Wer schreibt hier eigentlich?


VERBOCKEN

Wortart: schwaches Verb 
Worttrennung: ver|bo|cken
Bedeutung: falsch machen, verderben, verpfuschen
Synonyme: falsch machen, ins Verderben reißen/stürzen, misslingen lassen, scheitern, verderben, vergeigen, verkorksen, vermurksen, verpatzen, verpfuschen, versieben, verhunzen, vermasseln.herrb_3_2

Ich habe mich bewusst für diesen Blogtitel entschieden, weil es ein ironisches Wortspiel mit meinem Namen und meiner Vergangenheit ist. Machen wir uns aber auch nichts weiter vor, “verbockt” ist auch ein Synonym für den Zustand, den die Krankheit “Depression” mir in den Kopf setzt.

Die Erfahrungen der letzten Jahre machten mir unmissverständlich deutlich, dass ein Teil von mir unablässig damit beschäftigt ist, meine Depression auszublenden, unsichtbar, vergessen zu machen – sowohl meiner Umwelt, aber vor allem mir selbst gegenüber. Indem ich hier für alle zugänglich und unschwer mit meiner Person verbunden öffentlich über meine Probleme blogge, will ich mich zwingen, selbst Fremden gegenüber die Krankheit eingestehen zu müssen – oder positiv formuliert: Ich nehme mir den Druck, jemandem etwas vormachen zu müssen, denn jeder ist ja nur eine Google-Suche von der Wahrheit entfernt. Gleichzeitig werde ich so immer wieder daran erinnert, über die Krankheit nachzudenken, mir meinen Zustand ins Bewusstsein zu rufen und so besser damit umzugehen.

Das ist für dich und für mich eine Win-Win-Situation. Ich kann mit meinem Schreiben alles aufarbeiten, nochmal zurückschauen und festhalten. Du – wenn du betroffen bist – hast jemanden gefunden und bist nicht allein. Und du – wenn du nicht betroffen bist – bekommst Einblick in solch ein Leben, das Denken und Fühlen und kannst so vielleicht deinen Partner/in oder Mitmenschen besser verstehen.

Ihr seid herzlich eingeladen hier zu kommentieren, diese Seite zu teilen oder zu “liken”. Erzählt anderen davon, denn nur gemeinsam kann man wirklich stark sein und sich nicht allein im Dunkel fühlen. Und am Ende kommt ein spannendes Tagebuch heraus, in das eure Erfahrungen einfließen können.

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Ich kann meinen rechten Daumen aus- und wieder einrenken. Ich bin Raucher. Ich kann zu jeder Tageszeit Kaffee trinken, ich hasse Tee. Ich habe mehrmals erfolglos Tagebuch geführt. Ich führe einen Terminkalender. Ich langweile mich manchmal sehr schnell. Ich leide seit Jahren unter Depressionen. Ich liebe mich nicht. Ich hasse mich nicht. Ich bin mir relativ egal, meistens. Ich vergesse manchmal, mir meine Zähne zu putzen und schäme mich dann den Rest des Tages dafür. Ich kann keine Vogelstimmen unterscheiden. Ich habe keinen Lieblingssong der Beatles. Ich habe noch nie im Wald wilde Himbeeren gepflückt. Ich habe mich noch nie in fremden Städten verirrt. Ich weiß nicht, wie man ein Baumhaus baut. Ich singe gern unter der Dusche und beim Autofahren, aber nur wenn ich allein bin. Ich liebe Musik.

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Ich bin perfekt in Selbstkritik und Abwertung meiner Leistung. Ich war noch nie in Ost- oder Nordeuropa. Ich war auch noch nie auf einem anderen Kontinent als Europa. Ich bin mal nachts in ein Freibad eingebrochen. Ich weiß, wie man Kühe melkt. Ich kann stundenlang schwere körperliche Arbeit verrichten, wenn ich mich konzentriere und mich nichts ablenkt, weigere mich aber oft gern. Ich bin kein Mitglied einer Partei. Ich interessiere mich für Politik. Ich nehme Antidepressiva und habe manchmal Schlafstörungen. Ich habe oft den Wunsch gehabt, mein Leben zu beenden. Ich hasse diese Gedanken nicht, ich lebe mit ihnen. Ich weiß von anderen, dass es ihnen da ähnlich geht. Ich habe Angst vor dem Tod und vor Schmerzen.

