5 Dinge, die ich als depressiver Vater immer wieder tun muss

Nur ein einziges Mal in über 20 Monaten wurde mir gesagt, dass es unverantwortlich wäre, als depressiver Mensch ein Kind zu bekommen. Ich würde mich nicht ausreichend kümmern können, die Krankheit wäre vererbbar, über kurz oder lang müsste ich sowieso wieder in eine Therapie und meine Frau die ganze Last tragen. Kurz gesagt: hast oder hattest du eine psychische Erkrankung, darfst du kein Kind bekommen! Ich weiß, dass es viele Mütter und Väter gibt, die trotz der Erkrankung ein wundervolles Leben führen (können), und dadurch auch eine ganz andere Einstellung zum Leben gefunden haben. Auf der anderen Seite schwingt natürlich eine kleine Gefahr immer mit – es wäre aber vermessen zu sagen, dass psychische Krankheiten der Auslöser wären. Ich habe keine Zweifel mehr.

In fast jeder Lesung werde ich gefragt, ob mein Sohn mir eine Stütze ist. Ich werde auch gefragt, wie der Alltag an schweren Tagen trotzdem funktioniert. Und viel öfter werde ich gefragt, ob mein Sohn bzw. meine Familie mich vor einem Suizid bewahren würde.

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Alles im Griff? Oder noch Tunnel?

Fragen, die immer mal wieder auftauchen. Fragen, die mich beschäftigen. Habe ich nun alles im Griff? Nein. Ich versuche alles im Griff zu haben. Ich habe vieles im Griff. Doch am Ende haben mich auch die Gedanken noch immer im Griff. Wer spielt hier eigentlich mit wem? Und warum ist es so anstrengend, da endlich einen guten und richtigen Weg zu finden? Ich muss zugeben, dass es mich manchmal sehr ankotzt, mich dauernd damit auseinanderzusetzen. Nach fast 4 Jahren täglicher Arbeit an mir selbst, an meinen Denkmustern, an Auslösern, Akzeptanz, Veränderung, Therapie, Höhen und Tiefen, Strategieentwicklung, Aushalten und vielen Gesprächen, bin ich pappsatt. Der Kopf ist so vollgedröhnt mit Informationen, dass es reicht.
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Das Buch. Die Änderung. Der Bock.

Es gibt Umstände, die lassen dich – also mein – Handeln überdenken. Umstände, die dich nochmal aus der Bahn werfen. Umstände, die dir sogar ein Gefühl geben, dass du etwas tun oder zu Ende bringen musst, damit du deinen Frieden hast. Aber was genau? Der Reihe danach.

Das Buch. Sollte eigentlich Ende Januar auf dem Markt sein. Als Selbstverleger. Ohne Abhängigkeiten. Es ist auch fertig. Fast. Es war nur ein Klick, damit es losgeht. Fast. Es war alles bereit. Fast. Immerhin mache ich ja Vorlesungen und Vorträge. Immerhin. Das Buch? Ist fast fertig. Ich freue mich über jede – selbst organisierte und angefragte – Lesung. Sehr. Hildesheim, Hannover Leipzig, Hamburg. Bremen. Und jetzt Alfeld, Köln und. Und? Sarstedt. Da ist der Haken. Sarstedt! Heimatstadt. Der Ort, wo ich niemals – also wirklich NIEMALS – irgendwas machen wollte. Wollte, ja. Irgendwie kam das Gefühl in den letzten Wochen auf, dass ich es doch tun muss. Es muss einfach sein. Nicht Ende des Jahres, sondern so schnell wie möglich.
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Es gibt nur den einen Weg …

… um aus dem Gefängnis der verletzten Kindheit auszubrechen, und endlich frei zu sein. Frei von all den erlernten Mustern, die die Umstände hergestellt haben. Frei von all den negativen Gefühlen, die mich auch heute noch umgeben. Frei von den unausgesprochenen Erwartungen, die mich auch heute noch umgeben – ob das Telefon klingelt, oder eben auch nicht. Frei von der Wut der Vergangenheit. Frei von den selbstvernichtenden Gedanken und Ängsten.

