Winterkind

Kalte, klare Luft umgibt mich. Die Sonne sucht sich ihren Weg über Bäume und Büsche. Der Frost hat sich nachts wie eine Decke über alles gelegt und funkelt jetzt. Die Gedanken? Gefangen. Wie unter dieser Decke. Festgefroren. Und sie tauen nur schwer auf. Der Blick starr nur auf mich, auf alle Verfehlungen meines Lebens. Auf die Wärme wartend, dass ich auch wieder die guten Dinge sehen kann. All das, was ich in 24 Monaten erreicht habe. Wieder die Liebe so spüren, wie sie mich täglich umgibt. Und wieder auf das schauen, was zählt – nicht auf den Schmerz und die Verletzungen vergangener Zeiten. Ich bin mehr, als die Vergangenheit. Ich bin mehr, als diese Gefühle. Wenn es taut, werde ich achtsamer sein. Aber jetzt? Friere ich, lasse mich gefangen halten. Und ich genieße noch einen Moment die Kälte. Nur einen Moment. Und es bleibt dieser Moment. Nachher oder morgen wird es tauen. Ich bin kein Kind des Winters mehr, ich lebe im Frühling. Meistens.

Väterchen Frost

Manchmal bin ich müde …

Manchmal bin ich einfach müde. Müde vom Alltag. Manchmal bin ich einfach kaputt. Kaputt vom Denken und arbeiten. Manchmal fühle ich mich schlapp. Schlapp von all dem „zu viel am Tag“. Manchmal bin ich wirklich müde. So müde, dass ich nicht aufstehen möchte. Und ich bin vielleicht auch so müde, dass ich mich nicht bewegen mag. Eigentlich kann ich es auch gar nicht. Doch ich muss. Aber ich bin müde. Müde von der Arbeit. Und müde von all dem drumherum. Ich bin so müde, dass ich nicht mal schreiben mag. Oder lesen, obwohl mich so vieles interessiert. Manchmal bin ich auch einfach frustriert. Frustriert, weil ich kaum Zeit für das habe, was mich interessiert. Und dann verliert es das Interesse. Mein Interesse – weil ich müde bin.

Manchmal bin ich einfach müde. Müde vom Alltag. Und ich möchte den Alltag ausschalten. Alles in mir schreit nach Stille und Langeweile. So langweilig, dass ich wirklich nichts tue und meine Müdigkeit genießen kann. Und dann bin ich plötzlich wach. So wach, dass ich mich erschrecke. Ich erschrecke mich, weil ich die Melancholie spüre, die mich wieder ereilen möchte. So schnell, dass ich aufpassen muss, nicht den Halt zu verlieren.

Nun bin ich also wach. Und eigentlich auch müde. Ich möchte etwas machen, aber ich fühle mich kaputt. Alles dreht sich dabei und ich verschwende Zeit. Zeit, die ich eigentlich nicht habe, denn ich möchte mich ja interessieren. Ich kann mich aber auch nur interessieren, wenn ich die Zeit nutze und nicht vergeude. Und so bin ich eben halt doch wieder müde.

Manchmal bin ich einfach müde. Von all dem Denken. Von all dem Gegensteuern. Von all dem „selbst überreden müssen“. Von all … nun, ich bin müde. Auch dazu. Und die Stille? Wird zu laut, wenn es langweilig und ruhig ist. Also stehe ich doch wieder auf, um nicht mehr müde zu sein.

Liebst du schon …

… oder suchst du immer noch nach der Nähe, die du als Kind nicht bekommen hast? Ist es in deiner Beziehung wirklich Liebe mit Freiheiten, oder die Suche nach der Erfüllung deiner Bedürfnisse, die du nie bekommen hast? Empfindest du dich als wertlos, wenn du nicht das bekommst, wonach du dich so sehr bei deinem Partner sehnst? Würdest du dich selbst dafür aufgeben, damit du es bekommst? Liebst du wirklich und aufrichtig, oder brauchst nur jemanden, der für dich da ist und dir das Gefühl gibt, was du unbedingt haben willst? Wie alt bist du, wenn du das so fühlst? Bist du jetzt du, oder das kleine Kind, dass emotional erpresst oder vernachlässigt wurde? Kannst du ehrlich antworten?

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Wer bist du …

… wenn du in den Spiegel schaust? Kennst du dich? Weißt du wirklich, was dir gut tut? Und wieviel davon machst du, wenn du es überhaupt machst? Hast du dich in deine Rolle ergeben, oder versuchst du etwas daran zu arbeiten?