Ich hasse Grübelschleifen und Gedankenkreisläufe, aber ich habe sie und sie beeinflussen meine Laune. Ich kann sie manchmal unterbrechen. Ich hasse rhetorische Fragen, die ich sowieso immer mit „Nein“ beantworten muss. Ich vergleiche mich, dich und alles mit allem und allen anderen. Ich bin sehr ungerne nackt, wenn andere Menschen dabei sind. Ich habe ein Problem mich zu akzeptieren, wie ich bin. Ich hasse Geometrie. Ich kann gut Kopfrechnen. Ich habe in der Schule oft Physik und Biologie geschwänzt. Ich bin gern draußen in der Natur. Ich kann als Mann auch weinen. Ich kann sehr gut schlafen, wenn jemand neben mir liegt. Ich kann auch gut schlafen, wenn man neben mir schnarcht. Ich kenne alle Bücher von Stephen King. Ich habe mehr Goethe als in der Bibel gelesen. Ich wollte mich mal vor den Zug stellen, wurde dann aber angerufen. Ich kann mir mein 60jähriges Ich nicht vorstellen. Ich schreibe sehr gerne, aber viel zu selten.

Ich mag das Geräusch von Wellen, wogenden Bäumen, am Himmel vorbeiziehenden Flugzeugen, Rasenmähern. Ich kann mich nur schwer an schöne Tage aus meiner Kindheit erinnern. Ich glaube nicht an Wiedergeburt. Ich kann Fußball spielen, mache es aber nicht mehr. Ich habe mit Badminton angefangen. Ich habe viele Hobbys, kann mich aber viel zu oft nicht motivieren. Ich kann Lob nur sehr schwer annehmen und rede das sehr schnell klein.  Ich habe viele Freunde beim Dart besiegt. Wenn ich mich an eine Struktur halten will, verliere ich diese oft nach der Hälfte. Ich habe mehr Wodka als Wein getrunken. Ich mag Bier nur in geringen Mengen, danach muss ich es mischen. Ich finde mich meistens unattraktiv. Ich finde mich manchmal gutaussehend, wenn die Laune stimmt. Ich trage gerne Hemden. Ich mag es nicht, wenn Leute auf einer Rolltreppe nicht stehenbleiben, sondern weiterlaufen. Ich liebe den Frühling. Ich mag Blumen, kenne aber oft den Namen nicht. Ich mag nur mein Gesicht im Spiegel. Ich weiß, wie man eine Pistole bedient. Ich werde niemals eine Pistole benutzen. Ich stand einmal wenige Meter entfernt von einem wildlebenden Rothirsch. Ich mag meine Stimme, wenn ich erkältet bin. Ich habe oft kein Hungergefühl. Ich muss mich  zum Essen zwingen. Ich finde Englisch besser als Französisch, besser als Deutsch, besser als Russisch. Ich spiele aber gern mit der deutschen Sprache. Ich kann mir gut Namen merken, aber nicht die Telefonnummer. Ich gehe ungern ins Bett. Ich bleibe lieber länger auf als länger im Bett. Ich achte bei alten Fotos auf mehr Details als bei neuen.
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Ich benutze meinen Netbook schon so lange, dass dort, wo meine Handballen beim Tippen stets liegen, die Farbe verblichen ist. Ich habe kein Bücherregal und besitze keine Musik-CDs. Ich schäme mich meiner Familie. Ich hab Überlebensstrategien, die nicht gut sind. Ich mag meine Freunde. Ich war oft verliebt. Ich liebe mich weniger, als dass ich geliebt wurde. Ich hasse Menschen, die einem ins Wort fallen. Ich mag keinen Schnee, ich liebe Sommerregen, ich hasse Hitze. Ich fühle mich manchmal gefühlskalt, ich konnte noch nicht richtig trauern. Ich war schon mal in einem schwulen Szeneclub. Ich werde meist wertvoller beschenkt, als dass ich schenke. Ich fühle mich meist sehr unangenehm, wenn ich beschenkt werde oder selbst etwas verschenke. Ich muss beim Lied „Nova“ von VNV Nation fast automatisch weinen. Ich habe schon zwei Leichen gesehen. Ich liebe Umarmungen und Nähe. Ich habe mir noch nie zwei Kirschen an die Ohren gehängt. Ich kaufe auch gern gebrauchte Waren.