Machen wir uns nichts vor, viele von uns haben Auslöser in der Kindheit, die ihnen Strategien mitgegeben, die sich heute Selbstzweifel, Selbstkritik, Bindungsängste, Narzissmus, soziale Phobie und anders nennen. Viele. Nicht alle. Bis ich erkannt habe, was genau das Problem meiner Gefühle ist, habe ich lange gebraucht. Doch eins ist klar: Wir sind die Kinder unserer Eltern und wir wünschen uns doch eigentlich nur diese Eltern, die uns so lieben, wie wir sind. So und nicht anders. Wir sind wie wir sind. Ich bin wie ich bin. Mit meinen Fehlern, Verhaltensweisen, Gedanken, Entscheidungen und vor allem auch guten Eigenschaften – die nur immer wieder in den Hintergrund rücken.
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5 Regeln für deine Selbstzweifel

Selbstzweifel. Diese kleinen Gedanken, die dir immer wieder sagen, wie unwichtig und klein du bist. Fragen, die du dir immer und immer wieder stellst, damit dein Kopf auch ja all das Negative  präsentiert – wie ein Kinofilm in Dauerschleife, nur eben in schlecht.

Deshalb heute 5 Dinge, die du mit diesen Gedanken tun musst, damit es nicht besser wird.

1. Glaub alles, was du denkst!
Alles, was dir dein Kopf sagt, ist die Wahrheit! Und nichts anderes als das. Lass niemals neue Zweifel zu. Moment, doch, natürlich kannst du neue Zweifel zulassen, aber nicht an den negativen Gedankenspiralen. Warum sollte auch etwas nicht stimmen, was dein Kopf dir erzählt? Schließlich denkst DU es ja, also muss es auch wahr sein.
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Liebe Menschen …

… die ihr mich in irgendeiner Form begleitet. In meinem realen Leben als Freunde, Familie, Partner, Kollegen, Bekannte, Unterstützer, Menschen mit verlorenem Kontakt oder intriganten Arschlöchern. In der Welt online, die ihr meine Beiträge verfolgt, liked, favt, teilt, erzählt oder mit dämlichen Kommentaren behaftet. In der Welt zwischen Realität und online, weil ihr meine Lesungen besucht, mir eine Plattform bietet, mir helft oder mir Absagen aus fadenscheinigen Gründen erteilt. Schön, dass ihr alle ein Teil des Ganzen seid – wie auch immer. Ihr dürft euch alle angesprochen fühlen, denn jeder von euch gibt einen Teil an mich weiter, mit dem ich arbeiten kann. An mir arbeiten. An dem, was ich hier tue. An dem, was daraus in Zukunft wird.

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Winterkind

Kalte, klare Luft umgibt mich. Die Sonne sucht sich ihren Weg über Bäume und Büsche. Der Frost hat sich nachts wie eine Decke über alles gelegt und funkelt jetzt. Die Gedanken? Gefangen. Wie unter dieser Decke. Festgefroren. Und sie tauen nur schwer auf. Der Blick starr nur auf mich, auf alle Verfehlungen meines Lebens. Auf die Wärme wartend, dass ich auch wieder die guten Dinge sehen kann. All das, was ich in 24 Monaten erreicht habe. Wieder die Liebe so spüren, wie sie mich täglich umgibt. Und wieder auf das schauen, was zählt – nicht auf den Schmerz und die Verletzungen vergangener Zeiten. Ich bin mehr, als die Vergangenheit. Ich bin mehr, als diese Gefühle. Wenn es taut, werde ich achtsamer sein. Aber jetzt? Friere ich, lasse mich gefangen halten. Und ich genieße noch einen Moment die Kälte. Nur einen Moment. Und es bleibt dieser Moment. Nachher oder morgen wird es tauen. Ich bin kein Kind des Winters mehr, ich lebe im Frühling. Meistens.

