81 Artikel Schlagwort depression

Stolz und Vorurteil … [Gastbeitrag]

… ist nicht nur ein guter Roman, und ich steh auch auf den Film. Ich mag Keira Knightley in der Rolle der schönen und klugen Elizabeth, jedes Mädchen träumt am Ende von einem Mr. Darcy. Ich auch, aber darum geht es gar nicht. Es ist zwölf Uhr mittags und ich bin auf ein paar Dinge, die ich heute Vormittag geschafft habe, ziemlich stolz. Ich bin um halb zehn aufgestanden, bin geduscht und angezogen. Die Spülmaschine läuft und die Wäsche ist sortiert. Draußen war ich auch schon und bin 3.229 Schritte gegangen. Das sind jetzt schon 1.229 mehr als der amerikanische dicke Durchschnittsbürger an einem Tag läuft. Und der Tag ist noch lang. Wahnsinn. Ich habe meinen Urlaubsantrag, der hier schon seit über einer Woche liegt, ausgefüllt und ihn in einen Umschlag gesteckt. Habe einen Briefumschlag gefunden, eine Briefmarke drauf geklebt und den Brief eingeworfen. Ich war einkaufen, damit ich heute Abend was zu essen habe. Ich habe meinen Rechner seit Monaten mal wieder hochgefahren, um diesen Text zu schreiben. Für den einen oder anderen mag das klingen wie ein ganz normaler Vormittag von jemandem, der an diesem Montag zufällig nicht arbeiten muss und sich Dingen widmet, die man halt so macht, wenn man zu Hause ist. Zu Hause bin ich seit acht Monaten und es gab Phasen, da habe ich das Programm von heute Vormittag über Wochen nicht geregelt bekommen. Also bin ich stolz. Und depressiv. Aber immerhin seit heute formal gesund geschrieben.
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Sei doch einfach glücklich!

Einfach glücklich sein. Einfach so. Ich? Ja, das geht. Ich bin sehr schnell glücklich. Manchmal sogar auch zufrieden. Manchmal eben auch nicht. Meistens dann, wenn mir Menschen sagen wollen, wann ich glücklich zu sein habe. Oder zufrieden. Oder stolz. Oder alles zusammen. Eigentlich immer genau dann nicht, wenn Menschen mir sagen wollen, wie ich zu fühlen habe – positiv wie negativ.

Ist es nicht allein meine Entscheidung, wann ich ein Gefühl habe? Oder welches Gefühl ich habe? Muss ich denn immer irgendeinen Fokus ändern, damit es besser ist? Muss ich immer glücklich sein, weil mein Leben ein bestimmtes Kriterium für Glück erfüllt? Und warum muss ich immer glücklich sein, weil jemand anderes das möchte?
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Es ist zu Ende …

… dieses Jahr. 2017. Nur noch ein paar Stunden bis zum Jahreswechsel. Ist das wirklich so bedeutend? Was ist so toll daran? Nur, weil ich jetzt eine neue Jahreszahl schreiben muss? Was ändert sich denn, wenn wir vom 31.12. auf den 01.01. springen? Nichts. Doch. Vielleicht starten wir mit tollen, neuen Vorsätzen, die uns dann nach ein paar Monaten, Wochen oder schon Tagen enttäuschen, weil wir sie eh nicht einhalten können. Oder ist es so wundervoll, sich auf einer Silvesterparty so richtig einen zu löten und dann am Neujahrstag jammernd mit Kopfschmerzen im Bett zu liegen? Ich weiß es nicht. „Rutsch gut rein!“ Wohin? Warum? Ich rutsche nicht. Es friert vielleicht, aber ich sitze. Auf dem Sofa. Musik im Fernsehen. Oder spiele was. Es gibt Raclette. Hier rutscht nichts! Ich habe lange überlegt, ob ich einen Jahresrückblick schreibe. Ehrlich? Ich hatte sogar schon einen. Vor Wochen! Weil ich wusste, was mich im Dezember noch erwartet und alles andere schon durch war. Ich hatte! Warum hatte?
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Ab in die Werkstatt!

Das wäre was. Einfach los und in die Werkstatt gehen. Wie bei einem kränkelnden Auto. Ein paar Euro auf die Seite legen, damit die Reparatur bezahlt werden kann, los in die Schrauberbude, Problem schildern, Ersatzteile bestellen, austauschen und alles ist wieder gut. Für die nächsten dreißig- bis fünfizgtausend Kilometer. Blöderweise rechne ich mein Leben ja nicht mal in Kilometer. Obwohl? Wie viele Kilometer bin ich in meinem Leben wohl schon gegangen? Oder auf dem Rad gefahren? Wie viele Kilometer funktioniere ich wieder richtig, wenn ich vom Arzt das Antibiotika gegen die bakterielle Infektion bekommen habe? Immerhin kann die ja jeder sehen. Husten. Schleim. Abgeschlagen und müde. Das sieht jeder. Aber wenn der Kopf nicht richtig funktioniert? Wie lange funktioniere ich da, wenn ich zu einer Therapie gegangen bin? Sind Therapeuten nicht auch einfach Mechaniker meines Gehirns? Haben die alle unterschiedliche Werkzeuge und müssen einfach nur das passende finden, damit wieder alles rund läuft?
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Ich mach es, wie du es willst!