Ich habe mehrfach gekifft, doch ohne jeden Effekt. Ich hasse mittlerweile Drogen. Ich werde durch frische Luft berauschter als durch Drogen. Ich habe mir mit fünfzehn unabsichtlich den linken Ellbogen bis auf den Knochen aufgeschlagen. Ich hatte schon eine rektale Untersuchung mit Verdacht auf Blinddarm-Durchbruch. Ich hatte damals 40°C Fieber. Ich kann Familien oder alte Ehepaare im Zug nicht ausstehen. Ich ziehe mich manchmal zurück, weil ich nicht reden möchte und genieße auch das Gefühl der Niedergeschlagenheit. Ich höre manchmal im Satz auf, zu reden, wenn ich merke, dass es alle langweilt. Ich danke meinen Eltern für das Leben, aber weiß nicht, inwiefern man sich da revanchieren muss. Ich habe manchmal Angst, dass ich meinen Alltag nicht bewältigen kann. Ich glaube, es wäre einfacher, gläubig zu sein. Ich merke dann und wann erschrocken, dass ich in manchen Punkten sehr konservativ bin. Ich finde die Geschichte Deutschlands sehr interessant. Ich würde gern mit einem Fallschirm springen. Ich male mir mitunter aus, wie es wäre, über Nacht ein geniales Foto geschossen zu haben, das in einer Zeitung abgedruckt wird. Ich habe schon einen Fotowettbewerb gewonnen. Ich zeichne sehr gern, finde es aber oft nicht schön. Ich finde es unnötig, dass Interviews autorisiert werden müssen. Ich kann gut kochen. Ich genieße die Gesellschaft meiner Freunde. Ich sehe meine Freunde viel zu selten. Ich finde es sehr heilsam, mit Menschen Zeit zu verbringen, die nicht immer witzig oder interessant sein wollen. Ich wollte schon mehrfach Vegetarier werden, doch ich liebe den Geschmack von Fleisch. Ich liebe Improvisationstheater. Ich will oft alles hundertprozentig machen und kann mit dem Ergebnis doch nicht zufrieden sein. Ich komme gut mit älteren Menschen und Kindern klar.
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Ich wäre gerne ein durchschnittlicher Erwachsener, der täglich seinem Beruf nachgeht, abends mit ein paar Kumpels ein paar Biere trinkt und eine normale, langjährige Beziehung führt. Ich habe mittlerweile auch körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Nackenschmerzen. Ich vergesse in letzter Zeit Kleinigkeiten. Ich habe noch nie meine Träume mitbekommen, merke aber morgens, wenn ich schlecht geträumt haben muss. Ich mag es, Dinge chronisch oder alphabetisch zu ordnen. Ich werde nichts verändert haben, wenn ich mal tot bin. Ich finde das Verlangen und die Sehnsucht manchmal schöner als das Endergebnis. Ich würde gerne öfter fremde Städte besuchen. Ich habe Angst vor dem, was ich mal werden könnte. Ich liebe Sex und das Verlangen danach.

Ich bin noch nie auf einer Banane ausgerutscht. Ich schaffe es nicht, mit dem Rauchen aufzuhören. Ich habe es aber auch erst ein Mal ernsthaft versucht. Ich liebe Tierfotografie. Ich bin und war in psychologischer Behandlung wegen Depressionen. Ich schäme mich nicht dafür. Als Kind habe ich mehr Musik gehört als Bücher gelesen. Ich habe bei Boygroups laut mitgesungen. Ich habe keinen Filmgeschmack. Ich kann mir nur schlecht Filmtitel und Schauspieler in den Filmen merken. Ich mag fast jede Art von Musik. Ich habe fünf Bücher mit jeweils über 1000 Seiten gelesen. Ich kann gut Diktate schreiben, versage aber bei Aufsätzen. Ich hasse Wecker. Ich kenne endlich das Gefühl der Liebe und Zugehörigkeit. Ich würde Menschen gerne öfter „Du bist schön“ sagen, wenn ich denn wüsste, dass sie es nicht als Flirt oder Unannehmlichkeit auffassen würden. Ich bin jetzt 35 Jahre alt. Ich bin sarkastisch und ironisch. Ich habe das Gefühl, dass ihr hier auch zwischen den Zeilen lesen konntet. Ich weiß, dass der schönste Tag meines Lebens noch kommen wird.

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Und wenn du bis hier gelesen hast, glaube ich auch, dass wir uns gut verstehen würden.

Das ist ein Einblick in meine Gedanken und meine Welt. Sicher gibt es dazu noch ein Menge mehr, was ich aufschreiben kann, aber das soll für mich und euch erst einmal reichen.