Väterchen Frost

Manchmal bin ich müde …

Manchmal bin ich einfach müde. Müde vom Alltag. Manchmal bin ich einfach kaputt. Kaputt vom Denken und arbeiten. Manchmal fühle ich mich schlapp. Schlapp von all dem „zu viel am Tag“. Manchmal bin ich wirklich müde. So müde, dass ich nicht aufstehen möchte. Und ich bin vielleicht auch so müde, dass ich mich nicht bewegen mag. Eigentlich kann ich es auch gar nicht. Doch ich muss. Aber ich bin müde. Müde von der Arbeit. Und müde von all dem drumherum. Ich bin so müde, dass ich nicht mal schreiben mag. Oder lesen, obwohl mich so vieles interessiert. Manchmal bin ich auch einfach frustriert. Frustriert, weil ich kaum Zeit für das habe, was mich interessiert. Und dann verliert es das Interesse. Mein Interesse – weil ich müde bin.

Manchmal bin ich einfach müde. Müde vom Alltag. Und ich möchte den Alltag ausschalten. Alles in mir schreit nach Stille und Langeweile. So langweilig, dass ich wirklich nichts tue und meine Müdigkeit genießen kann. Und dann bin ich plötzlich wach. So wach, dass ich mich erschrecke. Ich erschrecke mich, weil ich die Melancholie spüre, die mich wieder ereilen möchte. So schnell, dass ich aufpassen muss, nicht den Halt zu verlieren.

Nun bin ich also wach. Und eigentlich auch müde. Ich möchte etwas machen, aber ich fühle mich kaputt. Alles dreht sich dabei und ich verschwende Zeit. Zeit, die ich eigentlich nicht habe, denn ich möchte mich ja interessieren. Ich kann mich aber auch nur interessieren, wenn ich die Zeit nutze und nicht vergeude. Und so bin ich eben halt doch wieder müde.

Manchmal bin ich einfach müde. Von all dem Denken. Von all dem Gegensteuern. Von all dem „selbst überreden müssen“. Von all … nun, ich bin müde. Auch dazu. Und die Stille? Wird zu laut, wenn es langweilig und ruhig ist. Also stehe ich doch wieder auf, um nicht mehr müde zu sein.

Liebst du schon …

… oder suchst du immer noch nach der Nähe, die du als Kind nicht bekommen hast? Ist es in deiner Beziehung wirklich Liebe mit Freiheiten, oder die Suche nach der Erfüllung deiner Bedürfnisse, die du nie bekommen hast? Empfindest du dich als wertlos, wenn du nicht das bekommst, wonach du dich so sehr bei deinem Partner sehnst? Würdest du dich selbst dafür aufgeben, damit du es bekommst? Liebst du wirklich und aufrichtig, oder brauchst nur jemanden, der für dich da ist und dir das Gefühl gibt, was du unbedingt haben willst? Wie alt bist du, wenn du das so fühlst? Bist du jetzt du, oder das kleine Kind, dass emotional erpresst oder vernachlässigt wurde? Kannst du ehrlich antworten?

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Wer bist du …

… wenn du in den Spiegel schaust? Kennst du dich? Weißt du wirklich, was dir gut tut? Und wieviel davon machst du, wenn du es überhaupt machst? Hast du dich in deine Rolle ergeben, oder versuchst du etwas daran zu arbeiten?

Nun. Der Spiegel und ich. Wir kennen uns. Manchmal nicht unbedingt sehr freundlich, aber wir kennen uns. Und immer wenn ich in diesen Spiegel schaue, erkenne ich mich. Rein äußerlich zumindest. Immerhin muss ich schon 35 Jahre mit mir leben, da sollte das ja funktionieren. Doch was ist mit dem Rest? Was ist mit den Gedanken? Sind das meine? Oder sind das Gedanken, die ich denken muss, weil ich mich jemand oder etwas als Auslöser dazu zwingt? Bin ich denn gezwungen, überhaupt zu denken? Ja. Ja, immer und immer wieder.

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