einfach glücklich!

Einfach glücklich sein. Einfach so. Ich? Ja, das geht. Ich bin sehr schnell glücklich. Manchmal sogar auch zufrieden. Manchmal eben auch nicht. Meistens dann, wenn mir Menschen sagen wollen, wann ich glücklich zu sein habe. Oder zufrieden. Oder stolz. Oder alles zusammen. Eigentlich immer genau dann nicht, wenn Menschen mir sagen wollen, wie ich zu fühlen habe – positiv wie negativ.

Ist es nicht allein meine Entscheidung, wann ich ein Gefühl habe? Oder welches Gefühl ich habe? Muss ich denn immer irgendeinen Fokus ändern, damit es besser ist? Muss ich immer glücklich sein, weil mein Leben ein bestimmtes Kriterium für Glück erfüllt? Und warum muss ich immer glücklich sein, weil jemand anderes das möchte?

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Sport, du Drecksau!

Da ist sie wieder, diese Demotivation. Es macht keinen Sinn, dieses “Weitermachen”. Für diesen Moment. Warum mache ich das eigentlich? Ach ja, stimmt: “Sport hilft gegen Depressionen, bla bla. Du schaffst dir neue Strukturen, bla bla. Du kannst was für deinen Selbstwert machen, bla bla. Du findest einen ganz anderen Weg zu dir, bla bla. Und die sozialen Kontakte erst, bla bla.” Niemand sagt dir vorher, wie frustrierend es sein kann, wenn an manchen Tagen einfach mal nichts funktioniert. Nichts. Niemand sagt dir, wie schwer es ist, sich selbst immer wieder zu motivieren. Warum strenge ich mich eigentlich an? Warum gebe ich stelle ich mich schon wieder den zweifelnden Gedanken? Ich könnte es doch direkt lassen. Klappt doch eh nicht. Oder?

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“Papa, wann sind wir da?”

Eine kluge Frage. Eine nervige Frage. Eine Frage, die mir mein Sohn sicher auch irgendwann in einem anstrengendem Tempo um die Ohren hauen wird. Er ist zweieinhalb Jahre alt, ich habe also noch genug Zeit, mir passende Antworten zu überlegen. Immerhin stelle ich mir die Frage ja selbst noch oft genug: “Markus, wann bist du da?” Wo möchte ich denn überhaupt sein? Und welches ist der Weg? Hat “der Weg ist das Ziel” mittlerweile ausgedient? Warum sollte eigentlich “nur” der Weg das Ziel sein? Dann wäre ich doch schon lange angekommen. Ich hab mich ja auf den Weg gemacht! Ich bin noch auf dem Weg. Aber wohin? Sollte nicht das Ziel sein, mich zu finden? Gott sei Dank bieten Wege immer viele Möglichkeiten für Entscheidungen, neue Abzweigungen und Chancen, etwas Neues zu entdecken. Und vielleicht dabei ja auch sich. Ehrlich, stell dir mal vor, du gehst jahrelang einen Weg, versuchst alles in deiner Macht stehende und nichts funktioniert. Und dann? Genau dann, wenn du nicht damit rechnest, stehst du hinter einer Kurve und triffst dich. Das wäre was! Bis dahin ist aber noch immer die Frage: Wann bin ich endlich da?!

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Es ist zu Ende …

… dieses Jahr. 2017. Nur noch ein paar Stunden bis zum Jahreswechsel. Ist das wirklich so bedeutend? Was ist so toll daran? Nur, weil ich jetzt eine neue Jahreszahl schreiben muss? Was ändert sich denn, wenn wir vom 31.12. auf den 01.01. springen? Nichts. Doch. Vielleicht starten wir mit tollen, neuen Vorsätzen, die uns dann nach ein paar Monaten, Wochen oder schon Tagen enttäuschen, weil wir sie eh nicht einhalten können. Oder ist es so wundervoll, sich auf einer Silvesterparty so richtig einen zu löten und dann am Neujahrstag jammernd mit Kopfschmerzen im Bett zu liegen? Ich weiß es nicht. “Rutsch gut rein!” Wohin? Warum? Ich rutsche nicht. Es friert vielleicht, aber ich sitze. Auf dem Sofa. Musik im Fernsehen. Oder spiele was. Es gibt Raclette. Hier rutscht nichts! Ich habe lange überlegt, ob ich einen Jahresrückblick schreibe. Ehrlich? Ich hatte sogar schon einen. Vor Wochen! Weil ich wusste, was mich im Dezember noch erwartet und alles andere schon durch war. Ich hatte! Warum hatte?

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Ab in die Werkstatt!

Das wäre was. Einfach los und in die Werkstatt gehen. Wie bei einem kränkelnden Auto. Ein paar Euro auf die Seite legen, damit die Reparatur bezahlt werden kann, los in die Schrauberbude, Problem schildern, Ersatzteile bestellen, austauschen und alles ist wieder gut. Für die nächsten dreißig- bis fünfizgtausend Kilometer. Blöderweise rechne ich mein Leben ja nicht mal in Kilometer. Obwohl? Wie viele Kilometer bin ich in meinem Leben wohl schon gegangen? Oder auf dem Rad gefahren? Wie viele Kilometer funktioniere ich wieder richtig, wenn ich vom Arzt das Antibiotika gegen die bakterielle Infektion bekommen habe? Immerhin kann die ja jeder sehen. Husten. Schleim. Abgeschlagen und müde. Das sieht jeder. Aber wenn der Kopf nicht richtig funktioniert? Wie lange funktioniere ich da, wenn ich zu einer Therapie gegangen bin? Sind Therapeuten nicht auch einfach Mechaniker meines Gehirns? Haben die alle unterschiedliche Werkzeuge und müssen einfach nur das passende finden, damit wieder alles rund läuft?

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