Manchmal ist nicht nur morgens das Aufstehen schwer, ab und an ist es das sogar tagsüber. Oder abends. Oder irgendwann zwischendurch. Und manchmal reicht auch ein kleiner Auslöser, um mir den Boden wegzuziehen und mich umzuwerfen. Normalerweise stehe ich auf. Morgens stehe ich eigentlich immer auf – nicht immer in der Zeit, aber ich stehe auf. Und dann gehe ich los. Wie immer. Aber was ist, wenn Müdigkeit gar nicht der Auslöser dafür ist, dass ich nicht aufstehen kann? Ja, aufstehen können! Ich schaffe es nicht. Mir fehlt zwischendurch einfach die Kraft, aufrecht und stolz in die Welt zu gehen. Denn plötzlich sind da wieder so viele Baustellen und Menschen, dass ich mich frage, welchen Sinn einige Sachen machen. Ich hinterfrage also wieder und wieder, ob ich das Richtige tue. Ich könnte das kontruktiv hinterfragen, weil man das ja so macht, wenn man Ziele und Wünsche hat, aber an Tagen wie heute mache ich das destruktiv. Ich zerstöre im Kopf all die guten Ideen und umgesetzten Wege. Immer wieder.

Jetzt lieg ich hier also. Auf dem Boden der Tatsachen mit all meinen Baustellen. Mit wirklich allen. Es wäre wirklich einfach, wenn ich eine nach der anderen kaputtdenke. Wirklich. Mach ich aber nicht. Sie sind alle da. Alle zusammen. Einer lauter als der andere, weil jeder Gedanke gehört werden will. In meinem Kopf ist es nicht leise. Nicht mehr. Alle schreien durcheinander und wollen irgendwas, verhalten sich komisch oder fordern. Alle! Alles in mir schreit nach Stille. Ich möchte jetzt einfach nur mal ein paar Stunden meine Ruhe. Ein paar Stunden nur, bitte. BITTE! Es geht nicht. Die Gedanken schreien bei der Arbeit, zu Hause, bei den Projekten, in ruhigen Phasen des Tages – einfach immer. Das ringt mich zu Boden. Und dann lieg ich da, kann fast nicht aufstehen, krieche durch die Tage, werde den Ballast nicht los und kann kaum durchatmen.

Warum ich mir keine Auszeit nehme? Warum ich nicht einfach mal ruhig bin? Weil ich Vater bin. Vater auch so, dass ich mich auf und über alles von meinem Sohn freue. Ich freu mich auf Gezicke und Gemecker. Ich habe aber nicht erwartet, dass ich mit einer „Mama-Phase“ nicht umgehen kann. Ich war vorbereitet. Ich weiß, dass sie kommt. Und doch haut mir diese Phase heute mitten ins Gesicht. Genau dann, als ich aufstehen wollte. Ich habe nicht erwartet, dass ich abgewiesen werde, wenn ich mal am Wochenende über Nacht unterwegs bin. Ich habe mich gefreut und wurde bei der Begrüßung zurückgewiesen. Ja, ich weiß, das ist nicht schlimm. „Da musst du jetzt einfach mal durch, dass haben alle erlebt.“ Herrgott ja. Aber weil ALLE das erlebt haben, muss ich das ja nicht einfach wegstecken, oder? Darf ich meine eigenen Gefühle dazu haben? Ja, Erwartungen sind beschissen. Ja, ich hatte Vorfreude auf dem Weg nach Hause. Und nun liege ich hier am Boden. Immer noch. Noch erdrückter.

An Tagen wie heute lasse ich alle spüren, dass es mir nicht gut geht. Alles und jeden. Immer wieder. Das ist nicht fair. Und schon gar nicht richtig. Ich kann gerade nur nicht anders, ich kann es nicht verstecken, ich kann nicht lachen, ich kann nicht reden, ich finde keine Worte – denn alles in meinem Kopf schreit. Und ja, herrgott nochmal, ich weiß, dass mein Sohn dann nicht den Kontakt bei mir sucht. Und ich weiß auch viel zu gut, dass mich das noch mehr runterdrückt. Eigentlich habe ich Tränen in den Augen. Ich zeige sie nur nicht. Ich spüre Wut und Enttäuschung. Ich bin frustriert, dass ich diese Situation nicht verändern kann. Ich bin also da, aber irgendwie auch nicht. Es gibt keinen Platz in meinem Kopf für Gespräche und Information. Ich bin permanent mit Selbstvorwürfen, Enttäuschung über mich, Traurigkeit, Kritik und Angst beschäftigt. Ich kann nicht aufstehen. Ich liege hier. Hilflos. Ich komme nicht weiter.

Das ist heute. Das wird nicht morgen sein. Oder übermorgen. Ich werde wieder aufstehen, Stück für Stück. Denn es liegt an mir, ob ich mich jetzt allem komplett hingebe oder doch nochmal ein paar Schritte gehen kann, und die Leichtigkeit spüre, die mich normalerweise umgibt. Die, die ich mir selbst (und mit Hilfe) geschaffen habe. Das Leben, auf das ich so stolz bin. Die Liebe zu meinem Sohn, die er braucht. Die Offenheit, die er haben muss. Die Freude, die er spüren soll. Denn ich freue mich – auch wenn ich nicht aufstehen kann und weine.

Falls ich es nicht schaffe aufzustehen, leg dich zu mir. Nur einen Moment. Betrachte die Welt aus meinem Winkel. Lass mich dir davon erzählen. Vielleicht können wir zusammen aufstehen. Vielleicht brauche ich dich kurz hier unten, damit ich den Blick nach oben nicht verlieren. Lass uns nur einen Moment nicht albern, spielen oder toben. Leg dich kurz dazu und sei einfach da.