Der zweite Teil: Herr Bock fragt … sein Umfeld, enge Vertraute, Freunde, Familie und Wegbegleiter. Wie haben mich meine Mitmenschen gesehen? Wie sehen sie mich heute? Die Fragerunde ist auch wieder eine typische Win-Win-Situation. Ich hab die Chance von diesen Menschen ein paar Antworten für mich zu bekommen und ihr könnt sehen, wie Menschen auf mich bzw. meine Krankheit reagieren, was es bei ihnen auslöst und was noch alles so sein kann. Sonst schildere ich – jetzt sind sie dran.

Heute K. … die einfach zu weit weg wohnt, zu ungern telefoniert, aber trotzdem mehr weiß, als mir manchmal lieb ist. Beste Freundin, Motivatorin, Kritikerin. Wie sieht sie mich?

Wir haben uns vor einer Ewigkeit kennengelernt. Du wohnst nicht „umme Ecke“, hast aber dennoch immer viel von mir mitbekommen. Hattest du bis zu meiner „Offenbarung“ jemals das Gefühl, dass mit mir was nicht in Ordnung ist?

Puh, ich weiß schon sehr lange von deinen Depressionen, dennoch habe ich in den ersten Jahren nicht daran gedacht, dass mit dir etwas nicht stimmen könnte, was mit Sicherheit auch daran liegt, dass ich zum damaligen Zeitpunkt auch noch sehr jung war.

Hattest du vor mir schon Kontakt zu Depressionen oder Menschen mit psychischen Problemen?

Zu depressiven Menschen nicht, jedoch sind in meiner Familie “Fälle“ von Angststörungen (Agoraphobie), also nicht gänzlich unbekannt.

Hat sich deine Einstellung zu mir geändert, seitdem du weißt, wo der Hase bei mir läuft?

Meine Einstellung hat sich zu dir nicht geändert. Ich bin etwas überlegter in meiner Wortwahl und ich versuche, wenn deine Laune mal wieder Richtung null geht, es mir nicht mehr so sehr zu Herzen zu nehmen. Vorher habe ich das immer nicht richtig einordnen können.

Ich gehe mit der Depression bzw. meinem Weg ja sehr offen um. Habe erst die engsten Freunde eingebunden und nun öffentlich. Wie stehst du dazu? Verfolgst du das Geschriebene?

Ich finde es fantastisch, dass du damit an die Öffentlichkeit gehst. Es gibt genügend Menschen, denen es so geht wie dir und finden so auch einen Weg sich nicht alleine zu fühlen. In unserer Gesellschaft ist es oftmals schwer über sogenannte Tabuthemen zu reden, das musste ich auch selber schon erfahren. Ich würde das Geschriebene gerne mehr verfolgen, aber ich schaffe es leider meist nicht in meinem Alltag.

Es gab ja Phasen, in denen ich nur noch suizidale Gedanken hatte. Wie bist du damit umgegangen? Hattest du jemals das Gefühl, dass ich wirklich bereit dazu wäre?

Puh, sehr schwer einzuschätzen. Ja, ich habe solche Momente mitbekommen und auch ein Mal kurz davor zu dir zu fahren. Ich hatte wirklich richtig Angst um dich, mir liefen auch die Tränen. Ich kann aber nicht sagen ob du dazu wirklich bereit wärst, ich denke das kann niemand einschätzen.

Warum hast du dich nie als Freundin von mir abgewendet, als du erfahren hast, dass ich mir meine Welt schönlügen musste, damit keiner an mich herankommt?

Tja, warum? Weil ich dich lieb habe, wir uns schon sehr lange kennen und ich weiß, dass du von Grund auf ein herzlicher Mensch bist und vor allem weil du damals, in einer sehr schweren Zeit, bedingungslos für mich da warst.

Könntest du mir positive und negative Eigenschaften von mir sagen?

Ja … :-P
Du bist sehr kreativ, ich liebe deine Art zu reden und du bist da, wenn man dich braucht. Negatives? Mhhh, schwer. Sicher die Lügen, diese haben aber ja einen tieferen Grund. Und eigentlich ist alles was mir einfällt mit deiner Depression verbunden. Da wir ja weiter auseinander wohnen als mir lieb ist, kann ich sonst nicht viel dazu sagen.

Eine Behauptung: „Depressionen, Burnout, Dysthymie sind einfach Modeerscheinungen in unserer schnelllebigen Welt, dem muss man nicht so viel Beachtung schenken.“ Richtig oder falsch?

Eine sehr interessante Frage, ich habe da eine zweischneidige Meinung zu. Auf der einen Seite gibt es die, die wirklich krank sind und Hilfe brauchen, aber auf der anderen Seite hat heute jeder zweite Burnout wegen seinem Job oder privaten Problemen. Fakt ist aber, es geht im Leben immer hoch und runter, das war schon immer so und wird auch so bleiben. Allerdings finde ich es grundlegend falsch, dem keine Beachtung zu schenken und alle Menschen in einen Topf zu werfen.

Abschließend: Im Januar jährt sich mein Therapieweg. Hast du in diesem Jahr Veränderungen bei mir wahrgenommen?

Erst in der letzten Zeit. Du packst es endlich an und ich hoffe, dass du daran ganz doll festhältst. Als du deine Therapie in der Tagesklinik gemacht hast, da hab ich gemerkt, dass etwas ins Rollen gekommen ist.