2013 // Herr B. (inspiriert von einem unbekannten User)

52 Kommentare

  1. Wow… wir haben echt viel gemeinsam :) ich musste oft lächeln bei diesem text :D ich finde ihn sehr interessant und es ist gut geschrieben :) ich glaube du bist mehr wert als du dir vorstellen kannst.. solche Menschen gibt es selten. Spielst du Musik?
    Vlg
    Mina :)

    1. Du bist einfach klasse !
      Ich leide seit meiner Kindheit an Depressionen und finde mich in deinem geschriebenen wieder. Jetzt mit 50 zIG Jahren haben die Ärzte die Diagnose Borderline. Bin durch ein burnout und etlichen anderen Baustellen seit 07 frühberentet. Ich träume davon wieder Teilzeitkräfte arbeiten zu gehen. Ziehe bald um und habe in 8 Wochen schon einiges geschafft.Ein psychischer mobiler dienst kommt dank meiner Krankenkasse 3 Jahre jetzt ins Haus. Nimmt mich an die Hand .Es geht aufwärts auch wenn die Zeit der Tränen noch nicht vorbei ist. Aber ich will evtl nach dieser Therapie endlich wieder nähe zu lassen können ..Zu 2 noch viele schöne Jahre haben. Der richtige wird kommen und wegen diesen kuddelmuddel bin ich seit 3 Jahren jetzt auch alleine.
      Fühle mich wohl damit ..
      Aber mein Ziel …Ist noch ein Stück weit entfernt 🍀🖒⛵
      Ich lese dich seit 10 Minuten und danke dir von ♡
      Ich bleibe eim folower deines Blogs. 4.12 pinökel ich werde da sein 😊
      Lieben Gruß Petra

  2. Ich liebe diese Art der Autobiographie! Finde, du hast es sehr schön und direkt geschrieben. Ich schreibe auch schon eine Weile an einem solchen Text, nur etwas ausführlicher, und es ist schwierig, damit fertig zu werden. Wann hört man auf? Liebe Grüße! Mathilda

    1. Theoretisch gibt es ja gar kein Ende. Als ich den Teil geschrieben habe, war mir auch schon bewusst, dass ich ihn ändern werde. Die Zeit steht nicht still, alles ändert sich, wir ändern uns, es gibt kein Ende.

  3. Ich habe noch nie etwas so ergreifendes gelesen….jetzt schon zum 3. Mal!
    Auch wenn ich im Moment selbst das Gefühl von Dunkelheit verspüre, glaube ich nicht, dass ich depressiv bin. Aber sensibel – und ich mag Deine tiefgründigen Gedanken sehr!
    Ich hoffe und wünsche mir, dass Deine Worte viele Menschen erreichen – betroffen oder nicht!

    Vielen Dank für Deine Offenheit!

  4. Na wenn ich das so lese…. Eine sehr nette Mischung aus Unterschieden und Gemeinsamkeiten was uns beide betrifft…. Da hab ich Lust auf mehr – Kann man dich kennenlernen?

    Sorry, ich bin immer so direkt. Naja, und das *sorry* ist eher pro forma, in Wahrheit tut es mir nicht leid, direkt zu sein. Aber es hilft anderen Menschen meiner Erfahrung nach, damit klar zu kommen, das ich es bin.

    Übrigens: Das Kommentar von Lalinchen zu deinem Artikel *mein guter Freund* – Das bin auch ich. Ich hab nur nicht gleich gecheckt, das ich mich hier über FB anmelden kann.

    Also… Ich denke, du wirst mich finden können, bei Interesse…

  5. Deine Worte regen zum nachdenken an, berühren, machen traurig und zaubern ein Lächeln ins Gesicht. Jedenfalls empfinde ich so. Ich bin keine Betroffene, interessiere mich aber sehr für Menschen, ihre Geschichten bzw was sie zu erzählen haben.
    Ich danke dir sehr für deinen Blog, nicht nur, weil er Betroffenen eine Hilfe und Stütze ist, sondern weil er Nichtbetroffenen ein Stück weit die Augen öffnet (jedenfalls denen, die es auch wollen)
    Vielen Dank, liebe Grüße Sina

  6. Ich habe Deinen Text, Deine Gedanken, Deine Vorstellung gelesen bis zum Schluss. Ich muss sagen, dies alles berührt mich sehr, trifft mitten ins Herz, sehr sogar. Ich bin wohl selbst nicht betroffen, aber Familienangehörige und in einigen Dingen kann ich schon sehr gut nachvollziehen, wie Du Dich fühlst, wie es Dir geht. Ich liebe Deine Offen- und Ehrlichkeit. Du wirst sehr vielen Menschen mit Deinem Blog hier helfen können, dessen bin ich mir sicher. Ich werde ihn auch noch öfter lesen. Alles Liebe und Gute für Dich und Dankeschön für Deine Zeilen, welche zum innehalten und nachdenken anregen.

