Ich mach es, wie du es willst!

Irgendwo in mir ist seit Jahrzehnten ein kleiner Antreiber, der mir ins Ohr geflüstert hat: „Wenn du es den anderen Menschen Recht machst, dann mögen sie dich. Alle!“ Irgendwo steckt dieser Antreiber, der es auch heute noch schafft, mir diese Sätze einzutrichtern. Meistens sagt er es nicht mehr, er lässt mich einfach handeln. Wie von einer Maschine gesteuert ordne ich mich unter, stelle meine Meinung hinten an, akzeptiere die Vorgaben und „lasse es über mich ergehen“ – in der Hoffnung, doch irgendwas zurückzubekommen und gemocht zu werden. „Es ist nicht wichtig, wie du es haben willst. Spar dir deine Argumentationen, du wirst es doch eh so machen, wie du es nicht willst, damit Ruhe ist, damit die anderen glücklich sind und das an dich weitergeben.“ Nein, es geht nicht darum, beliebt zu sein. Nur gemocht. Oder geliebt – nicht beliebt. Geliebt sein. Geliebt im Sinne von Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Lob, Anerkennung, Stolz. All das, was ich mir wohl immer noch nicht in dem Maß geben kann, wie ich es eigentlich sollte – weil ich es nie gelernt habe.
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Die gutbürgerliche Fassade

Lange habe ich meine Auslöser gesucht. Lange war ich in einer Rolle verstrickt, aus der ich allein nicht rausgekommen bin. Lange spreche ich schon über die Auslöser und einen Teil meiner Erlebnisse. Ich bin und war mir vielen Dingen bewusst, die logischen Schlussfolgerungen für mein Verhalten und auch, dass ich nur allein etwas ändern kann. Und doch war auch immer das Gefühl da, noch nicht am Ende angekommen zu sein. Irgendwas war nicht rund. Irgendwas passte immer nicht so ganz. Ich habe nach wie vor Verhaltensweisen, die alles andere als gut für mich selbst sind. Ich war auch fest der Überzeugung, dass ich einfach noch lange genug daran üben muss, bis ich meinen Kopf auf ein neues Leben umprogrammiert habe. Dennoch: das Erkennen und Wissen von Auslösern, ist noch lange nicht das Verstehen. In den letzten Woche hat es in mir gearbeitet. Was genau und warum?
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Herr Bock fragt … „Freud Mich“

Herr Bock fragt … einen interessanten Menschen. Lena von „Freud Mich„. Lena ist Psychotherapeutin in Praxis und Klinik. Lena – natürlich nehme ich den Namen jetzt das 3. Mal – ist mir immer wieder über den Weg gelaufen und hat mich beeindruckt. „Psychische Probleme gehören zum Menschsein – und deswegen darf man auch darüber reden“, sagt sie und schreibt einen interessanten Blog, nutzt sehr intensiv instagram und ist bei Facebook vertreten. Sie ist alles, nur erfüllt sie eben nicht das typische Klischee und die Vorstellung einer Therapeutin. Lena hat mich in den Bann gezogen, weil sie mit ihrem „öffentlichen Auftritt“ eben genau dieses Schubladendenken völlig aufhebt, einen neuen Einblick in die Welt psychischer Erkrankungen gibt und so einen großen Hauch „Normalität“ gibt. Therapeuten, die den Austausch zwischen Klient / Patient, Interessierten und Kollegen suchen, das fehlt leider oft noch. Ich durfte ihr ein paar Fragen stellen – vielleicht nicht die letzten – ich freu mich über all die Antworten und den Kontakt.
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Deine Macht. Meine Macht.

Da sitze ich also wieder mit meinen Zielen, Wünschen und Vorstellungen. Alle nicht mehr greifbar. Alle sind eher demotivierend, als das ich damit was anfangen kann. Jahrelang gehst du einen Weg, jahrelang programmierst du deine Denke um, jahrelang setzt du dich all dem Scheiß aus, suchst Veränderungen, schaffst neue Rahmen, bist auf deinem Weg. Und dann? Verlaufen! Mal wieder. Wie so oft. Wie mich das ankotzt. Ein Gedanke. Eine Aussage. Eine verfluchte Erwartung an mich, die wie ein Blitz einschlägt und mich vom richtigen Weg trennt. Alles für den Arsch. Da sitze ich also wieder vor dem Haufen Mist, muss erklären was mit mir los ist – oder ich verstecke mich im Alltagskram, setze das Sonntagslächeln auf und halte es aus. Aber? Ich bin auch unaufmerksam. Wie immer. Und nun?
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Farben(un)vielfalt … 

Grau. Eine depressive Episode ist irgendwie immer grau. Oder schwarz. Oder eben etwas in Graustufen unterteilt. Vielleicht ist es sogar mal weiß, aber dann auch nur schwarzweiß. Bunt? Gibt es nicht. Bunt ist der Ausdruck von Freude und Lebenslust. Bunt ist alles – nur nicht die psychische Erkrankung. „Wenn es mir schlecht geht, sehe ich die Farben der Welt nicht mehr.“ Ich weiß nicht, ob das so überhaupt stimmt. Klar, ich spüre diese unbändige Lebensfreude an diesen Tagen nicht, ich habe kein Interesse an Kommunikation, ich habe keine Lust auf Bewegung, mich interessieren viele Dinge in der Zeit einfach nicht und ich fühle mich einfach müde. Aber nicht bunt? Welche Farbe hat das Leben denn nun?
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Lass bloß niemals los!