Irgendwo in mir ist seit Jahrzehnten ein kleiner Antreiber, der mir ins Ohr geflüstert hat: „Wenn du es den anderen Menschen Recht machst, dann mögen sie dich. Alle!“ Irgendwo steckt dieser Antreiber, der es auch heute noch schafft, mir diese Sätze einzutrichtern. Meistens sagt er es nicht mehr, er lässt mich einfach handeln. Wie von einer Maschine gesteuert ordne ich mich unter, stelle meine Meinung hinten an, akzeptiere die Vorgaben und „lasse es über mich ergehen“ – in der Hoffnung, doch irgendwas zurückzubekommen und gemocht zu werden. „Es ist nicht wichtig, wie du es haben willst. Spar dir deine Argumentationen, du wirst es doch eh so machen, wie du es nicht willst, damit Ruhe ist, damit die anderen glücklich sind und das an dich weitergeben.“ Nein, es geht nicht darum, beliebt zu sein. Nur gemocht. Oder geliebt – nicht beliebt. Geliebt sein. Geliebt im Sinne von Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Lob, Anerkennung, Stolz. All das, was ich mir wohl immer noch nicht in dem Maß geben kann, wie ich es eigentlich sollte – weil ich es nie gelernt habe.
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Die gutbürgerliche Fassade

Lange habe ich meine Auslöser gesucht. Lange war ich in einer Rolle verstrickt, aus der ich allein nicht rausgekommen bin. Lange spreche ich schon über die Auslöser und einen Teil meiner Erlebnisse. Ich bin und war mir vielen Dingen bewusst, die logischen Schlussfolgerungen für mein Verhalten und auch, dass ich nur allein etwas ändern kann. Und doch war auch immer das Gefühl da, noch nicht am Ende angekommen zu sein. Irgendwas war nicht rund. Irgendwas passte immer nicht so ganz. Ich habe nach wie vor Verhaltensweisen, die alles andere als gut für mich selbst sind. Ich war auch fest der Überzeugung, dass ich einfach noch lange genug daran üben muss, bis ich meinen Kopf auf ein neues Leben umprogrammiert habe. Dennoch: das Erkennen und Wissen von Auslösern, ist noch lange nicht das Verstehen. In den letzten Woche hat es in mir gearbeitet. Was genau und warum?
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Farben(un)vielfalt … 

Grau. Eine depressive Episode ist irgendwie immer grau. Oder schwarz. Oder eben etwas in Graustufen unterteilt. Vielleicht ist es sogar mal weiß, aber dann auch nur schwarzweiß. Bunt? Gibt es nicht. Bunt ist der Ausdruck von Freude und Lebenslust. Bunt ist alles – nur nicht die psychische Erkrankung. „Wenn es mir schlecht geht, sehe ich die Farben der Welt nicht mehr.“ Ich weiß nicht, ob das so überhaupt stimmt. Klar, ich spüre diese unbändige Lebensfreude an diesen Tagen nicht, ich habe kein Interesse an Kommunikation, ich habe keine Lust auf Bewegung, mich interessieren viele Dinge in der Zeit einfach nicht und ich fühle mich einfach müde. Aber nicht bunt? Welche Farbe hat das Leben denn nun?
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Lass bloß niemals los!

Loslassen. Die Königsdisziplin auf dem Weg zu mir selbst. Die größte Aufgabe, um nicht immer wieder in fatale Gedankenkreisläufe zu fallen. Die größte Hürde für die Gefühle. Loslassen von Situationen. Loslassen von erlernten Strukturen. Loslassen von Menschen. Loslassen von falschen Vorstellungen und Erwartungen. Loslassen von Glaubenssätzen. Vor allem aber loslassen von Dingen, die nie waren, die nie sein werden und die sich niemals so erfüllen, wie ich es mir erhoffen. Ich freue mich immer, wenn mir jemand mitteilen möchte, wie einfach dieses „Loslassen“ doch ist. Nein! Ist es nicht! Und ja, das kotzt mich selbst an. „Lass doch einfach mal los und denk da nicht immer dran! Du lebst im Hier und Jetzt, nicht in der Vergangenheit.“ Blah! Am Arsch! (Entschuldigung.)

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Warum eigentlich nicht?

Tage, die wieder mal so anstrengend wirken. Tage, die einiges an Kraft kosten. Tage, an denen ich nicht sehe, wer ich bin. Tage, an denen ich Konfrontationen ausgesetzt bin, die einiges in mir aufwühlen und ich eigentlich wehement gegen angehen möchte. Tage, an denen ich nicht mehr sehen kann, dass ich im „Hier und Jetzt“ bin. Tage, an denen ich alles hinterfrage, was ich gerne machen möchte, gemacht habe und vor allem erreicht habe. Stolz? Zufrieden und Glücklich? Darf ich nicht sein! Das sagt mir mein Kopf. Das sagt jeder einzelne Gedanke. Das, was ich jeden Tag – seit Jahren! – denken muss, weil ich daraus noch keinen Ausweg finde, ist die Wahrheit. Das ist meine Wahrheit. Wäre es anders, würde ich doch auch die guten Seiten sehen. Oder? Würde ich das wirklich? Warum sehe ich sie eigentlich oftmals nicht?
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Der Körper und das Ich?

Sollten wir nicht eigentlich eine Einheit sein? Mein Körper und ich? Immerhin steckt mein Kopf auf diesem Körper. Und ich werde beides nicht austauschen können. Zu keiner Zeit. Wie das wohl ist, sich in seinem Körper „wohl zu fühlen“? Die Frage stelle ich mir jetzt schon … ewig. Immerhin habe ich es geschafft, diesen Körper allen extremen auszusetzen, die mir zur Verfügung standen. Ich kann ja schon fast dankbar sein, dass er noch immer mit mir funktioniert. Besser gemacht hat es das trotzdem nicht. Zu keiner Zeit. Ja, ich habe eine Essstörung. Na und? Sie ist Teil der beschissenen Maschinerie meiner Gedankenwelt. Sie ist Teil meines Lebens. Noch.
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