  7. Hallo Herr Bock ( hihi – keine Ahnung, wie ich dich sonst anschreiben soll ;-) ),

    da sind wir ja gleichalt, wenn der Artikel oben tatsächlich im Jahr 2013 geschrieben wurde. Als ich deine Vorstellung gelesen habe, dachte ich wirklich sofort: Der Mann ist hochsensibel!

    Wir haben sehr viele Gemeinsamkeiten – inklusive dem Bluthochdruck ;-)

    Ich finde es im Übrigen toll, dass es Männer gibt, die dazu stehen, dass sie weinen – dafür könnte ich dich jetzt mal kurz umarmen ;-)

    Es könnte sich wirklich lohnen, wenn du mal kurz überfliegst, was Hochsensibilität bedeutet. Es könnte definitiv interessant für dich werden.

    Du hasst zwar Tee, aber in meinem Wohnzimmer gibt es natürlich auch Kaffee – ich trinke tatsächlich beides – je nach Lust und Laune…

    https://hochsensibel1753.wordpress.com/herzlich-willkommen/

    Liebe Grüße,
    Julia

  8. Guten Abend Herr Bock,

    ich muss sagen es ist sehr gut/verständlich geschrieben. Kann ziemlich alles sehr gut Nachvollziehen. Habe leider selbst diese Krankheit, ein Tag ein Kampf. Nur eins muss man dir lassen, du hast dafür sehr gute Worte gefunden. Ich selbst hätte es nicht so erklären können. An der Stelle, Respekt!
    Es ist sehr Lesenswert. Und ich muss sagen, es ist irgendwie schön zu lesen, dass es auch andere gibt, denen es so ergeht. Wobei es sehr traurig ist, da man niemanden so eine Krankheit wünscht…

    Grüße Seechen
    & Herr Bock, mach weiter so dein Block gibt Kraft, klärt auf und hilft für Verständnis!

  9. Ich wünsche dir, das dir in Zukunft bewusst wird wie gut deine Seele, wie talentiert deine Wortwahl als auch deine Kraft zum ermutigen anderer jetzt schon ist und wahrscheinlich schon immer war.

    ein inspirierter Leser…

  10. Du bist schön. Danke, dass es dich gibt.
    Ich bin hier gelandet, weil ich heute, zum Mutter(wut)tag, von meiner Mutter den fiesestens und gemeinsten Brief meines Lebens bekomme habe.

  11. Ich hab bis zum Schluss gelesen, aber ich bin mir nicht sicher, ob du mich mögen würdest, denn ich gehe auf Rolltreppen und unterbreche leider immer wieder andere. Aber andererseits – ich mag deinen Text, die Art zu schreiben und deine Offenheit. Danke dafür.

  12. Ich finde das Verlangen und die Sehnsucht manchmal schöner als das Endergebnis.
    Der Satz trifft mich mitten ins Herz ♥….
    Danke fürs „mit“ – teilen…. du schöner Mann.
    Freu mich auf deine Lesung /Vortrag heute Abend in der Essigfabrik zum Weltsuizidpräventionstag.

  13. Lieber Herr Bock,

    ja, alles, was Sie persönlich beschreiben, kenne ich aus eigener Erfahrung nur zu gut – und noch einiges darüber hinaus…
    Es mag überheblich klingen, aber bei mir wurden mittlerweile sechs psychische Störungen diagnostiziert, weshalb ich über Depressionen beinahe nur noch “lächeln” kann. Besonders da ich sie bereits seit meinem fünften Lebensjahr kenne…

    Bitte verstehen Sie das nicht falsch: Depressionen sind ein ernst zu nehmendes Krankheitsbild, aber sie sind auch – im Gegensatz zu anderen Störungen – relativ gut zu behandeln.
    Ich finde Ihren Blog schon deshalb bewundernswert, da er sich mit einem der letzten Tabus in unserer Gesellschaft auseinandersetzt – und das sind nun mal psychische Erkrankungen.

