101 Artikel Artikel von Herr Bock

Hilfe zur Selbsthilfe … oder so.

„Und wie fanden die Neuen heute die Runde?“ So endete gestern die erste Selbsthilfegruppenrunde – ein zauberhaftes Wort – für mich. Es war gut. Ja, es war gut. Auch wenn ich mich jetzt nach der Auszeit stabil fühle, finde ich es keineswegs falsch, mich regelmäßig mit anderen auszutauschen. Selbsthilfegruppe. Hilfe zur Selbsthilfe. Das ist eine Hürde, ein verdammt große Hürde. Es ist anders, als in eine Klinik eingewiesen zu werden. Es ist anders, als zum Therapeuten zu gehen und ja, es ist auch anders, als die Stuhlkreis-Gruppentherapie während eines Klinikaufenthaltes. Der Weg zu einer Selbsthilfegruppe ist freiwillig, niemand zwingt mich daran teilzunehmen, niemand zwingt mich zum Reden, niemand stellt therapeutische Fragen, niemand wird hinterher was zu einer Diagnose in meine Krankenakte schreiben. Es ist mein – und nur mein Entschluss – mir selbst zu helfen, indem ich mich mit anderen über mein Befinden austausche. Ich will mich noch ein Stückchen besser kennenlernen.
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Was ist schon glücklich?

„Mich kotzen deine Launen und dein ständiges Unglücklichsein dermaßen an, ich halte das nicht mehr aus“ werden viele sagen, die länger mit „Depressionisten“ zu tun haben. „Ich kann halt nicht anders, es ist jetzt so“ wird dann wohl eine der häufigsten Antworten sein, oder?

Kann es denn nicht aber auch der Druck sein, ständig glücklich und fröhlich sein zu müssen, der immer weiter die Gefühlsachterbahn belastet? Herrgott nochmal, auch ich kann nicht täglich der glücklichste Mensch der Welt sein, nein! Ich darf gekränkt, traurig, wütend, enttäuscht, gelangweilt, müde oder nicht in Redelaune sein. Ja, darf ich und ich behalte mir mein Recht, diese Launen auszuleben. Es sind meine Launen, sie gehören mir, niemandem anders – solange ich sie nicht gegen jemanden verwende. Ich erlaube mir bewusst, diese Gefühle auszuleben, weil die Unterdrückung – und auch die nicht ausgesprochenen Wünsche – mich irgendwann auffressen. Sie setzen sich wie kleine schwarze Monster im Kopf fest, die beim kleinsten Ansatz direkt alle wieder losbrüllen. So kann ich mir auch mein Mitgefühl für andere Menschen bewahren und mich selbst davor, eins der glücklichsten Arschlöcher der Welt zu werden.
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Dann kommt die Zeit…

… da muss ich mir ne Auszeit nehmen. Nein. Ich habe mich gezwungen, diese Auszeit nehmen zu müssen. Gezwungen, weil ich falsch gehandelt habe und nun die Verantwortung dafür tragen muss. Müssen? Ja! Es ging kein Weg drum herum. Und heute kann ich sagen: „Ja, es war genau richtig so. Es musste so kommen. Egal wie schwer der Anfang war.“ Warum?

Tja, es ist eine Zeit geworden, in der ich mich mit mir auseinander musste, bewaffnet mit Zettel und Papier. Das Ziel? Alles aufzuschreiben, was mich bewegt, um den Grund zu finden, dass ich mich immer und immer wieder ins Aus geschossen habe. Warum ich „ich mich“ schreibe? Weil ich es jetzt weiß. Ich habe einfach nicht die Verantwortung für mein Leben übernommen. Ich habe sie einfach abgelehnt und mich nicht kümmern wollen, „es hat ja immer funktioniert“. Mein Leben lang habe ich mich also in die Scheinwelten geflüchtet, damit ich die Verantwortung nicht tragen muss. „Es hat ja immer funktioniert.“ Bis heute.
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Entscheidungen …

