Der Lauf meines Lebens …

… hätte es werden können. Den (Ver)Lauf meines Lebens habe ich schon oft betrachtet. Ich hatte schon mehrere Läufe meines Lebens. Ich bin viel gelaufen. Weggelaufen. Hingelaufen. Und dann doch wieder weggelaufen. Bin freiwillig gelaufen, habe mich verlaufen und bin manchmal nicht angekommen. Ich habe am Ende beschlossen, dass Laufen “nicht mein Ding” wird. Laufen. Wollte ich nicht mehr. Deshalb habe ich aufgehört, beim Fußball in der Abwehr zu spielen und habe mich ins Tor gestellt. Warum mir niemand gesagt hat, dass die Sprints zu den 16er Linien noch anstrengender sind, weiß ich nicht. Die Lauftrainings zu schwänzen war die logische Konsequenz. Ich wollte nicht mehr laufen. Ich bin zu fett und unsportlich geworden zum Laufen. Eigentlich habe ich Fußball geliebt. Ich habe auch das Volksradfahren geliebt. 30 km am Stück durch die Weltgeschichte. Ich habe Rennradfahren geliebt – ich hatte nur nie wirklich eins. Ich habe immer die Tour de France geguckt. Ich habe auch alle anderen Radrennen geguckt, aber selbst fahren? War nur mit dem Rad möglich, was ich halt hatte. Als Kind konnte ich immerhin so tun, als wäre ich einer bei der Tour de France. Ich mochte auch Volksläufe. Natürlich mochte ich die. Ich bin zwar auch da nie so richtig gelaufen, sondern mehr schnell gegangen, aber hey, es gab einen Pokal. Oder eine Medaille. Ich war stolz darauf, am Ende noch was für mein Engagement zu bekommen. Aber Läufer? Wollte ich nicht sein .

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Herr Bock fragt … die Deichgräfin

Herr Bock fragt … wieder einen interessanten Menschen. Diesmal “Erna unplugged“, die zwar bei Twitter Deichgräfin heißt, aber seit zwei Jahren mit ihrer bayerischen Depression im Süden wohnt. Erna heißt nicht Erna, aber Kollegen nennen sie so. Sie lebt nicht nur mit der Depression, sie hat diverse Phobien und daraus resultierende Zwangsstörungen mit Verhaltenstherapie in den Griff bekommen. Twitter als Medium – einmal mehr. Sie schreibt mal mehr, mal weniger über das (Er)Leben und führt auch Gespräche mit ihrem “unangenehmen Besuch”. Auf einfühlsame und nicht aufdringliche Art, vermittelt sie, dass es nicht schlimm ist, mit einer psychischen Erkrankung zu leben und schafft mit den Selbstgesprächen etwas Distanz, um sie selbst zu bleiben. Ihren Blog nutzt sie nur, wenn sie das Gefühl hat, sie hätte was zu sagen. Wer sie liest, wird unweigerlich denken, dass sie noch viel mehr zu sagen hätte. Mit ihren Tweets sagt sie oft auch schon mehr, als ihr wahrscheinlich bewusst ist. Ich freu mich, dass sie mir ein paar Fragen beantwortet hat und nicht nur mit ihrem Besuch redet.

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Heldenwelten

Die Sonne scheint. Es wird langsam Frühling. Das Thermometer zeigt schon gelegentlich zweistellige Temperaturen an. Ich lieben den Frühling. Ich liebe es, wenn die Blumen langsam rauskommen und die Natur wieder Farbe annimmt. Ich mag es, wenn die Sonnenstrahlen meine Haut streicheln. Ich liebe es, wenn es draußen noch nicht all zu warm ist. Ich könnte jetzt rausgehen, diesen Tag genießen, spazieren, leben, entdecken. Das einzige, was ich gerade wirklich entdecke? Ist die depressive Episode, die mich schon länger wieder gefangen hält. Ich möchte nicht rausgehen. Es ist mir egal. Ich möchte viele andere Sachen auch nicht machen. Eigentlich kann ich es gerade auch schon wieder nicht. Es ist mir zu viel. Die ganzen Aufgaben im Alltag sind mir zu viel. Zeit habe ich dafür auch nicht. Wenn ich hier so ruhig, regungslos und scheinbar völlig entspannt in meinem Sessel sitze, sieht man mir die Rastlosigkeit und den Stress in meinem Kopf nicht an. Unaufhörlich platzen immer neue Gedanken in den Kopf, die durchdacht werden wollen. Sie wiederholen sich. Immerhin scheitere ich an meinen selbstgesteckten Zielen und Erwartungen. Immerhin klappt das.

