… an dem mich ein kleiner Auslöser ins gedankliche Verderben reißt. Einer dieser Tage, an dem die Depression und die Struktur-Störung mehr als präsent ist. Zu lernen, dass ich mich um alles kümmern muss und nicht ignorieren darf ist das eine, die Wellen ertragen von Problemen aus der Vergangenheit das andere. Ich bin müde von Problemen, vom Kümmern, vom Laufen und Regeln, ich bin es leid, dass oft nichts so läuft wie es soll. Es ist anstrengend an alles denken zu müssen, zu telefonieren, das Verdrängen zu verdrängen. Ich bin müde und möchte schlafen, schlafen, weil die Sorgen dann nicht so präsent sind – auch wenn ich weiß, dass ich wieder schlecht einschlafen werde und wohl vor dem Wecker wach bin. Ich bin nicht nur müde, nein, auch der Gedanke mich aufzugeben und nicht weitermachen zu wollen ist da. Sicher, ich hab ihn lächelnd begrüßt, er tut mir nichts und ich ihm nicht. Ich werde mich dem Gedanken auch nicht hingeben. Ich darf es einfach nicht, denn ich habe jetzt die Chance zu beweisen, dass die vergangenen Jahre zwar nicht gut waren, aber es besser geht, ich besser sein kann und darf. Ja, es darf Probleme geben und ich muss sie ansprechen, immer, zu jeder Zeit – egal, welcher Wind mir dann entgegenschlägt. Scheiße ist nun mal scheiße und lässt sich nicht beschönigen.

Gibt es eigentlich auch mal positive Sachen? Ja! Ich habe angefangen den Anamnesebogen für die ambulante Therapie auszufüllen. Herrje, die stellen Fragen! Ich bin ja nun einiges an tiefgehenden Fragen gewöhnt, aber was soll ich mit „Wie stellen sie sich den optimalen Patienten vor? Welche Kriterien davon können sie nicht erfüllen?“ anfangen? Also gut, ich sollte mir 3 – 5 Stunden für die Fragebögen Zeit nehmen. Natürlich war ich wieder – wie auch in der Berufsschule schon – schneller unterwegs. Dennoch: geschafft! Das ist gut! Gestern konnte ich zudem noch ein wichtiges Gespräch beim Anwalt führen und einige Fragen stellen und habe schon Antworten. Auch da alle Probleme ausgepackt, ein paar Hausaufgaben mitbekommen und heute direkt erledigt (Hausarzt anrufen für Attest, ne Liste mit Namen erstellen und Bank kontaktieren für Auszüge). Fazit: auch geschafft.

Warum bin ich darauf stolz? Weil ich die letzten Jahre alles vor mir hergeschoben habe und ausgeblendet. Schönrederei, Ausflüchte und Beschwichtigungen waren an der Tagesordnung. Die haben mir oftmals das Genick gebrochen. Das ist mein Teil der Strukturstörung. Ich kann mich sehr gut an Strukturen halten, bis zu einem gewissen Punkt. Beispiel: In der Kunsttherapie sollte ich ein Puzzle mit 6 Teilen machen, jedes Puzzleteil sollte ein eigenes Thema haben. Damit ich nicht vergesse, welches Thema wo zu sehen ist, habe ich es beschriftet – bis zum dritten Puzzleteil. Ab da an war ich so ins Malen vertieft, dass ich die Beschriftungen vergessen habe. Ich würde jetzt sogar noch behaupten, ich habe das für mich ausgeblendet. Wieder einer dieser Automatismen, die ich versuche zu unterbrechen und in den letzten Tage auch sehr gut schaffe.

Fazit: Die Tage sind durchwachsen. Erfolg und gedankliche Niederlage sind da sehr nah bei einander.

Auch hier kann ich nochmal sagen, dass es nicht ohne eine starke Partnerin bis hierhin funktioniert hätte. Ich weiß, was sie in den letzten Monaten durchmachen musste und heute noch an Launen erleben darf. Sie hat es nicht einfacher als ich, weil sie sich um ein zweites Leben mit kümmert, mehr als sie vielleicht möchte, mehr als es sein muss. Danke M.!