… dieses Jahr. 2017. Nur noch ein paar Stunden bis zum Jahreswechsel. Ist das wirklich so bedeutend? Was ist so toll daran? Nur, weil ich jetzt eine neue Jahreszahl schreiben muss? Was ändert sich denn, wenn wir vom 31.12. auf den 01.01. springen? Nichts. Doch. Vielleicht starten wir mit tollen, neuen Vorsätzen, die uns dann nach ein paar Monaten, Wochen oder schon Tagen enttäuschen, weil wir sie eh nicht einhalten können. Oder ist es so wundervoll, sich auf einer Silvesterparty so richtig einen zu löten und dann am Neujahrstag jammernd mit Kopfschmerzen im Bett zu liegen? Ich weiß es nicht. „Rutsch gut rein!“ Wohin? Warum? Ich rutsche nicht. Es friert vielleicht, aber ich sitze. Auf dem Sofa. Musik im Fernsehen. Oder spiele was. Es gibt Raclette. Hier rutscht nichts! Ich habe lange überlegt, ob ich einen Jahresrückblick schreibe. Ehrlich? Ich hatte sogar schon einen. Vor Wochen! Weil ich wusste, was mich im Dezember noch erwartet und alles andere schon durch war. Ich hatte! Warum hatte?

Weil ich ihn gelöscht habe. Jedes Wort. Jeden Satz. Jede Zahl. Jede Danksagung. Jede Erwähnung toller Ereignisse. Alles! Es hat sich einfach nicht mehr gut angefühlt. Ich sitze hier, und seit Tagen ist der Kopf wieder zu. Ich sehe zwar, dass sich was getan hat, aber ich fühle es nicht mehr. Es fühlt sich nicht mehr gut an. Alles. All das, was passiert ist. Ein beschissener Auslöser, und es reißt dich direkt ins Verderben. Und da bin ich jetzt drin. Ich habe nicht aufgepasst. Ich wollte auch nicht mehr für mich sorgen, weil es nicht immer nur um mich geht. Ich habe sowas von die Schnauze voll, mich von irgendwelchen Aussagen, Verhaltensweisen oder sonstwas bestimmen zu lassen. ICH WILL DIESEN DRECK NICHT MEHR! Ich möchte einfach nur leben. Nicht mehr. Das ist alles. Es sind ein paar Tage. Ich fange mich wieder. Morgen. Oder übermorgen. Vielleicht auch erst Ende der Woche. Aber ich fange mich wieder. Auch jetzt, weil ich doch nochmal zurückblicken möchte.

Danke!

Ich weiß nicht, wie ich hier alle zusammenfassen soll. Ehrlich nicht. Ich bin in diesem Jahr so vielen tollen Menschen begegnet. Einige haben Türen aufgemacht, andere wieder zu. Ich habe interessante Gespräche geführt, unerwartete Nachrichten bekommen und verdammt viel gelernt. Es ist sehr viel passiert. Und ich bin immer noch geneigt zu sagen: „Was mach ich denn schon groß?“

Danke! An euch. Für dieses tolle Jahr. Für 42 Leseabende und Vorträge mit über 2500 Menschen. Danke, dass ich diese Abende machen durfte. Danke, dass ihr da wart, kommentiert, liked, weiterverteilt, kritisch fragt, interessiert nachhakt oder irgendwas anderes macht. Für mich ist dieser Weg keine Selbstverständlichkeit. Dank euren Fragen konnte ich eine Menge für mich mitnehmen. Jeder Abend (oder Nachmittag) war für sich ganz besonders und anders. Keine „Veranstaltung“ war gleich. Ich bin noch immer faszinierend und frage mich, warum ihr ein zweites oder drittes Mal kommt. Ich habe niemals gedacht, dass es so eine fantastische Reise wird. Und wenn ich jetzt in den Terminkalender für 2018 gucke, dann geht diese Reise weiter.