Nun. Der Spiegel und ich. Wir kennen uns. Manchmal nicht unbedingt sehr freundlich, aber wir kennen uns. Und immer wenn ich in diesen Spiegel schaue, erkenne ich mich. Rein äußerlich zumindest. Immerhin muss ich schon 35 Jahre mit mir leben, da sollte das ja funktionieren. Doch was ist mit dem Rest? Was ist mit den Gedanken? Sind das meine? Oder sind das Gedanken, die ich denken muss, weil ich mich jemand oder etwas als Auslöser dazu zwingt? Bin ich denn gezwungen, überhaupt zu denken? Ja. Ja, immer und immer wieder.

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Lasst uns reden … // #bch16

Samstag, 5 Uhr 20 klingelt der Wecker penetrant. Wer steht eigentlich an einem Samstag so früh auf, wenn er nicht arbeiten muss? Ich. Es ist Barcamp in Hannover in der Buhmann Schule. Immer noch eine verrückte Idee, bei so einer Veranstaltung über „das Thema“ zu reden. Samstag also, mit keinem guten Gefühl. Ein Samstag mit all den wunderbaren Kritiken, die mein Kopf so vorbringen kann. „Du musst dich nicht schlecht fühlen, ich war bei meiner allerersten Session auch nervös.“ Ich bin nicht nervös! Ich bin nicht mal angespannt! Ich denke. Mein Kopf denkt für mich. Er denkt und sagt mir, wie beschissen alles ist. Naja, immerhin stellt er genau die Fragen, die ich nicht gebrauchen kann.
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Örks …

„Nächste Woche haltet ihr dann bitte ein Referat …“ Der Satz, der mich damals ins Verderben gebracht hat. Vor der Klasse stehen und irgendwas präsentieren, was ich erst ausarbeiten muss und dann auch noch vortragen? Oh Gott! Es gab nichts, wirklich gar nichts, schlimmeres, was mir irgend einer meiner Lehrer antun konnte. Das wurde in der Berufsschule zwar besser, aber nicht gut. Das wurde in der zweiten Berufsschule auch besser, aber nicht gut. Und es wurde nochmal etwas besser, aber wahrlich nicht gut. Und ich hatte immer noch keine Ambitionen, irgendwas zu präsentieren. Was hab ich mich damit schwer getan – wenn ich denn überhaupt da war. Vor Leuten stehen und frei sprechen. Nein! Niemals. Und …
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Leben – ein ganzes, volles Jahr …

… mit dir, neben dir, für dich – wir alle zusammen. Ich wünsche dir, dass du so neugierig bleibst, wie du es von jeher bist. Ich wünsche dir, dass du weiter die gesunde Portion Skepsis bei Menschen hast und sie im richtigen Moment in dein Herz lässt, wie schon immer. Ich wünsche dir weiter diesen Mut, die spielerische Unbedarftheit, deine Liebe, dein Talent für alles und deinen wahnsinnig frechen Humor.

Alles erdenklich Gute zu deinem ersten Geburtstag, mein Sohn!

Vor etwas mehr als einem Jahr, stand ich noch vor der Hürde, dass es eine „schöne neue Welt“ ist. Und dann? Warst du – nein! – wir „endlich im Leben„. Ein Jahr. Wo ist die Zeit geblieben? Ja, ich weiß, das sagen irgendwie alle. Ich wollte es nicht, aber es geht ja nicht anders. Ein ganzes Jahr mit dir und uns als Familie. Wir haben so viele neue Sachen gelernt, du hast unsere Nerven auf die Probe gestellt, es gab schlaflose Nächte (äh … ein oder zwei, vielleicht), anstrengende Tage – aber (!!!) jeder Tag mit dir ist ein besonderer Tag. Manche Erlebnisse verschwinden oft schnell aus den Gedanken, andere bleiben. Und die, die uns bleiben, sind die wichtigen Momente.

So viele Fragen, auf die wir am Anfang keine Antwort hatten. So viel Verantwortung auf einen Schlag. So viele Entscheidungen zu treffen. So viele Formalitäten zu erledigen. So viele Wege zu gehen. Doch abends, wenn du im Arm liegst und einschläfst. Oder dann, wenn du lächelst, quasselst, gackerst, läufst oder sonstwas machst … oder ich dich einfach nur beobachten kann, genau dann ist einfach alles in Ordnung.