… bekommen erst dann eine nachhaltige Wirkung, wenn sie am Ende endgültig getroffen werden und unverrückbar bleiben. Ich hatte mich entschieden, meinen Eltern zu schreiben. Und ich hatte mich entschieden, mich danach von all den Gedanken zu verabschieden. Es trat eine Besserung ein, die sich aber als genau der Schein herausstellen sollte, der es letztendlich auch ist. Jetzt ist die Entscheidung unverrückbar da: Wir sind gegenseitig füreinander „gestorben“. Daran wird es von meiner Seite nichts mehr zu rütteln geben. Nicht heute, nicht in den nächsten Monaten und auch nicht in den nächsten Jahren. Leben wollte ich, lachen wollte ich und am Ende habe ich mich nicht mit dem Kontakt wohlgefühlt. Nicht ansatzweise. Warum? Weil ich immer geahnt habe, dass mir irgendwann wieder was vorgeworfen wird, ich mein Leben lang „das schwarze Schaf“ der Familie bleibe und mir deren Probleme so angelastet werden, dass es nur noch so aussehen kann, als wenn ich der treibende Punkt bin. Damit ist jetzt endgültig Schluss. Der einzig übrig gebliebene Teil ist meine Omma. Jetzt kann ich …
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Muss das denn sein?

Es ist ja irgendwie paradox und ernüchternd. Was? Tja, hier zu sitzen, die Finger über die Tastatur gleiten zu lassen und davon zu schreiben, dass ich nen Schritt zurück gegangen bin. Eigentlich ist es sogar noch mehr. „Stopp. Ich muss nochmal zum Anfang und gucken, ob ich mich wirklich verändert habe, ob es sich gebessert hat und ob ich da rauskomme.“ So, oder so ähnlich hat sich mein „Freund“ in der Schaltzentrale das wohl gedacht. Fakt ist: Es klingt zu weich. Viel zu weich. Ich bin zurück, habs getan und da sitz ich nun mit dem Scheiß. Ich grabe mich in Gedanken ein, ignoriere und belüge mich, lasse mich selbst im Stich und damit auch alles (und alle) um mich herum. Wieder dieses Labyrinth, aus dem ich so schwer rausgekommen bin (Warum verfluchte Scheiße, bin ich da überhaupt nochmal rein?), wieder den Ausgang suchen, wieder alles anwenden, wieder und wieder und wieder. Dass es zwischendurch mal schwierig wird, das war mir bewusst, aber das es mich in meiner Unaufmerksamkeit so erwischt? Blindlings rein? Herrgott nochmal, das ist verdammte Kacke! Ich habs kurzerhand verbockt.
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Und dann kommt die Frage …

… die mich wieder über Nacht beschäftigen wird. Welche? Ja, welche eigentlich? Als heute das Telefon geklingelt hat, im Display „Unbekannter Teilnehmer“ stand, war eigentlich klar, dass es nur meine Mutter oder Omma (ja, noch immer mit Doppel-M!) sein kann. Es war meine Mutter. Und sie hat wirklich gefragt, was wir am Ostersonntag machen. Ja gut, eigentlich total entspannt auf dem Sofa rumräkeln, nackt den Flur entlang hüpfen und abends im Speisesaal das 5-Gänge-Menü servieren lassen. Nein, im Ernst. Keiner von uns beiden hier hat sich bis dato Gedanken gemacht, wie die Ostertage ablaufen würden. Wir haben also nichts vor. Überlege ich mir noch schnell was? Sage ich direkt ab? Sage ich zu?
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Ich will …