    So, und jetzt werde ich mal ganz gemein: Wie viele gescheiterte Suizidversuche haben Sie bereits hinter sich? Wie oft haben Sie wochenlang jegliche Nahrung verweigert? Wie oft sich vorgestellt, sich die Augen auszustechen oder den Bauch öffnen zu müswn, um die eigenen Gedärme herauszuholen?
    Wie oft andere Menschen zu töten versucht (glücklicherweise – was mich anbelangt – bis heute erfolglos)?
    Wie oft haben Sie versucht, sich die Pulsadern aufzuschneiden, Zigaretten auf Ihren Armen ausgedrückt bzw. abbrennen lassen im Gedenken an die gefolterten Juden im Dritten Reich?

    Wie oft sind Sie seit Ihrer frühesten Kindheit sexuellen Übergriffen und körperlicher sowie psychischer Gewalt ausgesetzt gewesen? Wenn Sie einen Großteil meiner Fragen mit Ja beantworten können, heiße ich Sie in “meiner” Welt herzlich willkommen!

    Neben der Depression gibt es schließlich noch unzählige andere Störungen, die imho ebenfalls mehr Beachtung finden müssten!

    Liebe Grüße,

    Dagmar Kaiser

    1. Hallo Dagmar,

      (ich duze hier sehr konsequent) dein Kommentar ist gut, aber auch erschreckend. Zur Aufklärung: “Depression” ist nur ein Name, der vielen bekannt ist und bei mir im Vordergrund steht. Eigentlich müsste ich hier über Dysthymie reden, aber wie viele Menschen kennen das schon? Dazu kommt, dass ich kein Freund mehr von reinen Diagnosen bin. Es gibt für mich nicht die “reine Depression”. Wenn doch, dann mag es eine leichte depressive Episode sein, die sich auch wunderbar behandeln lässt. Alles andere? Hat immer Nebenkriegsschauplätze. Auch bei mir. Auch über die rede ich immer mal wieder. Und ja, ich konnte einige Fragen mit Ja beantworten – ich werde sie nur nicht an dieser Stelle detailliert beantworten. Teile davon tauchen ja in meinen Artikeln auf. Die Zerstörung des Selbstbildes als Suizidversuch, das Leben mit Suizidgedanken usw.

      Ja, es gibt auch noch andere psychische Störungen, die mehr gesehen werden müssen. Darüber kann ich aber nicht intensiv schreiben und berichten, weil sie “nicht mein Thema” sind. Ich würde sogar das Wort Depressionen streichen, aber wer findet dann den Blog? Grundsätzlich schreibe ich hier über mich und den Umgang mit meinen Erlebnissen (emotionale Gewalt, Missachtung, depressive Episoden, Dysthymie, Essstörung, Suizidalität und vor allem mein Weg in den letzten Jahren).

      Am Ende: Wenn ich den Blick auf die Dinge verändere, lässt sich mit vielen Sachen anders leben und umgehen – auch mit anderen psychischen Störungen. Wenn ich eine reine Depression hätte, wäre ich sicher nicht 15 bis 20 Jahre in der Thematik gefangen und wäre schon “geheilt”. Da ich aber nie von Heilung rede, versuche ich einfach sinnvoll damit umzugehen. Nicht mehr, nicht weniger.

      Grüße!
      Markus

      1. Danke, lieber Markus,
        das war eine fundierte und darüber hinaus sehr ausführliche Antwort auf meine – stellenweise recht aggressiv klingende – Anfrage…
        Im Nachhinein schäme ich mich dafür, meine Mail in dieser Form überhaupt abgesandt zu haben!
        Nein, „Heilung“ kann es in bestimmten Fällen nun mal nicht geben und auch ich versuche jeden Tag aufs Neue, mich den Herausforderungen zu stellen, die ein „normaler“ Mensch wahrscheinlich mit links schafft…
        Diagnosen sind auch so eine Sache: Wie einfach wird man in eine „Schublade“ gesteckt? (Wobei ich andererseits schon „froh“ war, endlich mal die erste Diagnose zu erhalten, um mich nicht allein als „aus der Welt geworfen“ zu verstehen.)
        Versuchen, „sinnvoll“ damit umzugehen, tue auch ich – aber es ist verdammt schwer für eine bipolare Borderlinerin, Sozial-, sowie Agoraphobikerin, die unter generalisierten Angststörungen, zwanghafter und schizoider PS leidet und die hin und wieder von Panikattacken heimgesucht wird sowie unter Depersonilation bzw. Derealisation leidet…
        Ja, die Diagnosen: Grenzen sie einen denn nun regelrecht aus oder geben sie einem nicht vielmehr einen gewissen – wenn auch sehr kleinen – Platz in dieser Welt?
        Fragende Grüße,
        Dagmar