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Sich verlassen, um zu leben …

… darum trennen sich Kinder von ihren Eltern. Oder Eltern von ihren Kindern. Egal, wie rum es am Ende gedreht wird, bei dem Ganzen ist im Vorfeld immer etwas passiert. Was genau? Darüber reden die wenigsten. Ich habe hier Teile meiner Lebensgeschichte offen gelegt, weil sie ein großer Faktor für mein Verhalten, die destruktiven Denkmuster, den depressiven Episoden und den Suizidgedanken ist. Ich habe immer versucht, den Kontakt abzubrechen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe, mich den emotionalen Erpressungen meiner Eltern hinzugeben. Geschafft habe ich es nur bedingt. Zu groß war mein Wunsch, doch wenigstens ein einziges Mal die Bestätigung zu bekommen, dass ich irgendwas gut gemacht habe. Habe ich nie – egal, was es war. Meine Mutter hat die Tür zugemacht. Aus gutem Grund. Sie hat sich ja auch allem widersetzt, was ich je von mir preisgegeben habe. In meinem Leben ging es nie um meine Bedürfnisse und Wünsche. Die waren nicht materiell. Das, was ich immer gebraucht habe, wurde mir verwehrt.

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Endlich wieder vereint …

Manchmal geht es schneller, als wir denken – auch wenn es sich ankündigt. Manchmal passieren alle Dinge so, wie sie passieren sollen und müssen. Manchmal gibt es dann keinen Umweg mehr. Manchmal ist dann ein Leben zu Ende. Ein ausgefülltes Leben mit 91 Jahren. Ein Leben mit den Erfahrungen aus dem Krieg, einer über 60jährigen Ehe, mit vielen Reisen rund um die Welt, mit Feiern und einer guten Hausgemeinschaft und das Erleben des Ur-Enkels. Es wurde Zeit für dich. Zeit zu gehen. Nicht alles ist so gelaufen, wie du es dir gewünscht hast. Wir haben es nicht geschafft, als Familie nochmal vernünftig zusammen zu sein. Das war und wird nicht möglich sein. Und doch durftest du noch schöne Momente erleben. Ich bin froh, dass du Weihnachten hier warst. Ich bin froh, dass ich dir nochmal zeigen konnte, wie wir leben. Ich bin glücklich, dass du so viel von deinem Ur-Enkel erleben durftest.

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Bist du es, Angst?

Die Hände werden schlagartig kalt und feucht. Alles in meinem Körper ist angespannt. Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Die Hände? Fangen an zu zittern. Ich werde unruhig, ich möchte nur laufen. Weglaufen. Doch ich sitze hier. Gelähmt. Gefangen. Festgehalten. Übelkeit überkommt mich. Alles in mir will kotzen, aber nur der Würgreflex entsteht. 1 Mal, 2 Mal … 4 Mal. Ende. Glück gehabt, ich hasse kotzen. Mir ist flau, mir ist kalt, ich zittere. Ich bin im Raum, aber nicht anwesend. Ich sehe meinen Sohn spielen und lachen, aber ich bin nicht bei ihm. Er bindet mich ein, tobt, spielt, turnt. Ich bin dabei, aber nicht bei ihm, nicht in seinem Spiel. Gedanken überfallen mich. Ich muss raus aus der Situation. Rauchen. Rauchen ist meine Rettung, jetzt gerade weggehen zu können. Ich rauche. Zwei hintereinander. So funktioniert das mit der Sucht und dem Belohnungssystem im Kopf. “Komm, eine geht noch, ist nicht schlimm. Die Glimmstengel beruhigen dich ja.” Ich zünde mir keine dritte Kippe an, aber anwesend? Bin ich immer noch nicht. Seit Tagen.

