Herr Bock fragt … die Deichgräfin

Herr Bock fragt … wieder einen interessanten Menschen. Diesmal “Erna unplugged“, die zwar bei Twitter Deichgräfin heißt, aber seit zwei Jahren mit ihrer bayerischen Depression im Süden wohnt. Erna heißt nicht Erna, aber Kollegen nennen sie so. Sie lebt nicht nur mit der Depression, sie hat diverse Phobien und daraus resultierende Zwangsstörungen mit Verhaltenstherapie in den Griff bekommen. Twitter als Medium – einmal mehr. Sie schreibt mal mehr, mal weniger über das (Er)Leben und führt auch Gespräche mit ihrem “unangenehmen Besuch”. Auf einfühlsame und nicht aufdringliche Art, vermittelt sie, dass es nicht schlimm ist, mit einer psychischen Erkrankung zu leben und schafft mit den Selbstgesprächen etwas Distanz, um sie selbst zu bleiben. Ihren Blog nutzt sie nur, wenn sie das Gefühl hat, sie hätte was zu sagen. Wer sie liest, wird unweigerlich denken, dass sie noch viel mehr zu sagen hätte. Mit ihren Tweets sagt sie oft auch schon mehr, als ihr wahrscheinlich bewusst ist. Ich freu mich, dass sie mir ein paar Fragen beantwortet hat und nicht nur mit ihrem Besuch redet.

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Heldenwelten

Die Sonne scheint. Es wird langsam Frühling. Das Thermometer zeigt schon gelegentlich zweistellige Temperaturen an. Ich lieben den Frühling. Ich liebe es, wenn die Blumen langsam rauskommen und die Natur wieder Farbe annimmt. Ich mag es, wenn die Sonnenstrahlen meine Haut streicheln. Ich liebe es, wenn es draußen noch nicht all zu warm ist. Ich könnte jetzt rausgehen, diesen Tag genießen, spazieren, leben, entdecken. Das einzige, was ich gerade wirklich entdecke? Ist die depressive Episode, die mich schon länger wieder gefangen hält. Ich möchte nicht rausgehen. Es ist mir egal. Ich möchte viele andere Sachen auch nicht machen. Eigentlich kann ich es gerade auch schon wieder nicht. Es ist mir zu viel. Die ganzen Aufgaben im Alltag sind mir zu viel. Zeit habe ich dafür auch nicht. Wenn ich hier so ruhig, regungslos und scheinbar völlig entspannt in meinem Sessel sitze, sieht man mir die Rastlosigkeit und den Stress in meinem Kopf nicht an. Unaufhörlich platzen immer neue Gedanken in den Kopf, die durchdacht werden wollen. Sie wiederholen sich. Immerhin scheitere ich an meinen selbstgesteckten Zielen und Erwartungen. Immerhin klappt das.

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Sich verlassen, um zu leben …

… darum trennen sich Kinder von ihren Eltern. Oder Eltern von ihren Kindern. Egal, wie rum es am Ende gedreht wird, bei dem Ganzen ist im Vorfeld immer etwas passiert. Was genau? Darüber reden die wenigsten. Ich habe hier Teile meiner Lebensgeschichte offen gelegt, weil sie ein großer Faktor für mein Verhalten, die destruktiven Denkmuster, den depressiven Episoden und den Suizidgedanken ist. Ich habe immer versucht, den Kontakt abzubrechen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe, mich den emotionalen Erpressungen meiner Eltern hinzugeben. Geschafft habe ich es nur bedingt. Zu groß war mein Wunsch, doch wenigstens ein einziges Mal die Bestätigung zu bekommen, dass ich irgendwas gut gemacht habe. Habe ich nie – egal, was es war. Meine Mutter hat die Tür zugemacht. Aus gutem Grund. Sie hat sich ja auch allem widersetzt, was ich je von mir preisgegeben habe. In meinem Leben ging es nie um meine Bedürfnisse und Wünsche. Die waren nicht materiell. Das, was ich immer gebraucht habe, wurde mir verwehrt.

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