  14. Lieber Herr Bock,
    Respekt, was sie alles mit dieser Diagnose „gewuppt“ bekommen.
    Ich selbst bin 40J. und seit 15 Jahren bipolar.
    Mit der jetzigen (1J.) Depression geh ich im Februar das 3. Mal ins Krankenhaus. Das war noch nie so lange.
    Bin lediglich immer wieder stundenweise zur Arbeit gegangen, um Beschäftigung zu haben, aber ich wurde einfach nicht mehr „ich selbst“
    U.a. ist vielleicht 3mg zu viel Tavor? (seit 13 Monaten)
    Am Telefon sagte die Ärztin, dass je älter man wird, Medikamente anders /nicht mehr wirken.

    Gehe zum x. Mal nun ins gleiche Khs. Es ist sehr gut dort.
    Mit 35 half mir die gleiche Medikation noch.
    Keine Ahnung, sollen sie machen. Mein Elan ist seit 1 Jahr verschwunden…

    Herzliche Grüße

    1. Liebe Claudia,
      ich kann zu Medikationen gar nichts sagen – möchte ich auch nicht. Zum Rest: Mag sein, dass ich ne Menge gewuppt bekomme, aber nicht alle Tage sind gut. Durch manche Tage muss ich mich quälen, damit ich meine Tage schaffe. Manchmal geht auch gar nichts. Ich hab nur gelernt, mir das zuzugestehen. Es kommen ja auch andere Tage. Ich selbst habe auch “nen Haufen” Therapie durch, verteufele es nicht, weil es eben sein “muss”, wenn es hilft. Ich wünsche dir, deinen Weg zu finden. 🍀

      Grüße! Markus

      1. Lieben Dank für Deine Worte. Ja, da werd ich nochmal durchmüssen 😦
        Leider bist Du schon im März in Hamburg. Da wäre ich gern dabei gewesen, aber das Khs. ist zu weit draußen..

        Viel Erfolg & alles Gute

  15. Danke, du hast mir gerade mit diesem Text ein Lächeln auf die Lippen gezaubert. Ich musste oft schmunzeln, weil es so herrlich ehrlich war und ich ganz viele Bilder im Kopf hatte. Danke dafür.

  16. Hallöchen Herr Bock!

    Bin durch Zufall auf Deiner Seite gelandet..
    Erstmal ein Lob für Deine Offenheit und für Deine Ehrlichkeit.
    Klar finde ich mich auch in vielen Deiner Zeilen wieder…jedoch habe ich mittlerweile das Gefühl, das diese “Depression” bei mir keine wirkliche Krankheit ist, sondern schon fast zu meinem Charakter geworden ist oder schon immer war.
    Ich steh zwar nicht so auf Astrologie o.ä., aber mein Sternzeichen und die Eigenschaft dazu passen wirklich perfekt (Skorpion).
    Ich bin auch mit einer depressiven Mutter aufgewachsen, weshalb ich keine “normale” Kindheit haben konnte/durfte…
    Auch nach der Kindheit war es nie leicht in meinem Leben und da ist es wohl vorprogrammiert das der Körper und die Seele irgendwann aufgeben…kein Plan.
    Aktuell fühle ich mich auch wieder mega scheisse, was aber auch “normal” sein sollte…frisch getrennt, mit 3 Kids alleine und der Ex nervt immer noch.
    Keine Ahnung warum ich das hier erzähle :))
    Alles Liebe und Gute!

