Örks …

„Nächste Woche haltet ihr dann bitte ein Referat …“ Der Satz, der mich damals ins Verderben gebracht hat. Vor der Klasse stehen und irgendwas präsentieren, was ich erst ausarbeiten muss und dann auch noch vortragen? Oh Gott! Es gab nichts, wirklich gar nichts, schlimmeres, was mir irgend einer meiner Lehrer antun konnte. Das wurde in der Berufsschule zwar besser, aber nicht gut. Das wurde in der zweiten Berufsschule auch besser, aber nicht gut. Und es wurde nochmal etwas besser, aber wahrlich nicht gut. Und ich hatte immer noch keine Ambitionen, irgendwas zu präsentieren. Was hab ich mich damit schwer getan – wenn ich denn überhaupt da war. Vor Leuten stehen und frei sprechen. Nein! Niemals. Und …
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Leben – ein ganzes, volles Jahr …

… mit dir, neben dir, für dich – wir alle zusammen. Ich wünsche dir, dass du so neugierig bleibst, wie du es von jeher bist. Ich wünsche dir, dass du weiter die gesunde Portion Skepsis bei Menschen hast und sie im richtigen Moment in dein Herz lässt, wie schon immer. Ich wünsche dir weiter diesen Mut, die spielerische Unbedarftheit, deine Liebe, dein Talent für alles und deinen wahnsinnig frechen Humor.

Alles erdenklich Gute zu deinem ersten Geburtstag, mein Sohn!

Vor etwas mehr als einem Jahr, stand ich noch vor der Hürde, dass es eine „schöne neue Welt“ ist. Und dann? Warst du – nein! – wir „endlich im Leben„. Ein Jahr. Wo ist die Zeit geblieben? Ja, ich weiß, das sagen irgendwie alle. Ich wollte es nicht, aber es geht ja nicht anders. Ein ganzes Jahr mit dir und uns als Familie. Wir haben so viele neue Sachen gelernt, du hast unsere Nerven auf die Probe gestellt, es gab schlaflose Nächte (äh … ein oder zwei, vielleicht), anstrengende Tage – aber (!!!) jeder Tag mit dir ist ein besonderer Tag. Manche Erlebnisse verschwinden oft schnell aus den Gedanken, andere bleiben. Und die, die uns bleiben, sind die wichtigen Momente.

So viele Fragen, auf die wir am Anfang keine Antwort hatten. So viel Verantwortung auf einen Schlag. So viele Entscheidungen zu treffen. So viele Formalitäten zu erledigen. So viele Wege zu gehen. Doch abends, wenn du im Arm liegst und einschläfst. Oder dann, wenn du lächelst, quasselst, gackerst, läufst oder sonstwas machst … oder ich dich einfach nur beobachten kann, genau dann ist einfach alles in Ordnung.

Danke, dass du unser Leben so erheiterst und so wundervoll bist. Danke, dass du uns so viel gibst. Danke, dass du es uns so oft so einfach machst. Danke, dass du ein wundervoller Grund bist, auf mich zu achten.

Wir lieben dich – weil du du bist. Aufs nächste Jahr, mein Sohn!

Warum …

„Am Ende.“ Der Titel des letzten Blogeintrags von Johannes Korten. Johannes hat sich in der Nacht zum Montag das Leben genommen. Er hat den Freitod gewählt und sich bewusst dazu entschlossen, sein Leben aufzugeben. Johannes ist Vater. Und Mann. Er hat eine Familie. Er hat viele positive Dinge im Netz vorangebracht. Er hat den Gedanken gelebt, das Internet zu einem besseren Platz zu machen. Selbst in seinen letzten Zeilen weißt er darauf nochmal hin. Johannes ist – so zeigt sein „Abschiedsbrief“ – vom Seelenkrebs und der Depression zerfressen gewesen. Er war Denker. Nicht nur für sich. Und er hat klargemacht, dass es für ihn nichts mehr zu denken gibt. Das Denken hat ihn angestrengt. Und am Ende haben all die Gedanken gesiegt. Er lässt zu uns jetzt zurück – denkend. An ihn. An den Grund. An das Warum. Der Abschiedsbrief zeigt ihn mit der vollen Macht der Selbstkritik, der Unsicherheit und vor allem den Schauspieler, der sich nie offenbaren durfte.

Ich habe zwei Tjohannes-kortenage lang genauso wie @darksun666 verfolgt, wie die Menschen mit dem Suizid umgehen. Wie ekelhaft die Anfeindungen sein können und auch sind. Sie sind es! Mich erschreckt, mit welcher Antipathie die Menschen im Netz unterwegs sind. Ja, sicher, ein Suizid lässt sich vom Egoismus freisprechen. Ist es denn wirklich so selbstsüchtig, wenn jemand einfach nicht mehr weiter weiß? Wenn alles gedacht, zerdacht und somit kaputt ist? Ist es dann egoistisch, wenn man nicht mehr der ist, der man zu sein scheint? Wenn man keine Nähe mehr zu sich aufbauen kann und so auch den Halt zur Familie und den Mitmenschen verliert? Der Suizid ist die vermeintliche Erlösung in dem erdrückenden Chaos. Es ist ein kurzer Weg. Er ist weitaus kürzer als irgendwelche Therapien, Gespräche oder Tabletten. Es ist ein definitives Ende. Es erschreckt mich, wie jemand nach seiner Entscheidung noch so angefeindet werden kann.