Danke, dass du unser Leben so erheiterst und so wundervoll bist. Danke, dass du uns so viel gibst. Danke, dass du es uns so oft so einfach machst. Danke, dass du ein wundervoller Grund bist, auf mich zu achten.

Wir lieben dich – weil du du bist. Aufs nächste Jahr, mein Sohn!

Warum …

„Am Ende.“ Der Titel des letzten Blogeintrags von Johannes Korten. Johannes hat sich in der Nacht zum Montag das Leben genommen. Er hat den Freitod gewählt und sich bewusst dazu entschlossen, sein Leben aufzugeben. Johannes ist Vater. Und Mann. Er hat eine Familie. Er hat viele positive Dinge im Netz vorangebracht. Er hat den Gedanken gelebt, das Internet zu einem besseren Platz zu machen. Selbst in seinen letzten Zeilen weißt er darauf nochmal hin. Johannes ist – so zeigt sein „Abschiedsbrief“ – vom Seelenkrebs und der Depression zerfressen gewesen. Er war Denker. Nicht nur für sich. Und er hat klargemacht, dass es für ihn nichts mehr zu denken gibt. Das Denken hat ihn angestrengt. Und am Ende haben all die Gedanken gesiegt. Er lässt zu uns jetzt zurück – denkend. An ihn. An den Grund. An das Warum. Der Abschiedsbrief zeigt ihn mit der vollen Macht der Selbstkritik, der Unsicherheit und vor allem den Schauspieler, der sich nie offenbaren durfte.

Ich habe zwei Tjohannes-kortenage lang genauso wie @darksun666 verfolgt, wie die Menschen mit dem Suizid umgehen. Wie ekelhaft die Anfeindungen sein können und auch sind. Sie sind es! Mich erschreckt, mit welcher Antipathie die Menschen im Netz unterwegs sind. Ja, sicher, ein Suizid lässt sich vom Egoismus freisprechen. Ist es denn wirklich so selbstsüchtig, wenn jemand einfach nicht mehr weiter weiß? Wenn alles gedacht, zerdacht und somit kaputt ist? Ist es dann egoistisch, wenn man nicht mehr der ist, der man zu sein scheint? Wenn man keine Nähe mehr zu sich aufbauen kann und so auch den Halt zur Familie und den Mitmenschen verliert? Der Suizid ist die vermeintliche Erlösung in dem erdrückenden Chaos. Es ist ein kurzer Weg. Er ist weitaus kürzer als irgendwelche Therapien, Gespräche oder Tabletten. Es ist ein definitives Ende. Es erschreckt mich, wie jemand nach seiner Entscheidung noch so angefeindet werden kann.

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„Den Bock zum …

… Gärtner gemacht.“ Das ist nicht nur eine oft benutzte Redewendung, nein, es ist natürlich auch ein Wortspiel mit meinem Namen. Und vor allem ist es eine Schlagzeile, die vor 25 Jahren (Herrgott, ich bin echt schon alt!) den Kreisanzeiger meiner Heimatstadt geschmückt hat. Drapiert mit einem Foto. Mein Vater und ich. In unserem Kleingarten. Den Bock zum Gärtner machen. Ist sich eigentlich jemand über die wahre Bedeutung der Redewendung bewusst? Man überträgt jemandem eine Aufgabe, die er so nur falsch erfüllen kann. Rückblickend stellste einfach eine Ziege in deinen Garten, die den Rasen kurz hält, aber im Gegenzug auch deine Beete plattrampelt. Hoffen wir mal, dass ich nicht diese Ziege bin. Aber wieso Kleingarten?
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Und plötzlich wieder Kind …

Es ist Juni im Jahr 2016. Ich bin Vater von einem 10 Monate alten Sohn, bin seit 4 Jahren mit meiner „Frau“ zusammen, arbeite seit 1 1/2 Jahren wieder regelmäßig und habe seit fast 2 Jahren meine Depressionen und die Gedanken im Griff. Es ist immer noch Juni. Es ist der Juni, für den wir den ersten „Sommerurlaub“ geplant haben. Als Familie. Eine Woche Urlaub. Natürlich haben wir kurze Tripps gemacht. Ans Meer, in Städte, kurze Auszeiten eben. Diese Woche Urlaub ist dennoch besonders. Warum? Es ist endlich finanziell möglich. Ganz einfach. Wer nicht richtig arbeitet bzw. nicht arbeiten kann, weil es schlichtweg nicht möglich ist, der kann sich auch nicht viel erlauben. Punkt! Vorfreude ist da auch ein schönes Stichwort.
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