  17. Hallo Markus oder einfach Herr Bock :-),

    ich find Deine Seite einach Klasse!! Deine Schreibe gefällt mir sehr. Und Deine Offenheit. Und Dein Mut, Dich mit allem zu zeigen. Sehr bereichernd, an Deinem Leben, Deinen Empfindungen, Deinen Erfahrungen teilhaben zu können.
    Ja, wir sind nicht allein. Auch wenn etwas in uns uns genau das weiß machen will und wir uns so fühlen. Da tut es gut zu sehen, dass es Anderen sehr ähnlich geht… auf die ganz individuell eigene Weise.
    Ich finde mich trotz eigener und andersartiger Geschichte wieder in Deinen Texten. Mir gibt das Trost und auch ein Stück Halt und auch einen gewissen Halt.
    Wir schaffen das! Ich schaffe das! Du schaffst das!
    Wir haben bis hier her schon so Vieles überlebt, da kriegen wir den „Rest“ auch noch hin.
    Trotz all der erlebten Scheiße, die ich mir gerne anders und vor allem schöner gewünscht hätte, gibt es auch einen „übergeordneten“ Sinn selbst in solchen extrem herausfordernden Erfahrungen. So sehe ich es auch wenn mir manchmal dieser Zugang flöten geht.
    Ich denke, wir sind verdammt starke Persönlichkeiten, die schon so viel Unwegsamkeiten und Härten über-/erlebt haben, oder?

    Außerdem bin ich der Ansicht, dass die Diagnose Depression, genau wie viele andere im Grunde keine für sich stehende ist, sondern „nur“ ein Aspekt von etwas Größerem. Ich sehe es so, dass Entwicklungstrauma das eigentliche Syndrom ist. Das wird nur noch viel zu wenig gesehen, verstanden und anerkannt vor allem auch in den fachlichen Kreisen.
    Es gibt noch viel Aufklärung und Sensibilisierung zu leisten. Und WIR alle können dazu Wertvolles beitragen!

    Noch auf andere Weise machst Du mir ein bisschen Mut. Auch ich tausche mich gerne aus, liebe es zu sensibilisieren und tu das gern durch Schreiben, die auch ganz okay ist. Ich würde gerne auch einen Blog öffnen, doch traue ich mich irgendwie nicht: „Du bist nicht gut genug.“ – „Wen soll das denn interessieren?!“ usw. usw.
    Gleichzeitig geht es wahrscheinlich nur darum, es einfach zu tun. So wie Du. Wen es nicht interessiert, der zieht einfach weiter. Andere halten inne. Alles ist okay.
    Diese Blockade in mir, es zu lassen, ist echt krass. Tief eingeprägte Glaubenssätze. Wie so viele andere.
    Hattest Du jemals auch so eine Blockade am Anfang oder sogar imer noch mal wieder?
    Wie hast Du sie überwunden?

    Ich wünsche Dir weiterhin einen erkenntnisreichen und heilungsbringenden spannenden Weg!
    Und uns allen das Gleiche.

    Herzliche Grüße
    (hoffentlich bald) Schreibkollegin „Lena“

  18. So vieles was du über dich schreibst kann ich so oder zumindest ähnlich auch über mich sagen was mir erst bewusst wurde als ich es gelesen habe. Ich danke dir dafür. Ich kann dir dafür gar nicht genug danken.

  19. Hallo du,
    ich liebe Tee, trinke absolut keinen Kaffee, weil ich ihn nicht mag. Und ich habe jede Menge Bücherregale in meiner Mini Wohnung und ich rauche nicht,…fresse dafür aber unmengen an Süsigkeiten.
    Ansonsten kann ich deinen Text so übernehmen. Denke auch, wir würden uns verstehen und wunder mich wieviele das noch schreiben hier. Wo sei ihr alle in der realen Welt?
    Lasst uns gemeinssm zu Nova weinen,….ich bin platt, dass es tatsächlich Menschen gibt, denen es auch so geht. Klasse!!!!
    Ich bin auf deinen Block aufmerksam geworden, weil jemand deinen Muttertags Text bei Facebook gepostet hat.
    Den ich tatsächlich eins zu eins übernehmen mag. Du findest die Worte, die mir manchmal fehlen.
    Ich kann gut für andere sprechen, aber selten für mich.
    Danke für dein “ verbocken“ und das du darüber schreibst….ich bleibe am (Feder) Ball 😉

  20. Seit dem ich bei diesem Vortrag war und jeden Tag diesen Blog lesen kann geht es dahingehend besser das ich endlich weiß das ich nicht alleine bin .
    Dieser Abend hat mir sehr viel gegeben.
    Aber erstmal muss ich diese ganzen Eindrücke verarbeiten .
    Aber die Tipps die ich an diesem Abend bekommen habe werden wahrscheinlich einiges in meinem Leben auslösen .

    Ich hoffe sehr das ich nochmal zu einem Vortrag kann

  21. Dass Du noch nie auf einer Banane ausgerutscht bist, finde ich bedenklich!
    Dafür hab ich mich jetzt hier festgelesen. Mist!
    Schöner Blog!!! :-)
    Gruß, Tina

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