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„Den Bock zum …

… Gärtner gemacht.“ Das ist nicht nur eine oft benutzte Redewendung, nein, es ist natürlich auch ein Wortspiel mit meinem Namen. Und vor allem ist es eine Schlagzeile, die vor 25 Jahren (Herrgott, ich bin echt schon alt!) den Kreisanzeiger meiner Heimatstadt geschmückt hat. Drapiert mit einem Foto. Mein Vater und ich. In unserem Kleingarten. Den Bock zum Gärtner machen. Ist sich eigentlich jemand über die wahre Bedeutung der Redewendung bewusst? Man überträgt jemandem eine Aufgabe, die er so nur falsch erfüllen kann. Rückblickend stellste einfach eine Ziege in deinen Garten, die den Rasen kurz hält, aber im Gegenzug auch deine Beete plattrampelt. Hoffen wir mal, dass ich nicht diese Ziege bin. Aber wieso Kleingarten?
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Und plötzlich wieder Kind …

Es ist Juni im Jahr 2016. Ich bin Vater von einem 10 Monate alten Sohn, bin seit 4 Jahren mit meiner „Frau“ zusammen, arbeite seit 1 1/2 Jahren wieder regelmäßig und habe seit fast 2 Jahren meine Depressionen und die Gedanken im Griff. Es ist immer noch Juni. Es ist der Juni, für den wir den ersten „Sommerurlaub“ geplant haben. Als Familie. Eine Woche Urlaub. Natürlich haben wir kurze Tripps gemacht. Ans Meer, in Städte, kurze Auszeiten eben. Diese Woche Urlaub ist dennoch besonders. Warum? Es ist endlich finanziell möglich. Ganz einfach. Wer nicht richtig arbeitet bzw. nicht arbeiten kann, weil es schlichtweg nicht möglich ist, der kann sich auch nicht viel erlauben. Punkt! Vorfreude ist da auch ein schönes Stichwort.
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Unbefristet.

Ein schönes Wort, oder? Un-be-fris-tet. Ein Wort, bei dem keine Steigerung möglich ist. Da ist etwas zeitlich nicht mehr begrenzt. Ja, natürlich kann ich den Einwand verstehen. Es KANN zeitlich nach hinten raus offen sein – es muss nicht. Nur weil etwas nicht befristet ist, muss das nicht so bleiben. Für alles wird es immer ein Ende geben.

Manchmal wünscht man sich ja eine Befristung. Für die Depression. Oder andere psychische Krankheiten. Oder anderen Krankheiten generell. Schön, wenn man frühzeitig weiß, dass es nur für einen bestimmten Zeitraum so ist.  Weiter →

Keine Zeit …

… oder: Mein Sohn zeigt mir Dinge, die ich als Erwachsener vergessen habe. Natürlich ist das alles ein abgelutschtes Thema. „Nimm ein Kind an die Hand und …“ Blah! Ich kann es nicht mehr hören. Und ich will diese Floskeln und Metaphern auch nicht mehr weitergeben. Eigentlich. Denn sie stimmen. Alle. Durch die Bank weg. Es ist nun über 7 Monate her, dass der kleine Mann das elektrische Licht (ja, tschuldigung, das Heinz-Erhardt-Ding musste sein – kommt nicht nochmal vor!) der Welt erblickte und seitdem alles mehr oder weniger auf den Kopf stellt. Warum eigentlich auf den Kopf stellt? Warum …
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Herr Bock fragt … Sandra Knümann!

Herr Bock fragt … betroffene Menschen, Buchautoren, Angehörige und heute auch endlich mal eine Therapeutin. Nicht meine Therapeutin, dazu wohnt sie leider zu weit weg, aber – wie ich finde – eine interessante Form der Therapie. Unkonventionell! Für mich als Menschen, der eh gerne drau0en unterwegs ist, würde sich das wohl lohnen, mal bei Sandra anzuklingeln. In der heutigen Zeit, wo Achtsamkeit und der Blick auf sich selbst eine immer größere Rolle spielt, ist die Natur der beste Partner. Selbst in meinen Therapien wurde mir für die Achtsamkeitsübungen immer in Spaziergang und das bewusste Wahrnehmen der Umwelt empfohlen. Aber ist das wirklich alles? Gibt es da noch mehr? Muss ich Bäume umarmen? Oder mit den Blumen sprechen?

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Stille …

… in mir. In meinem Kopf. In meinen Fingern. Überall. So still, dass ich hier seit Tagen immer wieder das Fenster aufmache, auf den weißen Monitor starre, der blinkende Cursor irgendwann verschwimmt und ich dann einfach wieder auf das X drücke, damit sich das Fenster schließt. Es ist sogar passiert, dass ich Beiträge angefangen habe, aber nach dem ersten Satz als nicht erwähnenswert abgetan habe. Ich habe mich erwischt, dass ich einfach etwas Informatives schreiben wollte, nur damit der Blog – mein Blog – Content bekommt und ich nicht in Vergessenheit gerate. Aber war es das, was ich wollte? Nein. War es nicht. Ich habe schlichtweg vergessen, worum es mir hier eigentlich ging. Um mich. Um meinen Kopf. Um meine Gedanken und meine Momente, wann ich etwas zu erzählen habe. Es sind nicht viel zur Zeit. Punktuell ja, aber es ist ein keinen großen Artikel wert …
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Weihnachtsgedanken? Nö. Liebe!

Eigentlich wollte ich aus verschiedenen Gründen auf einen Rückblick auf 2015 verzichten. Vor allem, weil mir mittlerweile die Zeit fehlt und ich es nicht immer schaffe, mir die Zeit zum Schreiben zu nehmen. Warum ich jetzt trotzdem schreibe? Ich muss mir nochmal bewusst machen, wie besonders dieses Jahr ist. „Müssen“? Ja. Klar. Wie schnell sind Momente vergessen und sind plötzlich „ganz normal“. Sicher, da sind Dinge ganz normal – aber nicht für mich. Nicht nach den letzten Jahren. Nicht nach all den selbstgemachten Stolpersteinen und „verbockten“ Chancen.
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