Ich bin depressiv. Ich war depressiv – wie auch immer das jeder sehen möchte. Aber: Ich bin in einer glücklichen Beziehung. Aber eine Beziehung mit einem depressiven Menschen muss nicht immer glücklich sein. Wie oft erwischt du dich selbst dabei, dass du dich ungeliebt, unbeachtet, unbedeutsam, ignoriert, unverstanden oder allein fühlst? Oft? Ausschlaggebend dafür ist meiner Meinung nach, dass wir nicht bei uns selbst bleiben, nicht für uns selbst sorgen (können) und alle Hoffnung in die Aufmerksamkeit des Partners legen. Passiert das nicht, springt die Stimmung extrem um, wir suchen nach dem kleinsten Auslöser, alles wieder negativ zu empfinden. In „Lieben was ist …“ habe ich all das schon beschrieben. Aber mir sind heute Worte von Jorge Bucay über den Weg gelaufen …

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Grau in grau …

An Tagen wie heute – mit regnerischem Wetter – gehe ich durch die Straßen, der Wind weht mir rau ins Gesicht, die Häuser und Umwelt in tiefes Grau gehüllt. Es scheint, als wäre ich farbenblind. Plakate und Leuchtreklame in Grautönen erzählen mir was vom tollen Leben – Das gestellte Glück, gestellte Szenen, gestellte Schönheit, unwirkliche Wahrheiten, die mich noch weiter runterziehen. Die Umgebung wirkt fremd, ein lebensfeindliches Gebiet, das in tiefen Nebel gehaucht ist, der sich nicht mehr verzieht. Oft weiß ich noch nicht, wie ich dem Scheiß endgültig entfliehen kann, aber ich spür es tief in mir drin: Ich werde meinen Weg weiter suchen und finden! Auch wenn ich manchmal keinen Ausweg sehe, ich werde weitergehen, immer weiter und weiter.

Nebel …

Auf dem Weg zur Besserung gibt es immer wieder Tage, da legt sich die Laune wie ein grauer Nebel um mich, ergreift Besitz von mir, lässt die Sonne nur ein wenig durchstrahlen und die Gedanken kreisen in einem endlosen Strudel, rufen neue hervor, reden vieles im Tagesablauf schlecht und unterbrechen die guten Momente. Im Nebel ist die Sichtweite stark eingeschränkt, der „Werkzeugkasten“ nicht so greif- und sichtbar, Ängste und Sorgen verdecken jeden klaren Blick und halten mich gefangen. Tage, die auch wieder vergehen, aber die dennoch gelebt werden wollen. Tage, die für mich und das Umfeld nicht schön sind, aber genau diese Tage sollte ich akzeptieren, wie sie sind.
nebel
Sind sie nicht auch ein Stück Hilfe auf meinem Weg? Zeigen Sie mir nicht, dass ich nicht in Euphorie abheben darf, sondern dankbar für all die Hilfestellungen bleiben sollte? Zeigen sie nicht auch, dass die guten Tage so viele tolle Momente mit sich bringen, an die ich mich dann erinnern darf? Jeder hat im Leben mal schlechte Tage, das geht mir auch so – aber ich muss unterscheiden. Schlechte Tage fühlen sich anders an, als der Nebel, der mich jahrelang beherrscht hat. Wichtig ist: die Sonne scheint trotzdem, sie ist da, der Nebel ist morgen weg, sie wird wieder heller strahlen!

Der innere Schweinehund …

… kann ein ganz aufdringliches, ekeliges Arschloch sein. Gerade dann, wenn ich mich eh schon nicht besonders fühle, genau dann ist er besonders daran interessiert, mich noch von allen anderen Sachen abzuhalten. Was das mit Depressionen zu tun hat? Den Schweinehund kennt doch jeder? Richtig! Jeder kennt ihn, aber in depressiven Phasen schaffen es die meisten noch weniger, etwas für sich zu tun und den Körper wahrzunehmen. In der Tagesklinik hieß es „Bewegungstherapie“; Schwimmen, Pilates, ein wenig Laufen, Badminton, Volleyball. Sehr reduziert, aber immer so, dass wir in Bewegung sind. Nicht verkehrt. Auf der einen Seite ist es eine Achtsamkeitsübung, auf der anderen Seite lenkt es von Gedankenkarussellen ab. Ich konzentriere mich auf meine Bewegungen und die Empfindungen dabei. Und warum schreibe ich das nun alles?
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