„Nächste Woche haltet ihr dann bitte ein Referat …“ Der Satz, der mich damals ins Verderben gebracht hat. Vor der Klasse stehen und irgendwas präsentieren, was ich erst ausarbeiten muss und dann auch noch vortragen? Oh Gott! Es gab nichts, wirklich gar nichts, schlimmeres, was mir irgend einer meiner Lehrer antun konnte. Das wurde in der Berufsschule zwar besser, aber nicht gut. Das wurde in der zweiten Berufsschule auch besser, aber nicht gut. Und es wurde nochmal etwas besser, aber wahrlich nicht gut. Und ich hatte immer noch keine Ambitionen, irgendwas zu präsentieren. Was hab ich mich damit schwer getan – wenn ich denn überhaupt da war. Vor Leuten stehen und frei sprechen. Nein! Niemals. Und …

… dann schaufel ich mir selbst wieder ein Loch. Ein Tweet. Ein paar kurze Worte. Ein einziger laut ausgesprochener Wunsch.

Ja, es ist ein echter Wunsch. Aber doch nicht direkt mit Hinweisen. Oder? Warum ich nicht damit gerechnet habe, dass wirklich jemand antwortet? [Bitte fügen Sie hier ein lautes Schulterzucken ein!] Nicht nur, dass ein User schreibt, nö, er schlägt direkt das Barcamp vor. Nach kurzem recherchieren war klar, dass ich eigentlich mit „meinem Thema“ bei einem Camp für Social Media, Mobile Services und IT nichts zu suchen habe. Und dann fragt auch noch das Barcamp Hannover nach. Letztlich gab es gar keine andere Wahl mehr. Ich weiß mittlerweile, dass es in Stuttgart mal ähnliche Themen gab. Und auch, dass es nicht immer nur um IT und Internet gehen muss (mich interessiert es ja sogar selbst, also wäre ich wohl auch ohne eigenem Vortrag hingegangen).

Und jetzt? Sitze ich hier mit gebuchten Tickets, dem ins Forum geschriebene Thema, einer bestärkenden Antwort und doch etwas Muffe. Thema steht: „Suizid – Das Leben ist zu kurz, um gleich ins Gras zu beißen. Wie ist das Leben mit Suizidgedanken? Wie fühlen sich Depressionen an? Warum ist der Suizid die einzige – viel zu frühe – Lösung? Warum entscheiden sich Menschen dazu? Und was kann ich tun, wenn im Umfeld jemand damit leben muss? Eine kurze Reise in die Welt der „dunklen Gedanken“.

Wir – nee! – ich steigere das Ganze noch etwas, damit es nicht zu leicht wird. Ich werde frei sprechen. Ich werde einen groben Ablauf im Kopf haben. Ich werde aber keine vorgefertigte Präsentation haben. Ich werde keine Moderationskarten besitzen. Ich werde frei reden und nicht irgendwo ablesen. Ja, ich stelle mich da hin und werde nicht in trockener Art, nicht erzählend, nicht weinerlich, dieses – mein! – Thema erörtern. Ich werde für Fragen bereit sein. Ich werde vielleicht Antworten haben. Vielleicht werde ich auch etwas Nähe schaffen für die, die sich damit nicht auseinandersetzen konnten, wollten, durften, mussten und … äh … ihr wisst schon.

Klingt mutig, oder? Japp. Das ist verdammt mutig. Ich habe nichts zu verlieren. Ich könnte es maximal „verbocken“. Davor habe ich aber keine Angst mehr. Vielleicht. Und auch das ist ein Teil von „raus aus den alten Mustern“. Jetzt!

Mut, weil wir drüber reden müssen. Angehörige, Betroffene, Interessierte. Mut, weil der Tod von Johannes Korten nur einer von vielen war, der nicht sein muss. Mut, weil wir alle etwas empathischer miteinander umgehen sollten müssen. Mut, weil das Stigma kleiner werden muss. Mut, weil es einen Weg aus der Spirale geben kann. Mut, weil es eben jeden treffen kann – egal in welcher Richtung, egal in welchem Job, egal aus welchem sozialen Kreis. Mut, weil ich mich nicht damit verstecken will. 

Ihr wollt mehr übers Barcamp wissen? Webseite besuchen. Oder bei Twitter schauen. Oder dort den Hashtag #bch16 benutzen. Ebenso wie bei Facebook.

Wann das Ganze sein soll? Am 10. und 11. September. In Hannover. In der Buhmannschule. Ich selbst werde aber nur Samstag da sein. Ihr auch? Kommt ihr? Halt! Sagt es nicht. Am Ende krieg ich noch Muffe, weil zu viele Bekannte Gesichter dort sind. (Falls ihr doch wollt, ich habe munkeln hören, dass es wohl noch ein paar Restkarten gibt.)