Ich gucke zurück auf meinen ersten Award. Bei der Blogfamilia. Ich gucke zurück auf die Auszeichnung von mytherapy, einer der besten Blogs über Depressionen zu sein. Und ich gucke zurück auf den „Niedersachsenpreis für Bürgerengagement“. Ich gucke zurück auf einen gegründeten Verein, der sich langsam aber stetig zu einer festen Größe entwickelt – ohne Startkapital aus Förderungen. Ich gucke zurück auf ein wahnsinnig bewegendes Jahr mit Artikeln in „miles! – Das Magazin“, bei Focus online, in diversen Tageszeitungen, in Fachzeitungen und im Familienmagazin. Ich gucke auch auf tolle Interviews und viele inspirierende Gesprächen. Ich blicke auch auf viele tolle Kurztripps und zwei Urlaube zurück. Ich gucke auf so viele kleine Begebenheit, die ich hier kaum unterbringen kann.

Das ist dein Wert!

Ich muss abrücken von dem Gedanken: „Was mach ich denn schon?“ Ich weiß sehr wohl, was ich getan habe. Ich weiß, wie viel Mut, Fleiß und Arbeit ich diesen Weg investiert habe. Ich weiß, wie viel Aufwand ich betrieben habe, damit viele der Termine so stattfinden konnten. Ich weiß auch, wie müde ich Mitte November wurde, weil es neben einer Krankheit, einem Job und einer Familie doch sehr kraftraubend war. Und ich merke es, weil ich jetzt nach 6 Wochen langsam wieder in die richtige Fahrspur komme. Ich sitze hier also. Mit einem Bewusstsein. Mit dem Bewusstsein, dass ich diesen Weg selbst gestaltet und mir erarbeitet habe. Ich habe gelernt, dass ich auf mich vertrauen darf. Ich weiß jetzt, dass ich meine Fähigkeiten nicht kleinreden muss, sondern einsetzen kann. Ich habe auch gemerkt, dass ich bei Rückschlägen reagieren kann. Es war auch eine Reise zu mir. Eine Reise zu einem Ort, an dem ich verstehe, was ich wirklich im Leben machen möchte. Ein Ort, an dem ich auf mich vertrauen kann. Hier ist er also: mein Wert.

Ohne Rückhalt funktioniert sowas aber nie. Also gilt der größte Dank an die Menschen, die mir sehr nahe stehen. Meiner Frau, die mehr Zeit mit meinem Sohn verbracht hat, als es sein sollte, damit ich auf diese Reisen gehen kann. Die zu Hause mehr Aufwand betreiben musste, damit ich die Freiheit habe, zu organisieren, gestalten und rauszugehen. Mein Sohn, der mir mit seinen 2 Jahren mehr beigebracht hat, als jeder Therapeut es je hätte tun können. Den Blick auf mich zu richten, mich auf das Leben einzulassen und spielerisch zu meistern. Und? Wie er nicht einfach aufzugeben, sondern immer weiter zu probieren. Meinen Freunden, die in schlechten Phasen – ungefragt – irgendwelche schlauen Sätze von sich gegeben haben. Es war ja völlig egal was, sie waren da. Das zählt. Meiner Schwiegerfamilie, die genauso eine Stütze in dem System waren. Immer wieder.

Und so blicke ich nicht nur auf ein Jahr zurück, sondern auf 5 Jahre dieses Blogs. 5 Jahre Entwicklung eines Menschen, mit all seinen Stolperfallen, Auszeiten, Stille, Schreibereien und Engagements. Ich gucke auf eine stetige Entwicklung, die so sein musste, wie sie ist. Einer Reise. Zu mir selbst.

Es ist zu Ende …

… dieses eine Jahr. Was ist schon ein Jahr? Was ist schon ein Jahreswechsel? Was bedeutet schon Zeit? Zeit ist nur wichtig, wenn wir sie miteinander verbringen können. Nur dann hat sie eine gewisse Relevanz, denn dann schaffen wir Erinnerungen. Ich habe viele tolle Erinnerungen, die ich weiter mit mir tragen werde. Sie werden mich noch ein Stück tragen. Ein Ende muss also nicht immer das Ende sein.

Also? Tschüss. Bis nächstes Jahr. (Noch so ein lächerlich abgedroschener Wortwitz, der seinen Zenit überschritten hat. Sagen wir es heute doch mal anders: Bis Montag, wir lesen uns!)