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Stolz und Vorurteil … [Gastbeitrag]

… ist nicht nur ein guter Roman, und ich steh auch auf den Film. Ich mag Keira Knightley in der Rolle der schönen und klugen Elizabeth, jedes Mädchen träumt am Ende von einem Mr. Darcy. Ich auch, aber darum geht es gar nicht. Es ist zwölf Uhr mittags und ich bin auf ein paar Dinge, die ich heute Vormittag geschafft habe, ziemlich stolz. Ich bin um halb zehn aufgestanden, bin geduscht und angezogen. Die Spülmaschine läuft und die Wäsche ist sortiert. Draußen war ich auch schon und bin 3.229 Schritte gegangen. Das sind jetzt schon 1.229 mehr als der amerikanische dicke Durchschnittsbürger an einem Tag läuft. Und der Tag ist noch lang. Wahnsinn. Ich habe meinen Urlaubsantrag, der hier schon seit über einer Woche liegt, ausgefüllt und ihn in einen Umschlag gesteckt. Habe einen Briefumschlag gefunden, eine Briefmarke drauf geklebt und den Brief eingeworfen. Ich war einkaufen, damit ich heute Abend was zu essen habe. Ich habe meinen Rechner seit Monaten mal wieder hochgefahren, um diesen Text zu schreiben. Für den einen oder anderen mag das klingen wie ein ganz normaler Vormittag von jemandem, der an diesem Montag zufällig nicht arbeiten muss und sich Dingen widmet, die man halt so macht, wenn man zu Hause ist. Zu Hause bin ich seit acht Monaten und es gab Phasen, da habe ich das Programm von heute Vormittag über Wochen nicht geregelt bekommen. Also bin ich stolz. Und depressiv. Aber immerhin seit heute formal gesund geschrieben.

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Sei doch einfach glücklich!

Einfach glücklich sein. Einfach so. Ich? Ja, das geht. Ich bin sehr schnell glücklich. Manchmal sogar auch zufrieden. Manchmal eben auch nicht. Meistens dann, wenn mir Menschen sagen wollen, wann ich glücklich zu sein habe. Oder zufrieden. Oder stolz. Oder alles zusammen. Eigentlich immer genau dann nicht, wenn Menschen mir sagen wollen, wie ich zu fühlen habe – positiv wie negativ.

Ist es nicht allein meine Entscheidung, wann ich ein Gefühl habe? Oder welches Gefühl ich habe? Muss ich denn immer irgendeinen Fokus ändern, damit es besser ist? Muss ich immer glücklich sein, weil mein Leben ein bestimmtes Kriterium für Glück erfüllt? Und warum muss ich immer glücklich sein, weil jemand anderes das möchte?

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Sport, du Drecksau!

Da ist sie wieder, diese Demotivation. Es macht keinen Sinn, dieses “Weitermachen”. Für diesen Moment. Warum mache ich das eigentlich? Ach ja, stimmt: “Sport hilft gegen Depressionen, bla bla. Du schaffst dir neue Strukturen, bla bla. Du kannst was für deinen Selbstwert machen, bla bla. Du findest einen ganz anderen Weg zu dir, bla bla. Und die sozialen Kontakte erst, bla bla.” Niemand sagt dir vorher, wie frustrierend es sein kann, wenn an manchen Tagen einfach mal nichts funktioniert. Nichts. Niemand sagt dir, wie schwer es ist, sich selbst immer wieder zu motivieren. Warum strenge ich mich eigentlich an? Warum gebe ich stelle ich mich schon wieder den zweifelnden Gedanken? Ich könnte es doch direkt lassen. Klappt doch eh nicht. Oder?

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“Papa, wann sind wir da?”

Eine kluge Frage. Eine nervige Frage. Eine Frage, die mir mein Sohn sicher auch irgendwann in einem anstrengendem Tempo um die Ohren hauen wird. Er ist zweieinhalb Jahre alt, ich habe also noch genug Zeit, mir passende Antworten zu überlegen. Immerhin stelle ich mir die Frage ja selbst noch oft genug: “Markus, wann bist du da?” Wo möchte ich denn überhaupt sein? Und welches ist der Weg? Hat “der Weg ist das Ziel” mittlerweile ausgedient? Warum sollte eigentlich “nur” der Weg das Ziel sein? Dann wäre ich doch schon lange angekommen. Ich hab mich ja auf den Weg gemacht! Ich bin noch auf dem Weg. Aber wohin? Sollte nicht das Ziel sein, mich zu finden? Gott sei Dank bieten Wege immer viele Möglichkeiten für Entscheidungen, neue Abzweigungen und Chancen, etwas Neues zu entdecken. Und vielleicht dabei ja auch sich. Ehrlich, stell dir mal vor, du gehst jahrelang einen Weg, versuchst alles in deiner Macht stehende und nichts funktioniert. Und dann? Genau dann, wenn du nicht damit rechnest, stehst du hinter einer Kurve und triffst dich. Das wäre was! Bis dahin ist aber noch immer die Frage: Wann bin ich endlich da?!

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