Loslassen. Die Königsdisziplin auf dem Weg zu mir selbst. Die größte Aufgabe, um nicht immer wieder in fatale Gedankenkreisläufe zu fallen. Die größte Hürde für die Gefühle. Loslassen von Situationen. Loslassen von erlernten Strukturen. Loslassen von Menschen. Loslassen von falschen Vorstellungen und Erwartungen. Loslassen von Glaubenssätzen. Vor allem aber loslassen von Dingen, die nie waren, die nie sein werden und die sich niemals so erfüllen, wie ich es mir erhoffen. Ich freue mich immer, wenn mir jemand mitteilen möchte, wie einfach dieses „Loslassen“ doch ist. Nein! Ist es nicht! Und ja, das kotzt mich selbst an. „Lass doch einfach mal los und denk da nicht immer dran! Du lebst im Hier und Jetzt, nicht in der Vergangenheit.“ Blah! Am Arsch! (Entschuldigung.)

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Warum eigentlich nicht?

Tage, die wieder mal so anstrengend wirken. Tage, die einiges an Kraft kosten. Tage, an denen ich nicht sehe, wer ich bin. Tage, an denen ich Konfrontationen ausgesetzt bin, die einiges in mir aufwühlen und ich eigentlich wehement gegen angehen möchte. Tage, an denen ich nicht mehr sehen kann, dass ich im „Hier und Jetzt“ bin. Tage, an denen ich alles hinterfrage, was ich gerne machen möchte, gemacht habe und vor allem erreicht habe. Stolz? Zufrieden und Glücklich? Darf ich nicht sein! Das sagt mir mein Kopf. Das sagt jeder einzelne Gedanke. Das, was ich jeden Tag – seit Jahren! – denken muss, weil ich daraus noch keinen Ausweg finde, ist die Wahrheit. Das ist meine Wahrheit. Wäre es anders, würde ich doch auch die guten Seiten sehen. Oder? Würde ich das wirklich? Warum sehe ich sie eigentlich oftmals nicht?
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Der Körper und das Ich?

Sollten wir nicht eigentlich eine Einheit sein? Mein Körper und ich? Immerhin steckt mein Kopf auf diesem Körper. Und ich werde beides nicht austauschen können. Zu keiner Zeit. Wie das wohl ist, sich in seinem Körper „wohl zu fühlen“? Die Frage stelle ich mir jetzt schon … ewig. Immerhin habe ich es geschafft, diesen Körper allen extremen auszusetzen, die mir zur Verfügung standen. Ich kann ja schon fast dankbar sein, dass er noch immer mit mir funktioniert. Besser gemacht hat es das trotzdem nicht. Zu keiner Zeit. Ja, ich habe eine Essstörung. Na und? Sie ist Teil der beschissenen Maschinerie meiner Gedankenwelt. Sie ist Teil meines Lebens. Noch.
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Beziehungswaisen – alle allein!

„Ich werde niemals empfehlen, Tabletten oder Antidepressiva zu nehmen, aber einen Rat habe ich: Verlieben. Verlieben ist das beste Mittel gegen die grauen Tage. Das hat mir vor fünf Jahren super geholfen. Ganze zwei Wochen lang.“ Wer mich schon reden gehört hat, wird diese Aussage kennen. Verlieben ist etwas ganz besonders Schönes. Die Hormone drehen durch, ich fühle mich wahnsinnig gut, alles ist blendend toll und … tja, irgendwann ist auch das vorbei. Das Gefühl bleibt nicht. Es ist ein kurzes Aufflackern von dem, was sein könnte – wenn ich denn überhaupt in der Situation bin zu fühlen. Will ich fühlen? Kann ich fühlen? Ist es wieder nur die Suche nach etwas, was mir eine Frau nicht geben darf und kann? Was suche ich überhaupt? Und warum bin ich jetzt nicht mehr gut drauf? Wieso ist eigentlich doch jeder irgendwie für sich?
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Ausweglose Selbstzerstörung

Der Tod ist ein Ende. Ein Ende, das ich nicht mehr umkehren kann. Oft habe ich mir genau dieses Ende gewünscht. Oft habe ich daran gedacht, wie es sich wohl anfühlt, die ganze Schwere der Tage nicht mehr ertragen zu müssen. Gelegentlich hat mich der Schlaf gerettet, manchmal habe ich die ganze Nacht darüber sinniert, welches wohl der beste Weg ist. Die Gedanken an den Tod haben mich abgelenkt. Sie haben mir die Last genommen, ich hatte eine sinnvolle Aufgabe: Ich war mit der Planung beschäftigt. Gedanken sind Gedanken, aber sie waren nicht so schlimm wie die selbstzerstörenden, selbstkritischen, angstmachenden, erdrückenden und lähmenden Gedanken des Tages. Und heute? Habe ich Gedanken. Ich nutze sie. Für mich und andere, um darüber zu reden, die Scheu zu nehmen und ein bisschen Mut zu geben, damit der Tod nicht das Ende ist.

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