„Mich kotzen deine Launen und dein ständiges Unglücklichsein dermaßen an, ich halte das nicht mehr aus“ werden viele sagen, die länger mit „Depressionisten“ zu tun haben. „Ich kann halt nicht anders, es ist jetzt so“ wird dann wohl eine der häufigsten Antworten sein, oder?

Kann es denn nicht aber auch der Druck sein, ständig glücklich und fröhlich sein zu müssen, der immer weiter die Gefühlsachterbahn belastet? Herrgott nochmal, auch ich kann nicht täglich der glücklichste Mensch der Welt sein, nein! Ich darf gekränkt, traurig, wütend, enttäuscht, gelangweilt, müde oder nicht in Redelaune sein. Ja, darf ich und ich behalte mir mein Recht, diese Launen auszuleben. Es sind meine Launen, sie gehören mir, niemandem anders – solange ich sie nicht gegen jemanden verwende. Ich erlaube mir bewusst, diese Gefühle auszuleben, weil die Unterdrückung – und auch die nicht ausgesprochenen Wünsche – mich irgendwann auffressen. Sie setzen sich wie kleine schwarze Monster im Kopf fest, die beim kleinsten Ansatz direkt alle wieder losbrüllen. So kann ich mir auch mein Mitgefühl für andere Menschen bewahren und mich selbst davor, eins der glücklichsten Arschlöcher der Welt zu werden.

Im Leben wird es immer gute und schlechte Tage geben. Leichte und belastende Situationen. Fröhlichkeit und Trauer. Wut und Verständnis. Und es wird die Menschen geben, die – wie ich auch mal – an kleinen Störungen zerbrechen. Eine gescheiterte Beziehung oder sie funktioniert nicht richtig, Freunde die sich nicht melden, Lebensplanungen brechen zusammen, Kündigung, Krankheiten, kaputtes Auto, zu Hohe Nachzahlung und so weiter und so weiter und so weiter. Aber warum zerbrechen? Warum belastet das so? Weil wir oftmals die falsche Frage an uns selbst stellen! „Warum ausgerechnet ich?“ „Warum muss ich darunter leiden?“ Nicht, dass es einfach nur die Frage gibt, nein, wir haben auch die passenden Antworten parat: „Irgendwas muss ich falsch gemacht haben.“ „Ich werde das schon irgendwie verdient haben.“ „Ich bin schuld, weil ich nicht positiv genug denke und handel.“ Allein dieses Denken gibt uns ein doppelt schweres Gefühl und drückt uns soweit nach hinten, dass es fast kein Entkommen gibt. Doch was wäre, wenn wir nicht schuld sind, sondern leiden, weil das Leben einfach das Leben ist und Leid dazugehört? Niemand leidet, weil er es verdient hat – zumindest nicht ohne Grund.

Aber warum schaffen wir es dann nicht einfach, die Gedanken in eine andere Richtung zu lenken? Warum können wir nicht den Fokus so stellen und sagen: „Ja, es ist ok wie es ist, ich kann es momentan nicht ändern, ich nehme das für mich an“? Weil wir ständig unsere Gedanken glauben – aber wir sind nicht unsere Gedanken! Angst vor dem Loslassen, was uns so vertraut erscheint. Gedanken sind nicht schlimm, sie dürfen kommen und gehen. Nur wir sollten nnicht permanent an ihnen festhalten. Wir können unsere Gedanken auch zwischendurch hinterfragen: „Ist das wahr, was ich denke?“ „Kann ich mit Bestimmtheit wissen, dass mein Gedanke wirklich wahr ist?“ Versucht es! Vielleicht könnt ihr euch selbst ein kleines Lächeln entlocken und merkt, dass alles gar nicht so dramatisch ist, wie unser Kopf uns das klarmachen will.

… und am Ende wird es Zeit, Erwartungen über Board zu werfen. Keiner von uns braucht Erwartungen. Du und ich, wir haben uns doch unser Leben so perfekt ausgemalt. Schule, Ausbildung, Studium, tolles Auto, Familie, alles zur richtigen Zeit und passend. Wir haben erwartet, dass der Plan, den wir uns fürs Leben machen aufgeht. Du erwartest vielleicht bestimmte Dinge im Haushalt, die aber nicht so erledigt werden, wie du dir das wünschst. Vielleicht hast du den Wunsch gar nicht ausgesprochen? Ich erwarte eine schnelle Rückmeldung oder Rückruf bei einer dringlichen Sache. Aber warum? Ich kann ja selbst das Heft nochmal in die Hand nehmen. Du hast erwartet, dass dein Partner dir permanent antwortet, wenn du ihm bei WhatsApp oder sontwo schreibst. Aber er macht es nicht. Vielleicht kann er gerade nicht und hat die Nachricht nur schnell gelesen? Erwartungen enttäuschen! Sie können uns unausgesprochen nur immer wieder enttäuschen. Und sie rufen wieder und wieder die negativen Gedanken auf. Es wird Zeit, den Erwartungen einen Arschtritt zu verpassen und leichter und freier zu leben, das Leben so anzunehmen wie es ist. Ändern können du und ich viele Dinge einfach eben nicht.

… aber wir dürfen Wünsche äußern. Und ich wünsche mir, dass jeder einen kleinen Schritt gehen kann, ein Lächeln im Gesicht hat und sagt: „Ja, es geht mir gut.“ Kein „eigentlich“ oder ähnliches. Lösen wir uns mal für nen Moment aus der Abhängigkeit, dann darf es uns auch gut gehen.

Und was ist nun schon glücklich? Glück ist das, was ich von meinem Leben erwarte und mein Leben enttäuscht mich nicht, es gibt so viele kleine Glücksmomente, die es zu leben lohnt!