Mach es doch einfach nochmal.

Ich manchen Situationen meines Lebens bin ich ein Held. Ja, ich mag den Begriff eigentlich nicht. Doch, irgendwie bin ich ein Held. Für mich. Ich schaffe es perfekt, mich in eine Situation zu bringen, die mich entweder herausfordert, oder einfach alles abverlangt. Wir könnten jetzt darüber sprechen, dass mir das Universum solange die gleiche Aufgabe gibt, bis ich sie richtig lösen kann, verstehe oder damit umgehen lerne. Gestern hatte ich so eine Aufgabe. Natürlich habe ich mir die selbst eingebrockt. Was denn auch sonst? Gestern war ein Abend, der mich an das Barcamp Hannover 2016 erinnert hat. Gestern habe ich mich in eine Lage gebracht, die jede antrainierte Souveränität infrage gestellt hat.

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Bist du es, Angst?

Die Hände werden schlagartig kalt und feucht. Alles in meinem Körper ist angespannt. Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Die Hände? Fangen an zu zittern. Ich werde unruhig, ich möchte nur laufen. Weglaufen. Doch ich sitze hier. Gelähmt. Gefangen. Festgehalten. Übelkeit überkommt mich. Alles in mir will kotzen, aber nur der Würgreflex entsteht. 1 Mal, 2 Mal … 4 Mal. Ende. Glück gehabt, ich hasse kotzen. Mir ist flau, mir ist kalt, ich zittere. Ich bin im Raum, aber nicht anwesend. Ich sehe meinen Sohn spielen und lachen, aber ich bin nicht bei ihm. Er bindet mich ein, tobt, spielt, turnt. Ich bin dabei, aber nicht bei ihm, nicht in seinem Spiel. Gedanken überfallen mich. Ich muss raus aus der Situation. Rauchen. Rauchen ist meine Rettung, jetzt gerade weggehen zu können. Ich rauche. Zwei hintereinander. So funktioniert das mit der Sucht und dem Belohnungssystem im Kopf. “Komm, eine geht noch, ist nicht schlimm. Die Glimmstengel beruhigen dich ja.” Ich zünde mir keine dritte Kippe an, aber anwesend? Bin ich immer noch nicht. Seit Tagen.

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Wer bist du …

… wenn du in den Spiegel schaust? Kennst du dich? Weißt du wirklich, was dir gut tut? Und wieviel davon machst du, wenn du es überhaupt machst? Hast du dich in deine Rolle ergeben, oder versuchst du etwas daran zu arbeiten?

Nun. Der Spiegel und ich. Wir kennen uns. Manchmal nicht unbedingt sehr freundlich, aber wir kennen uns. Und immer wenn ich in diesen Spiegel schaue, erkenne ich mich. Rein äußerlich zumindest. Immerhin muss ich schon 35 Jahre mit mir leben, da sollte das ja funktionieren. Doch was ist mit dem Rest? Was ist mit den Gedanken? Sind das meine? Oder sind das Gedanken, die ich denken muss, weil ich mich jemand oder etwas als Auslöser dazu zwingt? Bin ich denn gezwungen, überhaupt zu denken? Ja. Ja, immer und immer wieder.

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Schöne neue Welt …

„Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.“ (Wilhelm Busch)

Wer das Radiointerview gehört hat oder mir bei Twitter folgt, wird es unlängst wissen. Dezember 2014, kurz vor Nikolaus. Ja, wir wollen Eltern werden, aber als der positive Schwangerschaftstest vor mir lag, konnte ich das noch gar nicht richtig glauben. Der zweite war es dann auch noch. Oha! Wir sind schwanger! JA! ENDLICH!

Und im gleichen Zug springen die Gedanken in die Freude und vermitteln mir das ungute Gefühl, dass es vielleicht doch nicht richtig war. Ja, sicher, der Wunsch war da – nachdem ich lange Zeit nie Kinder haben wollte. Aus Angst, dass ich nicht aus meiner Kindheit lerne und mich ebenso verhalte, wie es meine Eltern getan haben. Doch mit der richtigen Partnerin war der Wunsch da, einfach so. Jetzt. Jetzt, nach Jahren der Therapie, Selbstfindung, Schreiberei, Stress, Wut, Enttäuschung, Lügen, Mutlosigkeit, Gedankenspiralen und Selbstzerstörung bin ich bereit, selbst ein Kind zu haben. Ein Kind, dass ich liebe und dem ich alle Freiheit lassen möchte, um seine Welt und sein Leben zu entdecken. Und die Gedanken? Sind nicht nur Gedanken. Es ist Angst. Angst, meiner Partnerin nicht die Stütze zu sein, die sie braucht. Angst, dass sich die Vererbbarkeit der Depression bestätigt. Angst, dass ich meine Episoden nicht so in den Griff bekommen habe, wie ich es gerade glaube. Angst, dass ich meine Partnerin dann mit allem allein lasse. Angst, dass es so einfach nicht reichen kann für eine Familie.

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Steinschlag

Im Moment ist das Leben eher eine Fahrt auf Serpentinen mit erhöhter Steinschlaggefahr. Es regnet eigentlich ständig und oft genug rutschen Felsbrocken ab. Noch bin ich immer einen Schritt schneller. Aber was ist, wenn ich es mal nicht schaffe? Was passiert, wenn mir einer dieser Steinhaufen vor die Füße fällt und ich nicht weiterkomme? Wenn der Weg wieder mal versperrt ist? Ich weiß es nicht. Ich muss höllisch aufpassen, dass ich diesen Schritt schneller bin. Ich hab dafür gearbeitet, dass ich besser unterwegs bin. Ich möchte nicht wieder fallen. Ich habe Angst davor. Ja, Angst! Ich habe Angst, dass ich irgendwann wieder denke: “Du kannst doch eh nichts. Es geht nicht vorwärts. Du bist es nicht wert geliebt zu werden, du packst es ja nicht.” Ich habe Angst, dass die Negativspirale plötzlich mit geballter Ladung zuschlägt. Ich weiß, dass ich einfacher rein komme als raus.

“Achte auf dich. Nur auf dich. Überprüfe deine Gedanken!” Verdammte Scheiße! Was ein Psychogequatsche (was ich ja auch selbst lebe, weil es oft – sehr oft – hilft!)! “Mach dich nicht von Aussagen anderer abhängig.” ORRR! Ja, richtig! JAAAHAAA! Aber: In einer Partnerschaft ist das eben nicht so einfach. Tauchen Probleme auf, muss geredet werden – oder eben auch nicht, wenn die Frustrationsgrenze überschritten ist. Dann wird geschwiegen. Oder sinnlos geflucht. Gestritten. Lass das mal nicht an dich ran! Lass doch mal eben keine Schuldgefühle entstehen, wenn es dabei um dich geht – auch wenn du selbst nicht viel beschleunigen kannst. Ich bin selbst unzufrieden. Verdammt unzufrieden. All die äußeren Umstände, das eigene Gefühl, die Zukunftssorgen und Wünsche prasseln wie Steine auf mich ein. Noch habe ich nicht aufgegeben. Mich nicht. Meinen Weg nicht. Und auch nicht den Glauben – was ich aber nicht als positives Denken sehe. Ich bin im “Heute”. Mehr nicht.

… denn wenn ich das tue, dann fange ich von vorne an. Oder eben auch nicht.

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