Stolz und Vorurteil … [Gastbeitrag]

… ist nicht nur ein guter Roman, und ich steh auch auf den Film. Ich mag Keira Knightley in der Rolle der schönen und klugen Elizabeth, jedes Mädchen träumt am Ende von einem Mr. Darcy. Ich auch, aber darum geht es gar nicht. Es ist zwölf Uhr mittags und ich bin auf ein paar Dinge, die ich heute Vormittag geschafft habe, ziemlich stolz. Ich bin um halb zehn aufgestanden, bin geduscht und angezogen. Die Spülmaschine läuft und die Wäsche ist sortiert. Draußen war ich auch schon und bin 3.229 Schritte gegangen. Das sind jetzt schon 1.229 mehr als der amerikanische dicke Durchschnittsbürger an einem Tag läuft. Und der Tag ist noch lang. Wahnsinn. Ich habe meinen Urlaubsantrag, der hier schon seit über einer Woche liegt, ausgefüllt und ihn in einen Umschlag gesteckt. Habe einen Briefumschlag gefunden, eine Briefmarke drauf geklebt und den Brief eingeworfen. Ich war einkaufen, damit ich heute Abend was zu essen habe. Ich habe meinen Rechner seit Monaten mal wieder hochgefahren, um diesen Text zu schreiben. Für den einen oder anderen mag das klingen wie ein ganz normaler Vormittag von jemandem, der an diesem Montag zufällig nicht arbeiten muss und sich Dingen widmet, die man halt so macht, wenn man zu Hause ist. Zu Hause bin ich seit acht Monaten und es gab Phasen, da habe ich das Programm von heute Vormittag über Wochen nicht geregelt bekommen. Also bin ich stolz. Und depressiv. Aber immerhin seit heute formal gesund geschrieben.

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Dann kommt die Zeit…

… da muss ich mir ne Auszeit nehmen. Nein. Ich habe mich gezwungen, diese Auszeit nehmen zu müssen. Gezwungen, weil ich falsch gehandelt habe und nun die Verantwortung dafür tragen muss. Müssen? Ja! Es ging kein Weg drum herum. Und heute kann ich sagen: “Ja, es war genau richtig so. Es musste so kommen. Egal wie schwer der Anfang war.” Warum?

Tja, es ist eine Zeit geworden, in der ich mich mit mir auseinander musste, bewaffnet mit Zettel und Papier. Das Ziel? Alles aufzuschreiben, was mich bewegt, um den Grund zu finden, dass ich mich immer und immer wieder ins Aus geschossen habe. Warum ich “ich mich” schreibe? Weil ich es jetzt weiß. Ich habe einfach nicht die Verantwortung für mein Leben übernommen. Ich habe sie einfach abgelehnt und mich nicht kümmern wollen, “es hat ja immer funktioniert”. Mein Leben lang habe ich mich also in die Scheinwelten geflüchtet, damit ich die Verantwortung nicht tragen muss. “Es hat ja immer funktioniert.” Bis heute.

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