Lange habe ich diesen Tag herbeigesehnt. Es gibt doch nichts Schöneres für die Seele, als dem Alltag zu entfliehen und an die Orte zu reisen, die einem gut tun. Mein Kopf schreit dabei entweder nach Meer oder Berge. Da die Berge nicht so schnell zu erreichen sind, schreibe ich diesen Beitrag gerade in einem schnuckeligen Hotelzimmer am Jadebusen. Meer im Februar? Ja, Meer im Februar, denn Meer geht immer! Meer ist ja nicht nur schwimmen. Meer ist auch Wind, Weite, Stille, Freiheit. Meer ist die Entspannung beim Geräusch der Wellen. Meer ist halt mehr.

Die letzten Tage habe mich teilweise sehr gequält. Ich hab mich Gedanken hingegeben, die nicht hätten sein müssen. Ich habe mich über Dinge aufgeregt, wo es nicht angebracht war. Ich hab mich in einer Diskussion gehen lassen, bei der es hätte nicht sein müssen. Hätte. Könnte. Sollte. Muss. Da ist es wieder. „Ich hätte es besser machen können.“ Nein. Es ist so gelaufen, wie es ist. Völlig egal, ob es gut oder schlecht war. Es ist so. Und nun ist Urlaub. Ich möchte abschalten, den Kopf vom Wind freipusten lassen, fotografieren, erleben, lieben, wahrnehmen, frei sein.

Und dann fängt der Urlaub heute auch noch mit Regen an! Genau das, was ich nicht gebrauchen konnte. Regen, Regen, Regen. Dabei an den Strand? Na super. Aber es ist anders gekommen. Nach 2 1/2 Stunden im Auto, einem wundervollen Kaffeefleck im neuen Hemd und gelegentlichen Sonnenstrahlen durch das regnerische Wolkendickicht, überrascht uns die Sonne in Wilhelmshaven. Ich konnte nicht lange fackeln, ich wollte nur noch schnell die Sachen aus dem Auto ins Zimmer bringen und ans Wasser. Heute bin ich schließlich der Fahrer, ich kann Druck machen, ich wollte raus. Raus aus dem Alltag, dem Dorf, den Nachbarn, der Eintönigkeit. Ich bin jetzt das 3. Mal hier. Es ist keine Stadt zum Leben, da fehlt mir doch der Charme, aber es wird zu einem wundervollen Zufluchtsort.

KW 7 / Jadebusen

Ja, sicher war da noch ein kleines Versprechen: Das nächste Mal, wenn ich hier bin, werde ich ins Wasser gehen. Ihr könnt mir glauben, auch wenn die Sonne den Sand aufgeheizt haben mag und das Gehen locker möglich ist, das Wasser ist arschkalt. Richtig kalt. Und ich nehme für das Erlebnis gerne eine Erkältung in Kauf. Wir hatten Spaß! Sonne, Wind, Fotos, Muscheln, Wasser, Sand. Herrlich. Wie befreiend so ein Spaziergang sein kann. Hinterher noch kurz in die Stadt, ein wenig Bummelei, um am Ende beim Lieblingsbäcker Kaffee und Kakao zu genießen.

Südstrand Wilhelmshaven

Abgerundet wurde der Tag im griechischen Restaurant. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Tag, das Frühstücksbuffet, die geplanten Ausflüge, all die wundervollen Dinge, die ich sonst nicht vor der Haustür habe. Klar, wir sind länger als beim letzten Mal hier, aber es kommen auch immer mehr Ideen dazu. Wir tauchen immer mehr ein in die Umgebung, wollen sie noch weiter entdecken und sehen – aber es ist auch klar: Wir kommen wieder. Im Sommer. Irgendwann.

Nicht für jeden Menschen mit Depressionen ist ein Tapetenwechsel das Richtige, ich würde es auch nicht einfach so raten. Aber probiert es aus! Wenn ihr es schafft, macht einen Spaziergang. Geht einfach mal raus und versucht die Umwelt bewusst wahrzunehmen, die Füße beim Gehen, die Atmung, den Wind, die Sonne auf der Haut. Wenn ihr es schafft, macht den Spaziergang im Wald, am See oder einem anderen, besonderen Ort. Ich für mich integriere gerne diese kleinen Ausflüge am Tag in mein Leben, es sind die Phasen, wo der Kopf nicht mit dem Denken über den Alltag beschäftigt ist, sondern der Fokus eben auf meine Bewegung und die Umgebung fokussiert ist. Glaubt an euch, versucht ein kleines Stück Leben zuzulassen – soweit es geht, soweit ihr wollt, soweit ihr könnt.